Zellentzündung und Adipositas

4 März, 2020
Am Anfang einer Krankheit steht oft eine einfache Entzündung, die als Abwehrreaktion des Organismus entsteht. Entzündungsprozesse können jedoch chronisch werden und stehen in sehr engem Zusammenhang mit Adipositas.

Menschen mit Adipositas leiden an niederschwelligen Entzündungsprozessen, wobei noch nicht eindeutig geklärt werden konnte, ob dieser Zustand auf die Gewichtszunahme zurückzuführen ist. Allerdings besteht ein klarer Zusammenhang zwischen Zellentzündung und Adipositas. Anschließend erfährst du mehr über dieses Thema. Außerdem haben wir einige hilfreiche Tipps für Betroffene.

Die niederschwelligen Entzündungsprozesse, von denen fettleibige Menschen betroffen sind, zeigen wiedereinmal, dass unser Essverhalten, das heißt unsere Gedanken, Entscheidungen und Taten im Zusammenhang mit unserer Ernährung, weit über das Wollen oder nicht Wollen hinausgehtUnsere Beziehung zum Essen ist weitaus komplexer!

Zellentzündung: Was ist das? 

Als schleichende oder niederschwellige Zellentzündung bezeichnet man nicht wahrnehmbare Entzündungsprozesse, die in einem Organ oder Gewebe als Schutzreaktion auftreten, um eine innere oder äußere Bedrohung abzuwehren.

Zwar handelt es sich um einen sehr wichtigen Verteidigungsmechanismus, doch die Aktivierung stimuliert die Bildung von Enzymen, welche auch das gesunde Gewebe angreifen. Wenn sich diese Situation durch die kontinuierliche Exposition gegenüber schädlicher Stoffe chronisch entwickelt, schadet dies dem betroffenen Organ oder Gewebe. 

Die chronische Zellentzündung macht den Organismus auf unterschiedliche Arten krank. Adipositas spielt dabei eine wichtige Rolle.

Zellentzündung und Adipositas

Adipositas oder Fettleibigkeit geht mit chronischen, niederschwelligen Entzündungsprozessen einher, was auf folgende Ursachen zurückzuführen ist:

  • Veränderungen der intestinalen Mikrobiota
  • Oxidativer Stress
  • Erhöhte Freisetzung von entzündungsfördernden Faktoren
  • Überaktivierung der peripheren Makrophagen

Die Beziehung zwischen Zellentzündung und Adipositas scheint also im Fettgewebe zu entstehen: Die hypertrophierten Adipozyten einer fettleibigen Person setzen entzündungsfördernde Zytokine frei und diese wiederum ziehen entzündungsfördernde Makrophagen an. Diese Substanzen verbreiten sich dann im Organismus.

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Dazu kommt, dass die meisten Gewohnheiten, die zu Adipositas führen (Stress, Fast Food, Schlaflosigkeit, Bewegungsmangel) ebenfalls Entzündungsprozesse begünstigen. In Kombination mit den entzündungsauslösenden Substanzen im Fettgewebe führt dies zu allgemeinen Entzündungsvorgängen, welche den Großteil des Körpers betreffen.

Die durch das Fettgewebe verursachten Entzündungsreaktionen verschlimmern sich also in Kombination mit den Auslösern der Fettleibigkeit. Es sind also zwei Ursachen für die Entzündungsreaktionen zu unterscheiden: das adipöse Gewebe und die schädlichen Gewohnheiten, die dazu führen. 

Zellentzündung
Das Zellgewebe zählt zu den Hauptauslösern der Zellentzündung.

Zellentzündung und Hormonresistenz 

Das Endergebnis ist eine Insulinresistenz. Denn dieses Hormon ist dafür zuständig, Fett zu abzulegen. Die Entzündungen können auch eine Leptinresistenz auslösen, denn dieses Hormon hat die Aufgabe, Fettzellen auszusenden, um dem Gehirn ein Sättigkeitsgefühl zu melden. Doch dadurch wiederum erhöht sich der Appetit, das Fettgewebe vermehrt sich und die Entzündungsreaktionen verschlimmern sich. 

