Die traurige Geschichte der Hottentotten-Venus Sarah Baartmann

Die junge Sarah Baartmann wurde aufgrund ihrer genetischen Abnormalität lange als "animalische Attraktion" ausgestellt und verkauft. 
Die traurige Geschichte der Hottentotten-Venus Sarah Baartmann
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 18. Juli 2022

Die erniedrigende Geschichte von Sarah Baartmann spielte sich im 19. Jahrhundert ab, in einer Epoche, in der die Sklaverei großes Leid verursachte.

Die junge Sarah Baartmann wurde aufgrund ihrer genetischen Abnormalität lange als “animalische Attraktion” ausgestellt und verkauft. 

Entführung und Versklavung

Saartjie Baartmann war 20 Jahre alt und lebte in einem Dorf des afrikanischen Stamms Khoikhoi, der hauptsächlich Wanderweidewirtschaft mit Rindern betrieb und sich verwurzelten Traditionen und seiner Religion hingab.

Noch kannte sie die Welt entfernt von ihrer schönen afrikanischen Heimat nicht.

Doch das Leben von Sarah Baartmann änderte sich radikal als sie von Hendrik Cezar und Alexander Dunlop entdeckt wurde. Zwei Franzosen, die den außergewöhnlichen Körper des jungen Mädchens sahen und beschlossen, damit Geld zu verdienen.

Das Mädchen litt an einer Krankheit, die heute als Steatopygie bekannt ist sowie bei verschiedenen afrikanischen Stämmen wie den Hottentotten und den Buschmännern sehr verbreitet ist. Dabei kommt es dann zu einer übermäßigen Fettanhäufung am Gesäß.

Bei Sarah war die Körperverformung besonders auffällig, was sich die beiden Franzosen zu Nutzen machten, um das Mädchen in Theatern und auf Vergnügungsplätzen in London auszustellen.

Sarah Baartmann – die schwarze Venus

frau

Sarah wurde als schwarze Venus bzw. Hottentotten-Venus bekannt. Ohne zu wissen wie sowie warum sah sich das junge Mädchen plötzlich auf verschiedenen Bühnen in London. Das Spektakel war erniedrigend.

Sarah wurde gezwungen, sich vor dem Publikum nackt zu präsentieren, um den degenerierten Zuschauern dann ihre ungewöhlichen Formen zu zeigen.

Fast alle waren, wie nicht anders zu erwarten, Männer aus verschiedenen sozialen Klassen. Diese bezahlten dann für die Vorführung der großen Glutäen hohe Preise.

Jede Nacht wiederholte sich dann die gleiche Inszenierung. Vier Jahre lang ertrug Sarah Baartmann täglich die gleiche psychologische Folter als “Ausstellungsstück” auf verschiedensten Bühnen.

Die Männer, die sie als Sklavin hielten, bereicherten sich schnell mit der unziemlichen Zurschaustellung des Opfers und wiederholten die Inszenierung in anderen Städten. Nach vier Jahren ging es nach Paris, wo man auch großen Erfolg hatte.

Die unsittlichen, kuriosen und hungernden Blicke des Publikums aufgrund der Andersartigkeit des jungen Mädchens ging so weit, dass man sie nicht nur auf der Bühne sondern auch privat ausstellte.

So konnte sie besser “beobachtet” werden und ihre “Eigentümer” erhielten noch mehr Geld. Glücklicherweise setzten sich bald Gegner des Sklavenhandels für sie ein, um mit dieser unverzeihlichen Erniedrigung Schluss zu machen.

Hendrik Cezar und Alexander Dunlop verteidigten sich vor Kritikern. Sie behaupteten, dass Sarah freiwillig und auf eigenen Wunsch auftrat. Sie zeigten als Beweis den von ihr unterzeichneten Vertrag.

Doch dieser war in niederländischer Sprache verfasst, die der jungen Frau völlig unbekannt war.

