Darf man Tabletten zerkleinern? 6 mögliche Risiken

10 Mai, 2020
Manche Menschen zerkleinern Arzneimittel, um sie einfacher schlucken zu können. Doch dies kann in manchen Fällen die Wirkungsweise der Tabletten verändern. Welche Risiken können durch diese Gewohnheit entstehen? Erfahre anschließend Interessantes über dieses Thema. 

Für manche Menschen ist es wesentlich einfacher, Medikamente zuerst zu zerkleinern, um sie besser schlucken zu können. Doch dies kann die Wirkung von betimmten Tabletten oder Kapseln verändern. Deshalb sollten alle Medikamente in ihrer ursprünglichen Form eingenommen werden.

Die meisten Arzneimittel werden als Tabletten, Kapseln oder Dragees präsentiert. Deshalb zerkleinern viele Patienten mit Schluckschwierigkeiten diese Medikamente.

Warum sollten wir Medikamente nicht zerkleinern?

Viele Menschen zerkleinern Medikamente, um sie besser schlucken zu können. Doch ein in der Fachzeitrschrift Nursing veröffentlichter Artikel weist darauf hin, dass es dadurch zu Veränderungen der Struktur kommen kann, die es ermöglicht, dass die Wirkstoffe über einen längeren Zeitraum dosiert abgegeben werden. Es ist also unbedingt davon abzuraten, sie zu zerkleinern.

Dies ist jedoch nicht der einzige Grund, warum Arzneimittel in ihrer ursprünglichen Form eingenommen werden sollten. Wir gehen anschließend näher auf dieses Thema ein.

1. Stabilitätsverlust des Medikaments durch das Zerkleinern

Vor allem ältere Menschen haben oft Schwierigkeiten, Arzneimittel zu schlucken. Auch Personen mit Verhaltensstörungen tun sich dabei oft schwer. Deshalb öffnen sie Kapseln oft, oder zerkleinern Tabletten, was jedoch die Stabilität der Wirkstoffe verändern kann. 

Dadurch können diese Medikamente ihre Wirksamkeit verlieren. Außerdem sind sie geschmacklich oft sehr unangenehm, was nicht der Fall ist, wenn sie in ihrer ursprünglichen Form eingenommen werden.

Stabilitätsverlust des Medikaments durch das Zerkleinern 
Zwar kann es einfacher sein, zerkleinerte Medikamente einzunehmen, doch dies kann die Stabilität der Wirkstoffe beeinträchtigen.

2. Dosierungsfehler

Im Allgemeinen können nur jene Tabletten geteilt werden, die eine Bruchkerbe aufweisen. Sollte dies nicht der Fall sein, ist es nicht möglich, die Dosierung zu präzisieren. Die Form, die Größe oder die Schutzhülle des Arzneimittels ermöglichen es oft nicht, dieses korrekt zu teilen.

Wenn du die Dosis halbieren möchtest, weißt du auch nicht, ob der Wirkstoff in beiden Hälften gleich verteilt ist. Deshalb kann es zu Dosierungsfehlern kommen, die Gesundheitsprobleme verursachen könnten. 

Manche Tabletten sind sehr klein. Beim Zerkleinern dieser Tabletten kannst du die richtige Dosis nicht garantieren und dies könnte ein gesundheitliches Risiko bedeuten. Zwar gibt es spezielle Tablettenteiler, doch auch damit kann die präzise Dosierung nicht immer garantiert werden.

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3. