Körperliche Strafe: Auswirkungen auf Babys

· 6 Januar, 2019
Manche Eltern sind selbst mit Erziehungsmethoden aufgewachsen, die auch körperliche Strafe einschlossen. Gerade für sie es oft eine Herausforderung, bei ihren eigenen Kindern einen anderen Erziehungsstil an den Tag zu legen. Doch körperliche Züchtigung schadet dem Baby sowohl physisch als auch emotional.

Körperliche Strafe hat sehr negative Auswirkungen auf Kleinkinder. Und bei Babys unter zwei Jahren sind die Folgen noch gravierender als sowieso schon. Die körperliche Strafe eines Babys wird als Kindesmissbrauch eingestuft.

Dennoch gibt es erstaunlich viele Väter und Mütter, angebliche Spezialisten für Kindererziehung eingeschlossen, die körperliche Strafe für Kinder für ganz normal halten.

Ihrer Meinung nach ist es das Beste, wenn der Nachwuchs schon von klein auf lernt, was zu tun und was zu unterlassen ist.

Zählt körperliche Strafe als Misshandlung?

Zweifellos stellt körperliche Strafe eine Misshandlung dar. Auch, wenn es sich dabei um einen einzigen Klaps handeln sollte, bei dem man angeblich genau darauf achtet, das Baby nicht zu verletzen.

Denn laut der UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder und Jugendliche das Recht darauf, vor jeder Art körperlicher Bestrafung geschützt zu werden.

Egal wo Kinder betreut werden: Zu Hause, in Pflegeheimen oder in Bildungseinrichtungen. Nirgends sollten Kinder Formen von Missbrauch ausgesetzt sein. Dies gilt auch für Strafvollzugsanstalten, in denen Jugendliche, die gegen die Gesetze ihres Landes verstoßen haben, ihre Haftzeit absitzen.

Die meisten Länder der Welt haben die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet. Doch nur 45 davon haben tatsächlich Gesetze verabschiedet, die die körperliche Strafe von Kindern und Jugendlichen verbieten. Daher sieht es leider immer noch so aus, dass die Welt den Kindern noch einiges schuldet.

Warum befürworten manche Eltern körperliche Züchtigung?

Weinendes Baby

Körperliche Strafe wird von manchen Eltern tatsächlich befürwortet oder als notwendig erachtet. Sie argumentieren, dass sie selbst auch auf diese Weise erzogen wurden. Und sie versichern, dass diese Art von Gewalt bei ihnen keinerlei Trauma hervorgerufen habe.

Ebenso wenig habe die körperliche Züchtigung sie daran gehindert, erfolgreiche Erwachsene zu werden. Auch haben sie es geschafft, die Ziele zu erreichen, die sie sich selbst gesetzt haben. Sie seien sogar dankbar, dass man sie so erzogen hat.

Doch sollte man diese Väter und Mütter vielleicht fragen, warum sie es nicht wagen, den Erziehungsstil ihrer Eltern in Frage zu stellen. Dass man fähig ist, die eigenen Eltern schlecht zu behandeln, lässt nicht überwundene Ängste wieder hochkommen oder neu erleben.

Doch im Laufe der Zeit ändern sich die Dinge. Und so wie bestimmte Bräuche nicht mehr aktuell sind, ist auch ein solches Verhalten heutzutage nicht mehr akzeptabel.

Häusliche Gewalt ist in vielen Familien mit gestörten Beziehungsstrukturen stark verbreitet. Es mag sein, dass sich viele Eltern schlecht fühlen, wenn sie ihr Baby oder Kind körperlich bestrafen. Aber sie wagen es dennoch nicht, die notwendige Arbeit an sich selbst zu leisten. Doch nur so könnten sie das in der eigenen Kindheit erlernte Erziehungsmuster hinter sich lassen und abändern. Stattdessen wiederholen sie das gleiche Schema von Gewalt, das sie selbst als Kinder erfahren haben.

Ein Lesetipp: Die Langzeitfolgen häuslicher Gewalt

Was lernt ein Baby durch körperliche Strafe?

Ein weinendes Baby kann einen manchmal geradezu in den Wahnsinn treiben. Die Tage nach der Geburt sind extrem anstrengend: Man leidet unter schlaflosen Nächten. Und tagsüber ist man vollkommen damit beschäftigt, neben den normal anstehenden Aufgaben auch alle Bedürfnisse des Babys zu erfüllen. Das kann jeden dazu bringen, etwas ungeduldiger als gewohnt zu sein.

Aber wir möchten dich kurz zum Nachdenken anregen: Glaubst du wirklich, dass ein Klaps auf den Po oder eine ähnliche körperliche Strafe dein Baby dazu bringt, mit dem Weinen aufzuhören?

Ein Schlag, egal auf welchen Teil des zarten und noch überaus fragilen Babykörpers, wird kaum eines der Bedürfnisse mildern, die das Kleine auf seine Art einfordert.

Wenn man zu irgendeiner Form von körperlicher Gewalt greift, sind die Auswirkungen für das Baby negativ. Und zwar viel negativer als es viele Eltern, die in ihrer Kindheit selbst geschlagen wurden, in Erinnerung haben oder zugeben würden.

Durch körperliche Strafe lernt ein Baby vor allem Folgendes:

  • Es lernt, dass es nicht weinen sollte, wenn es hungrig, durstig oder müde ist. Denn es bekommt dann nicht das, was es erwartet. Sondern ganz im Gegenteil: Man greift es körperlich an.
  • Auch lernt es, dass es seine Bedürfnisse unterdrücken muss. Einschließlich der Notwendigkeit nach emotionaler Zuwendung. Denn natürlich will es den durch die Schläge erlittenen Schmerz nicht erneut verspüren.
  • Außerdem erfährt es, dass es sich an Schmerzen und Stress gewöhnen muss. Das führt aber zu einer Schwächung des natürlichen Triebs des Babys, die Welt um sich herum zu entdecken.
  • Und es lernt, dass es sich selbst misstrauen muss. Denn offenbar sind seine ihm natürlich erscheinenden Impulse nicht richtig und angebracht.

Welchen Schaden kann körperliche Strafe anrichten?

Mutter mit Baby

Eine übermäßige körperliche Züchtigung eines Babys kann überaus schwerwiegende Folgen haben.

Der kleine Körper entwickelt sich ja erst noch. Und daher ist er sehr empfindlich. Es kann zu schweren physiologischen und neurologischen Schäden kommen. Außerdem besteht die Gefahr der bereits erwähnten emotionalen Traumata.

Für einen Erwachsenen mag ein Klaps auf den Po geradezu nichtig erscheinen. Aber das gilt keinesfalls für ein Baby.

Ein Schlag auf das Gesäß kann eine Verletzung des Ischiasnervs verursachen. Eine Entzündung dieses Nervs kann die Beweglichkeit des Babys vorübergehend oder dauerhaft beeinträchtigen.

Kommt es gar zu einer internen Schädigung der Blutgefäße, kann dies noch schwerwiegenderen Folgen nach sich ziehen.

Schläge auf die Hände des Babys können zu Schäden von Knochen, Muskeln und Sehnen führen.

Ebenso ist Schütteln für Säuglinge sehr gefährlich. Denn die Nackenmuskulatur des Babys ist noch nicht so weit ausgebildet, um den Kopf stabil zu halten. Dadurch kann es dann auch zu Schäden an der Wirbelsäule sowie zu Hirnschäden, Blindheit und sogar zum Tod des Babys kommen.

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Und wenn man mit der körperlichen Züchtigung wartet, bis das Baby größer ist?

Körperliche Strafe hat keinen korrigierenden Effekt auf das Verhalten des Babys. Und Kinder, die mit körperlicher Gewalt bestraft werden, befolgen zwar die von den Eltern aufgestellten Regeln. Doch tun sie dies aus Angst und nicht, weil ihnen die Wichtigkeit dieser Regeln einleuchtet.

Das Wahrscheinlichste ist, dass sie die aufgestellten Normen auch nur dann einhalten, solange die mit körperlicher Strafe drohenden Eltern präsent sind.

Doch können die Folgen noch schwerwiegender sein. Denn das Kind lernt, dass Gewalt eine gute Strategie ist, um bestimmte Ziele zu erreichen. Wie zum Beispiel:

  • Um seine Meinung durchzusetzen.
  • Ebenso, um Probleme zu lösen.
  • Um Frust und Ärger abzubauen.
  • Auch lernt es, dass es mit Gewalt das bekommt, was es will.
  • Es kann sich so Respekt verschaffen.
  • Um Autorität zu erreichen.

Ein Kind lernt auf diese Art, dass Gewalt gerechtfertigt ist. Und sobald es in die Lage kommt, Macht auszuüben, wird es gegenüber Schwächeren oder Wehrlosen zu Gewalt greifen.

Angesichts der besorgniserregenden Nachrichten über geschlechtsspezifische oder häusliche Gewalt, sollten wir uns ernsthaft fragen: Ist es das, was wir uns für unsere Kinder wünschen?

Wenn du also deine Kinder zu unsicheren, ängstlichen, gewalttätigen und rachsüchtigen Erwachsenen erziehen willst, dann ist körperliche Strafe durchaus der richtige Weg dafür.

Doch wenn du dir wünschst, dass sie glückliche Kinder und später ebenso glückliche Erwachsene werden, solltet du bei der Erziehung unbedingt auf jegliche Gewalt verzichten.