Das Ende des traurigen Lebens

afrika

Da immer mehr Kritik gegen die Vorführungen der schwarzen Venus zu vernehmen war, sahen sich die Eigentümer gezwungen, damit aufzuhören und Sara zu verkaufen. Sie verkauften das Mädchen an einen französischen Handelsmann, der auch finanziellen Nutzen aus ihr ziehen wollte.

Er organisierte Privatveranstaltungen, um sie in dunklen Lokalen oder Pariser Straßen vorzuführen, wo man sie auch zur Prostitution zwang – was viele Männer nutzten.

Nach mehreren Jahren spiegelte sich all das Leid und Elend in der Gesundheit von Sarah Baartmann wider. Die genaue Todesursache ist nicht bekannt, doch auch nicht sehr schwierig zu erraten.

Syphilis, Tuberkulose, Lungenentzündung, Traurigkeit… eine tiefe Depression aufgrund eines auferzwungenen Lebens, das sie nie verstehen konnte.

Doch auch nach ihrem Tod fand Sarah keine Ruhe. Ihr Körper wurde sektioniert und erneut im Museé de l´Homme de París ausgestellt. Das Gehirn, die Genitalien sowie das Skelett wurden gezeigt.

Bis in die 70er Jahre wurden die verschiedenen Körperteile zur Schau gestellt bis schließlich beschlossen wurde, mit diesem grausamen Zeitzeugnis Schluss zu machen.

Als Nelson Mandela 1984 die Reste von Saartjie Baartman forderte, um diese in ihrer afrikanischen Heimat beizusetzen, fand das Hottentotten-Mädchen endlich Ruhe.

Die schwarze Venus kehrte in ihr Land zurück, das sie nie verlassen hätte sollen. Eine tragische, doch leider wahre Geschichte, die sich nie wiederholen darf.

Das könnte dich ebenfalls interessieren...
Brauchst du einen Psychologen?
Besser Gesund Leben
Lies auch diesen Artikel bei Besser Gesund Leben
Brauchst du einen Psychologen?

Einen Psychologen zu konsultieren kann in vielen Situationen extrem hilfreich sein. Manchmal brauchst du nur einen Denkanstoß…



  • Bravo, K. E. (2012). Black Female’Things’ in International Law: A Meditation on Saartjie Baartman and Truganini. BLACK WOMEN AND INTERNATIONAL LAW: NEW THEORY, OLD PRAXIS (Jeremy Levitt, ed., Cambridge University Press)(2013). Available at: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2159002. Accessed 20/03/2020.
  • Crais, C., & Scully, P. (2010). Sara Baartman and the Hottentot Venus: A ghost story and a biography. Princeton University Press. Available at: https://books.google.es/books?hl=es&lr=&id=FDpFDwAAQBAJ&oi=fnd&pg=PR9&dq=Sara+Baartman+and+the+Hottentot+Venus+by+Clifton+C.+Crais&ots=MdthOf8SKg&sig=OXB5o6Tu6xt8xQqjVdzW4FY-HFQ#v=onepage&q=Sara%20Baartman%20and%20the%20Hottentot%20Venus%20by%20Clifton%20C.%20Crais&f=false. Accessed 20/03/2020.
  • Moudileno, L. (2009, April). Returning remains: Saartjie Baartman, or the “Hottentot Venus” as transnational postcolonial icon. In Forum for Modern Language Studies (Vol. 45, No. 2, pp. 200-212). Oxford University Press. Available at: https://doi.org/10.1093/fmls/cqp005. Accessed 20/03/2020.

Die Inhalte dieser Publikation dienen nur zu Informationszwecken. Sie können keinesfalls dazu dienen, die Diagnosen, Behandlungen oder Empfehlungen eines Fachmanns zu unterstützen oder zu ersetzen. Wenden Sie sich im Zweifelsfall an einen Spezialisten Ihres Vertrauens und holen Sie dessen Zustimmung ein, bevor Sie mit irgendeinem Verfahren beginnen.