Frühzeitige Entfernung der Eierstöcke

6 August, 2020
Die frühzeitige Entfernung der Eierstöcke erfolgt präventiv, um das Krebsrisiko gefährdeter Frauen zu verringern. Es handelt sich um eine schwierige Entscheidung. Lies weiter, um mehr über dieses Thema zu erfahren.

Die Entfernung der Eierstöcke ist fachsprachlich als Ovariektomie oder Ovarektomie bekannt. Es handelt sich um einen chirurgischen Eingriff, mit dem entweder ein Eierstock oder auch beide gleichzeitig entfernt werden.

Die Eierstockentfernung kann nötig sein, wenn eine Krebserkrankung vorliegt. In vielen Fällen erfolgt diese Operation jedoch präventiv bei Frauen, die ein hohes Risiko aufweisen, an Eierstock- oder Brustkrebs zu erkranken. In diesem Fall entfernt der Arzt die Eierstöcke bereits vor Symptome vorhanden sind.

Die Eierstöcke (Ovarien) befinden sich im kleinen Becken auf beiden Seiten der Gebärmutter und stehen mit den Eileitern in Verbindung. Sie bilden einen wichtigen Teil des weiblichen Fortpflanzungssystems, denn sie produzieren die Eizellen und auch die weiblichen Geschlechtshormone (Östrogen und Progesteron). Deshalb wirkt sich die Entfernung der Eierstöcke eindeutig auf den Hormonhaushalt der Frau aus.

Wann ist die Entfernung der Eierstöcke nötig?

Während des reproduktiven Alters der Frau setzen die Eierstöcke Östrogen und Progesteron frei. Diese weiblichen Sexualhormone beeinflussen nicht nur das Fortpflanzungssystem, sondern auch andere Körperbereiche, wie beispielsweise die Brust. 

In der Brust sind Östrogen- und Progesteronrezeptoren vorhanden, die ihre Struktur verändern. So fühlen zum Beispiel viele Frauen, dass ihre Brüste vor der Menstruation straffer sind. Der Körper bereitet sich so auf eine mögliche Schwangerschaft vor, indem die Milchdrüsen stimuliert werden. 

Mutationen der Gene BRCA1 und BRCA2 machen Frauen anfälliger, an Brust- oder Eierstockkrebz zu erkranken. Trägerinnen dieser Gene haben ein 50 – 85 Prozent höheres Risiko, irgendwann im Leben Brustkrebs zu entwickeln. Bei Frauen mit einer BRCA1-Genmutation ist das Risiko für Eierstockkrebs um 20 bis 40 Prozent erhöht.

Die Sexualhormone, die in den Eierstöcken produziert werden, katalysieren diese Krebsarten. Wenn also die Eierstöcke bereits frühzeitig entfernt werden, kann damit die Gefahr, daran zu erkranken, reduziert werden.

Entfernung der Eierstöcke
Die Eierstöcke enthalten die Eizellen und produzieren die Sexualhormone Östrogen und Progesteron.

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Frühzeitige Entfernung der Eierstöcke

Die Eierstockentfernung vor der Menopause wird als frühzeitig betrachtet. Denn während ihres reproduktiven Lebens benötigt die Frau die Eierstöcke, um den Menstruationszyklus zu regulieren. Ohne diese Fortpflanzungsorgane tritt die Menopause frühzeitig ein und die entsprechenden Hormone können nicht mehr produziert werden.

Trotzdem kann die Eierstockentfernung unumgänglich sein, wenn ein sehr hohes Risiko für Brust- oder Eierstockkrebs besteht. 

Präventive Eierstockentfernung wegen Brustkrebs

Breastcancer.org informiert, dass eine Eierstockentfernung bei Frauen mit großem Risiko die Wahrscheinlichkeit einer Brustkrebserkrankung um rund 50 % reduzieren kann. Dieser Vorteil ist jedoch nur dann vorhanden, wenn die Eierstöcke bereits vor der Menopause entfernt werden. Denn dadurch verringert sich die Östrogenproduktion und Tumore benötigen dieses Hormon, um sich zu entwickeln.

Die prophylaktische Entfernung der Eierstöcke vor oder nach der Menopause kann das Risiko für Eierstockkrebs bei stark gefährdeten Frauen um 90 % reduzieren. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass sich die Theorie über den Ursprung dieser Krebsart geändert hat. 
Früher gingen Wissenschaftler davon aus, dass es sich um eine primäre Tumorart mit direktem Ursprung in den Zellen der Eierstöcke handle. Doch es könnte auch eine sekundäre Art sein, die in anderen Bereichen des Beckens entsteht, wie zum Beispiel den Fimbrien der Uterusröhren. Die Ausbreitung auf den Uterus ist sekundär. Das bedeutet, dass nicht nur die Eierstöcke, sondern auch die Eileiter entfernt werden müssen.
Entfernung der Eierstöcke
Die BRCA-Gene spielen bei der Entwicklung von Brust- und Eierstockkrebs eine wesentliche Rolle.

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Hormone und die Entfernung der Eierstöcke

Die Entfernung der Eierstöcke führt zu einer verfrühten Menopause, da die Sexualhormone, welche den Menstruationszyklus regulieren, nicht mehr produziert werden können. Damit endet die Menstruation und die Fruchtbarkeit der Frau.

Andererseits schützen Östrogene auch die kardiovaskuläre und die Knochengesundheit:

  • Östrogene kontrollieren indirekt die Cholesterinwerte im BlutWenn dieses Hormon nicht vorhanden ist, reduziert sich der “gute” HDL-Cholesterinspiegel und das “schlechte” LDL-Cholesterin erhöht sich.
  • Die Sexualhormone beugen dem Verlust der Knochenmasse vor. Ohne Östrogen beschleunigt sich der Verlust der Knochenmasse und die Gefahr für Osteoporose und Knochenbrüche erhöht sich.

Der Rat des Arztes

Dein Arzt wird dich beraten und alle Vor- und Nachteile mit dir besprechen, bevor eine Entfernung der Eierstöcke erfolgt. Die langfristigen Folgen sind signifikant, deshalb ist es wichtig, die Entscheidung auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufzubauen.

Lasse dir alle deine Zweifel und mögliche Risiken von deinem Arzt erklären. Sollte es eine familiäre Vorbelastung geben und das Risiko für Brust- oder Eierstockkrebs groß sein, ist eine umfassende Beratung grundlegend, um zusammen mit dem Arzt die richtige Entscheidung treffen zu können.

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