Was ist ein DAO-Mangel und welche Folgen hat er?

Das Enzym Diaminooxidase (DAO) spielt eine wichtige Rolle im Körper. Ein DAO-Mangel kann bestimmte Symptome hervorrufen. In diesem Artikel erfährst du alles, was du darüber wissen musst. Lies weiter!
Was ist ein DAO-Mangel und welche Folgen hat er?
Maria Patricia Pinero Corredor

Geschrieben und geprüft von der Ernährungswissenschaftlerin Maria Patricia Pinero Corredor.

Letzte Aktualisierung: 04. August 2022

Hast du schon einmal etwas gegessen und am nächsten Tag unter Kopfschmerzen, Übelkeit oder Juckreiz gelitten? Das liegt wahrscheinlich an einem DAO-Mangel, dem Enzym, das als Diaminooxidase bekannt ist. Dieses Enzym ist für den Abbau von Histamin verantwortlich, einem Wirkstoff, der in bestimmten Konzentrationen dem Körper schaden kann.

Eine Fehlfunktion der Diaminooxidase oder eine chemische Blockade ihrer Wirkung durch Drogen oder Alkohol kann den Abbau von Histamin verhindern. Der Überschuss dieses Amins im Blut stammt aus bestimmten Lebensmitteln oder aus einigen Zellen, in denen es gespeichert ist. In diesem Artikel erfährst du, was ein DAO-Mangel ist und welche Auswirkungen sich daraus ergeben können.

Was ist ein DAO-Mangel?

Zunächst einmal solltest du wissen, dass die Verdauungsenzyme dafür verantwortlich sind, Nährstoffe aufzuspalten und sie für die Aufnahme im Darm vorzubereiten. Eines diese Enzyme ist die Diaminooxidase, kurz DAO, die für den Abbau von Histamin verantwortlich ist.

Ein DAO-Mangel ist ein Mangel an dem Enzym Diaminooxidase im Darm. Wenn DAO nicht vorhanden ist, entsteht ein Ungleichgewicht zwischen aufgenommenem und freigesetztem Histamin. Dadurch reichert sich das Amin im Plasma an, was dann zu unerwünschten Auswirkungen führt.

Allerdings treten die Symptome nicht sofort nach dem Verzehr von histaminreichen Lebensmitteln auf. Sie treten erst später auf, wenn sich dieses Molekül dauerhaft im Blut anreichert.

Was ist Histamin?

Histamin ist ein stickstoffhaltiges Nicht-Protein-Molekül, das zu den biogenen Aminen gehört. Diese Verbindungen entstehen durch die Umwandlung einiger freier Aminosäuren, wie z. B. Histidin.

Amine spielen eine wichtige Rolle bei der Verteidigung des Körpers gegen äußere Einflüsse. Bei Histamin handelt es sich um einen Auslöser von allergischen Erkrankungen, sodass der Verzehr von histaminhaltigen Lebensmitteln ähnliche Symptome wie allergische Prozesse hervorrufen kann. Obwohl sie oft verwechselt werden, handelt es sich um zwei verschiedene Prozesse.

Wenn ein DAO-Mangel vorliegt, wird Histamin nicht abgebaut und gelangt direkt ins Blut. Der Anstieg der Histaminkonzentration kann zu Durchfall, Urtikaria und Migräne führen.

Woher kommt das Histamin?

Im Allgemeinen wird das Vorhandensein von biogenen Aminen in Lebensmitteln auf bestimmte Bakterien zurückgeführt, die die Proteine des Rohmaterials abbauen. Nach Angaben des Instituto de Productos Lácteos de Asturias handelt es sich bei diesen Mikroorganismen möglicherweise um die Milchsäurebakterien, die zur Gewinnung fermentierter Lebensmittel zur Anwendung kommen.

Biogene Amine können aber auch in verunreinigten Lebensmitteln gebildet werden. Einige Autoren beschreiben die Käsereaktion und Scombroid-Vergiftung als Entstehungsprozesse z. B. in dunkel gefärbtem Fisch.

Martucelli und andere Experten erklären, dass während der Fermentation Proteine abgebaut werden, um die Aminosäuren freizusetzen. Von diesen werden einige decarboxyliert und bilden die biogenen Amine.

Die Speicherung von Histamin erfolgt in einigen Zellen wie den Basophilen und Mastzellen. Wenn ein Antigen vorhanden ist, gelangt es ins Blut.

Lies auch diesen Artikel: Wofür sind Antihistamine?

Ursachen für einen DAO-Mangel

Es gibt verschiedene Gründe, die ursächlich für einen Mangel des Enzyms Diaminooxidase sein können:

  • Genetische Veränderungen: Sie gelten als der häufigste Faktor für DAO-Mangel.
  • Pharmakologische Ursachen: Einige gängige Medikamente wie Analgetika, Antihistaminika, Antidepressiva, Antihypertensiva, Diuretika und Antibiotika blockieren die Aktivität des Enzyms.
  • Übermäßiger Alkoholkonsum: Ethanol ist ein starker Hemmstoff für die oxidative Aktivität des DAO-Enzyms.
  • Entzündliche Darmerkrankungen: Dazu gehören Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Zöliakie.
DAO-Mangel

Lebensmittel, die Histamin enthalten und Symptome hervorrufen können

Unter allen Lebensmitteln, die Histamin enthalten, finden sich unter anderem fermentierte Lebensmittel (sofern Milchsäurebakterien zum Einsatz kommen):

  • Gereifte Käsesorten: Wie unter anderem Gouda, Brie, Camembert, Parmesan und Roquefort. Sie enthalten zwischen 80 und 4.500 Milligramm Histamin pro Kilogramm Käse.
  • Fermentiertes Gemüse: Zum Beispiel Sauerkraut.
  • Würstchen und andere Fleischprodukte: Diese können bis zu 300 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel enthalten.
  • Frischer, gesalzener und konservierter Fisch: Diese haben einen Wert von 1.500 bis 5.000 Milligramm pro Kilo.
  • Wein und Apfelwein: Enthalten zwischen 5 und 130 Milligramm pro 100 Milliliter.
  • Bier: 2,8 bis 13 Milligramm pro 100 Milliliter.

Nach Angaben der US-amerikanischen Lebensmittelbehörde FDA gehören zu den Lebensmitteln, die Histamine aus den Mastzellen freisetzen, unter anderem Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Ananas, Kiwi, Meeresfrüchte, Schokolade und Tomatensauce. Darüber hinaus regt auch der Verzehr von Schweinefleisch, Eiweiß und Pilzen diese Freisetzung an.

Außerdem veranlassen einige Zusatzstoffe wie Sulfite, Nitrite, Mononatriumglutamat, Benzoat und Farbstoffe im gelben Bereich die Zellen, Histamin freizusetzen.

Die Folgen eines DAO-Mangels

Die Folgen des DAO-Mangels hängen von dem angesammelten Histamin ab. In der Zeitschrift Food Chemistry wird darauf hingewiesen, dass Histamin und Tyramin in verschiedenen Organen zu Vergiftungen führen:

  • Zentrales Nervensystem: Migräne, Kopfschmerzen und Schwindelgefühl.
  • Herz-Kreislauf-System: Erweiterung der Blutgefäße, niedriger Blutdruck, Kopfschmerzen und Gesichtsrötung.
  • Haut: Ekzeme, Dermatitis, Urtikaria.
  • Verdauungssystem: Reizdarm, Durchfall, Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen.
  • Muskeln: Akute Schmerzen.
  • Knochengewebe: Osteopathische Schmerzen.
  • Atmungsorgane: Asthma.

Wie hoch ist das Vergiftungsrisiko?

In der Literatur wird darauf hingewiesen, dass es immer noch keinen Konsens über die Mindestdosis von Histamin gibt, die in der Allgemeinbevölkerung toxische Wirkungen hervorrufen kann. Allerdings weiß man, dass die in der Nahrung enthaltenen Mengen mit mehr als 600 Milligramm pro Kilogramm sehr hoch sein, bevor es zu einer Histaminvergiftung kommt.

Bei intoleranten Menschen oder solchen mit DAO-Mangel kann jedoch schon eine viel geringere Menge Symptome auslösen. Diese Schwellenwerte liegen zwischen 50 Mikrogramm (eine 125-Milliliter-Portion Wein) und 75 Milligramm.

Darüber hinaus kann das Vorhandensein anderer Amine in Lebensmitteln oder Getränken die Histamin-Toxizität erhöhen. Obwohl es noch nicht klar ist, wird vermutet, dass dies aufgrund von Rezeptorkonkurrenz im Darm geschieht.

DAO-Mangel - Rotwein

Wie sollte die Ernährung bei DAO-Mangel aussehen?

Diäten zur Behandlung von DAO-Mangel sollten nicht nur auf einem niedrigen Histamingehalt basieren. Darüber hinaus sollte man auch die Kombination bestimmter Lebensmittel entsprechen anpassen. Die Empfehlungen diesbezüglich sind gut dokumentiert.

Einige raten zum Verzicht auf Lebensmittel, die mehr als 20 Milligramm Histamin pro Kilogramm Produkt enthalten. Andere sind etwas strenger und empfehlen nur Lebensmittel mit maximal 1 Milligramm pro Kilogramm.

Die Diät sollte fermentierte Lebensmittel ausschließen. Dazu gehören Wurst, Salami, Chorizo, gereifte Käsesorten, Fischkonserven oder frischer Fisch mit dunklem Fleisch. Darüber hinaus solltest du auch auf den Verzehr einiger Gemüsesorten wie Sauerkraut und fermentierte Sojabohnen verzichten.

Fermentierte oder destillierte alkoholische Getränke solltest du ebenfalls aus deinem Speiseplan streichen. Zudem empfiehlt es sich, bestimmte Lebensmittel wegen ihrer DAO-hemmenden Wirkung nicht mit diesen Getränken zu kombinieren.

Auch in Mangold, Tomaten, Oliven, Hülsenfrüchten und Getreide wurden minimale Mengen an Histamin nachgewiesen. Da es sich nur um sehr geringe Konzentrationen handelt, sind die hier enthaltenen Mengen in der Regel unbedenklich. Allerdings solltest du auf den Verzehr von Spinat verzichten.

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