Die Zellentzündung und die Fettleibigkeit führen also in einen Kreislauf, der die Situation verschlimmert. Je größer das Problem der Adipositas, desto mehr Entzündungsreaktionen und umgekehrt. 

Zellentzündung: Was kann man tun?

Es ist also grundlegend, die Entzündungsprozesse zu lindern, um Adipositas zu behandeln. Anschließend findest du verschiedene Empfehlungen, die dir helfen können, dieses Ziel zu erreichen:

Omega 3 (EPA) 

Aus aktuellen Forschungen geht hervor, dass Eicosapentaensäure (EPA) stark entzündungslindernd wirkt und bei der richtigen Dosierung sehr effizient gegen Zellentzündungen hilft. 

Es ist wichtig, Omega-3-Nahrungsergänzungsmittel zu wählen, die gut aufgenommen werden können und keine Schwermetalle wie Quecksilber enthalten.

Man kommt an einem Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren kaum vorbei. EPA ist zwar in verschiedenen Nahrungsmitteln enthalten, jedoch nicht in ausreichender Menge. Die wichtigste natürliche Quelle ist Fettfisch, der normalerweise jedoch gekocht wird und Hitze oxidiert Omega 3.

Allerdings gibt es auch pflanzliche Nahrungsmittel, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind und roh verspeist werden können. Dazu gehören zum Beispiel Nüsse, die Omega 3 (ALA) enthalten, das jedoch vom Organismus nicht verwertet werden kann. 

Ernährung gegen Zellentzündung

Zusammenhang zwischen Buttersäure und Zellentzündung 

Die Supplementierung mit Buttersäure (Butansäure) hat sich ebenfalls als wirksam gegen Entzündungsprozesse gezeigt. Wenn du ein Nahrungsergänzungsmittel mit Buttersäure kaufst, achte allerdings darauf, dass sich die Kapsel erst im Darm auflöst, denn es ist wichtig, dass die Buttersäure den Darm in ihrem ursprünglichen Zustand erreicht.

Im Unterschied zu Omega-3-Fettsäuren ist jedoch in diesem Fall eine Nahrungsergänzung nicht nötig. Denn um ausreichend Buttersäure zu erhalten benötigst du nur eine gesunde intestinale Mikrobiota und eine ballaststoffreiche Ernährung. 

Entzündungsförderndes Verhalten vermeiden

Auch bestimmte Gewohnheiten beziehungsweise Probleme förden Entzündungsreaktionen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Schlaflosigkeit
  • Bewegungsmangel
  • Stress
  • Konsum von ungesunden Fetten: fettes Lamm-, Schweine- oder Rindfleisch, Eingeweide, industriell hergestellte Backwaren
  • Zucker: Tafelzucker und zuckerreiche Industriewaren
  • Nahrungsmittel mit hohem glykämischen Index: weißer Reis, Pasta aus Weißmehl, Weißbrot
  • Stark kontaminierte Umwelt
  • Konsum von giftigen Stoffen: Alkohol, Tabak
  • Übermäßige Nutzung von Produkten mit Chemikalien: Parfum, Deodorant

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Antioxidantien und Zellentzündung

Wenn du etwas gegen Entzündungsprozesse unternehmen möchtest, solltest du mehr Antioxidantien einnehmen. Baue ausreichend frisches Obst und Gemüse, Trockenfrüchte und extra natives Olivenöl in deinen Ernährungsplan ein. Falls nötig können außerdem Nahrungsergänzungsmitel mit Vitamin E, Selen oder Astaxanthin zur Anwendung kommen.

Wenn wir von Adipositas sprechen, denken wir oft, dass es betroffenen Menschen an Willenskraft fehlt. Doch dieses Problem ist weitaus komplexer. Es gilt, Verhaltensweisen zu verändern, die zu Fettleibigkeit führen, die Ernährung umzustellen und Entzündungsprozesse im Körper zu reduzieren. Menschen mit dieser Krankheit benötigen Hilfe, damit sie mit einer Kombination von Maßnahmen dem Teufelskreis entkommen.