Die traurige Geschichte der Hottentotten-Venus Sarah Baartmann

21 Februar, 2015

Die erniedrigende Geschichte von Sarah Baartman spielte sich im 19. Jahrhundert ab, in einer Epoche, in der die Sklaverei großes Leid verursachte. Die junge Sarah Baartman wurde aufgrund ihrer genetischen Abnormalität lange als „animalische Attraktion“ ausgestellt und verkauft. 

Entführung und Versklavung

Saartjie Baartman war 20 Jahre alt und lebte in einem Dorf des afrikanischen Stamms Khoikhoi, der hauptsächlich Wanderweidewirtschaft mit Rindern betrieb und sich verwurzelten Traditionen und seiner Religion hingab. Noch kannte sie die Welt entfernt von ihrer schönen afrikanischen Heimat nicht. Doch das Leben von Sarah Baartman änderte sich radikal als sie von Hendrik Cezar und Alexander Dunlop entdeckt wurde – zwei Franzosen, die den außergewöhnlichen Körper des jungen Mädchens sahen und beschlossen, damit Geld zu verdienen.

Das Mädchen litt an einer Krankheit, die heute als Steatopygie bekannt ist und bei verschiedenen afrikanischen Stämmen wie den Hottentotten und den Buschmännern sehr verbreitet ist, dabei kommt es zu einer übermäßigen Fettanhäufung am Gefäß. Bei Sarah war die Körperverformung besonders auffällig, was sich die beiden Franzosen zu Nutzen machten, um das Mädchen in Theatern und auf Vergnügungsplätzen in London auszustellen.

Sarah Baartman – die schwarze Venus

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Sarah wurde als schwarze Venus bzw. Hottentotten-Venus bekannt. Ohne zu wissen wie und warum sah sich das junge Mädchen plötzlich auf verschiedenen Bühnen in London. Das Spektakel war erniedrigend. Sarah wurde gezwungen, sich vor dem Publikum nackt zu präsentieren, um den degenerierten Zuschauern ihre ungewöhlichen Formen zu zeigen. Fast alle waren, wie nicht anders zu erwarten, Männer aus verschiedenen sozialen Klassen, die für die Vorführung der großen Glutäen hohe Preise bezahlten.

Jede Nacht wiederholte sich die gleiche Inszenierung: Vier Jahre lang ertrug Sarah Baartman täglich die gleiche psychologische Folter als „Ausstellungsstück“ auf verschiedensten Bühnen. Die Männer, die sie als Sklavin hielten, bereicherten sich schnell mit der unziemlichen Zurschaustellung des Opfers und wiederholten die Inszenierung in anderen Städten. Nach vier Jahren ging es nach Paris, wo auch großer Erfolg verzeichnet wurde. Die unsittlichen, kuriosen und hungernden Blicke des Publikums aufgrund der Andersartigkeit des jungen Mädchens ging so weit, dass sie nicht nur auf der Bühne sondern auch privat gefragt war. So konnte sie besser „beobachtet“ werden und ihre „Eigentümer“ erhielten noch mehr Geld. Glücklicherweise setzten sich bald Gegner des Sklavenhandels für sie ein, um mit dieser unverzeihlichen Erniedrigung Schluss zu machen.

Hendrik Cezar und Alexander Dunlop verteidigten sich vor Kritikern, indem sie behaupteten, dass Sarah freiwillig und auf eigenen Wunsch auftrat. Sie zeigten als Beweis den von ihr unterzeichneten Vertrag. Doch dieser war in niederländischer Sprache verfasst, die der jungen Frau völlig unbekannt war.

Das Ende des traurigen Lebens

afrika

 

Da immer mehr Kritik gegen die Vorführungen der schwarzen Venus zu vernehmen war, sahen sich die Eigentümer gezwungen, damit aufzuhören und Sara zu verkaufen. Sie verkauften das Mädchen an einen französischen Handelsmann, der auch finanziellen Nutzen aus ihr ziehen wollte. Er organisierte Privatveranstaltungen, um sie in dunklen Lokalen oder Pariser Straßen vorzuführen, wo sie auch zur Prostitution gezwungen wurde – was viele Männer nutzten.

Nach mehreren Jahren spiegelte sich all das Leid und Elend in der Gesundheit von Sarah Baartman wider. Die genaue Todesursache ist nicht bekannt, doch auch nicht sehr schwierig zu erraten: Syphilis, Tuberkulose, Lungenentzündung, Traurigkeit… eine tiefe Depression aufgrund eines auferzwungenen Lebens, das sie nie verstehen konnte.

Doch auch nach ihrem Tod fand Sarah keine Ruhe. Ihr Körper wurde sektioniert und erneut im Museé de l´Homme de París ausgestellt. Das Gehirn, die Genitalien sowie das Skelett wurden gezeigt. Bis in die 70er Jahre wurden die verschiedenen Körperteile zur Schau gestellt bis schließlich beschlossen wurde, mit diesem grausamen Zeitzeugnis Schluss zu machen.

Als Nelson Mandela 1984 die Reste von Saartjie Baartman forderte, um diese in ihrer afrikanischen Heimat beizusetzen, fand das Hottentotten-Mädchen endlich Ruhe. Die schwarze Venus kehrte in ihr Land zurück, das sie nie verlassen hätte sollen. Eine tragische, doch leider wahre Geschichte, die sich nie wiederholen darf.

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