Brustkrebs und die Rolle der Gene BRCA-1 und BRCA-2

24 Februar, 2020
BRCA-1 und BRCA-2 sind Hochrisikogene, die untersucht werden, um den Schweregrad von Brustkrebs zu bestimmen. Denn eine Mutation versechlimmert das Krankheitsbild. 

Die Gene BRCA-1 und BRCA-2 produzieren Proteine, die eine wichtige Funktion in der Hemmung von bösartigen Zellen übernehmen. Jene Proteine, die durch diese beiden Gene codiert werden, reparieren die geschädigte ADN und haben die Aufgabe, die Stabilität des genetischen Materials in jeder Zelle zu garantieren.

Wie jedes Gen können auch die genannten Gene Mutationen aufweisen, die ihre Struktur verändern und sie deaktivieren. Wenn dies der Fall ist, ist die Reparaturfunktion der zuständigen Proteine geschädigt und die DNA kann nicht korrigiert werden.

In der Folge ist die Wahrscheinlichkeit für genetische Veränderungen, die zu Krebs führen können, weitaus größer. Die Mutation dieser beiden Gene bedeutet im Konkreten ein erhöhtes Risiko für Brust- und Eierstockkrebs.

Das triple-negative Mammakarzinom und die Gene BRCA-1 und BRCA-2

Charakteristisch für das triple-negative Mammakarzinom ist die fehlende Expression des Östrogen- und Progesteronrezeptors, sowie die fehlende Überexpression/Amplifikation von HER2/neu.

Es handelt sich um eine Hochrisikoerkrankung mit komplizierter Prognose, denn die therapeutischen Behandlungsmethoden sind bei dieser Krebsart sehr eingeschränkt. Die Therapie der Wahl ist im Normalfall eine Chemotherapie, denn es gibt noch keine spezifischen Behandlungen.

Das triple-negative Mammakarzinom repräsentiert rund 12 bis 17 Prozent aller jährlichen Brustkrebsdiagnosen. Die Gefahr der Ausbreitung und Metastase ist bei dieser Erkrankung besonders groß. Deshalb und auch, weil es keine spezifische Behandlung gibt, ist die Prognose meist schlecht.

Häufig liegt bei dieser Art von Tumor eine Beeinträchtigung der BRCA-Proteinfunktion vor. Über 80 Prozent der Frauen mit einer vererbten Mutation des Gens BRCA-1, die an Brustkrebs leiden, weisen ein triple-negatives Mammakarzinom auf. 

Darüber hinaus weisen schätzungsweise 15 Prozent der Patientinnen mit Eierstockkrebs und 5 Prozent der Patienten mit Brustkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Prostatakrebs eine vererbte Mutation der Gene BRCA-1 oder BRCA-2 auf.

Das triple-negative Mammakarzinom und die Gene BRCA-1 und BRCA-2 

Behandlung eines triple-negativen Mammakarzinoms mit einer Mutation der Gene BRCA-1 und BRCA-2

Im Dezember 2014 wurde der Antrag für die Kommerzialisierung des Arzneimittels Olaparib als Alleinbehandlung bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs durch die erwähnte Genmutation zugelassen. Danach wurde die Effizienz dieses Medikaments in der Behandlung von fortgeschrittenem Brustkrebs bei Patienten bewertet, die zuvor bereits behandelt worden waren, und eine Mutation der Gene BRCA-1 und BRCA-2 aufwiesen.

Bei der Anwendung der tolerierten Dosis von Olaparib, die auf 400 mg alle 12 Stunden in Kapselform festgelegt ist, konnte die erwartete Antwort bei 54 Prozent der Patienten mit triple-negativem Mammakarzinom beobachtet werden. Dieses vielversprechende Ergebnis bedeutet, dass 7 von 13 Patienten positiv reagierten.

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Weitere Faktoren, welche die BRCA-Proteinfunktion beeinflussen

Zusätzlich zu den erwähnten Genmutationen können auch andere Faktoren die normale BRCA-Proteinfunktion beeinträchtigen. So zum Beispiel die Methylierung dieser Gene, das heißt die chemische Veränderung der Grundbausteine durch die enzymatische Übertragung von Methylgruppen (-CH3) auf die Promotoren der Gene.

Als Promotor bezeichnet man eine Nukleotid-Sequenz auf der DNA, welche die regulierte Expression eines Gens ermöglicht. Es handelt sich also um jene DNA-Sequenz, welche die Bildung einer bestimmten Proteinart durch die RNA anordnet.

Wenn die erwähnten Gene methyliert sind, können sie das für die Hemmung der Tumorzellen nötigen Proteine nicht synthetisieren. Die Methylierung des Promotors der Gene BRCA-1 und BRCA-2 konnte bei verschiedenen Neoplasien beobachtet werden:

  • Eierstockkrebs: in 5 bis 20 Prozent der Fälle
  • Tumore im Verdauungstrakt: in 50 Prozent der Fälle
  • Brustkrebs: in 29 bis 59 Prozent der Fälle
Behandlung eines triple-negativen Mammakarzinoms mit einer Mutation der Gene BRCA-1 und BRCA-2
Die genetischen Komponenten, die Brustkrebs beeinflussen, sind ein wichtiges Forschungsthema, um neue Behandlungsmöglichkeiten zu finden.

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Abschließende Bemerkung

Die Gene BRCA-1 und BRCA-2 spielen bei Brustkrebs eine bedeutende Rolle. Ein hoher Prozentsatz von Patienten mit einer Mutation oder Methylierung dieser Gene leidet an einem triple-negativem Mammakarzinom. Die Prognose ist kompliziert, da die Behandlungsmöglichkeiten noch immer sehr beschränkt sind.

Die Forschung ist in diesem Bereich grundlegend, um neue therapeutische Behandlungen entwickeln zu können, die im Kampf gegen diese Krankheit helfen. Die Erforschung der Genetik gibt vielen die Hoffnung, in Zukunft erfolgreiche Behandlungen zur Auswahl zu haben.

  • Litton, J. K., Ready, K., Chen, H., Gutierrez-Barrera, A., Etzel, C. J., Meric-Bernstam, F., … Arun, B. K. (2012). Earlier age of onset of BRCA mutation-related cancers in subsequent generations. Cancer. https://doi.org/10.1002/cncr.26284
  • Ledermann, J., Harter, P., Gourley, C., Friedlander, M., Vergote, I., Rustin, G., … Matulonis, U. (2014). Olaparib maintenance therapy in patients with platinum-sensitive relapsed serous ovarian cancer: A preplanned retrospective analysis of outcomes by BRCA status in a randomised phase 2 trial. The Lancet Oncology. https://doi.org/10.1016/S1470-2045(14)70228-1
  • Burgess, M., & Puhalla, S. (2014). BRCA 1/2-mutation related and sporadic breast and ovarian cancersmore alike than different. Frontiers in Oncology. https://doi.org/10.3389/fonc.2014.00019