Die kindliche Bindung und ihre Bedeutung für das Erwachsenenleben

21 August, 2017
Eine gesunde kindliche Bindung ist von großer Bedeutung. So kann sich das Kind auf psychologischer Ebene zu einem gesunden Erwachsenen entwickeln. Denn bei einem Mangel an Zuneigung, wird sich dies in zukünftigen Beziehungen zeigen

Die kindliche Bindung ist der Grundstein für die emotionale Verbundenheit und bestimmte Verhaltensweisen. Die ersten Etappen des Lebens sind dabei grundlegend und haben einen großen Einfluss auf zukünftige Beziehungen.

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Wichtig ist, ein Gleichgewicht zu erlangen, und keine Ausnahmen zu machen. Denn besonders verwöhnende Verhaltensweisen oder das übertriebene Beschützen wirken sich genauso negativ aus wie ein völliges Fehlen von Zuneigung, Aufmerksamkeit oder Umarmungen.

Die kindliche Bindung gehört zu den Grundbedürfnissen

kindliche Bindung als Notwendigkeit

Die kindliche Bindung erlaubt dem Gehirn von Kindern, dass es sich auf natürliche und gesunde Art und Weise entwickelt.

Dank dieser Bindung werden bestimmte Dynamiken verfestigt. Dies hat vor allem Einfluss auf die Art wie man Beziehungen aufbaut oder sich im Kontakt mit anderen verhält.

Es gibt zum Beispiel Eltern, die nicht an ihre Kinder denken, die sich von ihnen entfernen oder Paare, die sich in einer dysfunktionalen Beziehung befinden. In diesem Fall ist es sehr wahrscheinlich, dass sich ihre Kinder in zukünftigen Beziehungen besonders unsicher verhalten.

Sicherheit ist in den ersten Jahren des Lebens von besonders großer Wichtigkeit. So kann man später gesunde Beziehungen führen, die nicht in emotionale Abhängigkeit münden.

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Zum Beispiel gibt es Fälle, in denen Kinder stark unter der Trennung ihrer Eltern leiden. Während der Entwicklung der kindlichen Bindung konzentrieren sich die Eltern in diesen Fällen nämlich vor allem auf sich selbst.

Meist ignorieren die Eltern dabei ihre Kinder, da sie davon ausgehen, dass diese „nichts von den Schwierigkeiten mitbekommen“. Auf diese Weise können Kinder Probleme wie Ängstlichkeit im Bezug auf Beziehungen entwickeln.

Arten kindlicher Bindung

1. Die sichere Bindung

eine sichere kindliche Bindung

Bei dieser Art von Bindung kümmern sich die Eltern stets um ihre Kinder und reagieren entsprechend auf ihre emotionalen Bedürfnisse. Sie ignorieren ihre Kinder nicht, zeigen ihre Zuneigung und suchen immer Kontakt.

Dies bedeutet jedoch nicht, nur in Situationen wie „gib mir einen Kuss“ oder „umarme mich“ zu reagieren. Auch wenn der Nachwuchst etwas nicht möchte, oder wenn ihm etwas nicht gefällt, muss der Kontakt und die nötige Aufmerksamkeit da sein.

2. Die unsicher-ambivalente Bindung

In diesem Fall von kindlicher Bindung sind die Eltern zwar herzlich, wissen aber nicht wie sie es zeigen sollen.

Aus diesem Grund kommt es zu weniger Kontaktaufnahme, solche Eltern fühlen sich weniger in ihre Kinder ein und es herrscht eine gewisse Distanz.

Zusätzlich gibt es bei dieser Art von Bindung noch eine wichtige Sache. Das Verhalten gegenüber dem Kind ist von einer negativen Motivation bestimmt. Das bedeutet, dass Fehler des Kindes ständig besprochen werden, aber es kein Lob für gute Dinge gibt.

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So kann diese Bindung zu einem mangelnden Selbstbewusstsein führen.

3. Die unsicher-vermeidende Bindung

die ängstliche kindliche Bindung

In diesem Fall kommt es zu einer eindeutigen Zurückweisung der Kinder. Die Eltern legen dabei eine besonders unerfreuliche Verhaltensweise an den Tag.

Die unsicher-vermeidende Bindung entsteht vor allem bei Eltern, die unglücklich sind, Alkoholprobleme haben oder wenn es zu Misshandlungen kommt.

In diesem Fall ist das Kind völlig unwichtig und untergeordnet, es wird meist so behandelt, als ob es unsichtbar wäre oder auch als Last betrachtet.

Verhaltensweisen wie Zurückweisung sind an der Tagesordnung, genauso wie Bestrafungen. Das Kind spürt den Ärger und dass es nicht erwünscht ist. Deshalb wird dies in seinen späteren Beziehungen widergespiegelt, wo es in der Regel enttäuscht wird.

4. Die unsicher-desorganisierte Bindung

die kindliche Bindung gestört

Ist eine solche kindliche Bindung der Fall kommt es zu Misshandlungen und Manipulationen innerhalb der Familie. Vor allem geschieht dies innerhalb der Beziehung der Eltern. 

Das Kind empfindet dabei eine große Desorientierung. Denn es möchte sich an seine Bezugsperson annähern, aber diese ist in Wirklichkeit die Ursache für die Manipulation; deshalb empfindet das Kind gegenüber den Eltern Angst und es kommt zu einer großen Inkohärenz.

Dies zeigt sich dann in seinen späteren Beziehungen. Denn ein solches Kind ist sich nicht darüber im Klaren, was es will. Es hat nicht gelernt zu lieben. Manipulationen und Kontrolle werden dabei oftmals zu gegenwärtigen Verhaltensweise in ihrem Leben.

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Wie man sicherlich erkennen kann, ist die kindliche Bindung von besonders großer Bedeutung. Denn sie ist die Wurzel all jener Probleme, die in Beziehungen entstehen, die man im Erwachsenenleben führt.

Deshalb ist es unerlässlich, eine gesunde kindliche Bindung zu entwickeln. Denn es sind die Eltern, mit denen man die ersten Schritte in der Sozialisierung und Bildung von Beziehungen geht.

Das Gleichgewicht spielt hier eine Schlüsselrolle: Schutz im Übermaß wirkt sich nämlich wie auch fehlende Zuneigung sehr negativ aus.

Eine der deutlichsten Konsequenzen ist die Abhängigkeit von anderen, nicht nur was die benötigte Aufmerksamkeit anbelangt, sondern auch wenn es um die Suche nach Bestätigung geht.

Nicht alle sind mit einer gesunden Bindung in der Kindheit gesegnet. Trotzdem kann man auch im Erwachsenenalter an sich arbeiten und Veränderungen erzielen.

So kann man zum Beispiel lernen, frustrierende oder besonders schmerzhafte Beziehungen zu verbessern. Denn diese sind nichts weiter als Folgen der Kindheit, in der sich die Bindung nicht auf eine entsprechende Art und Weise entwickeln konnte.

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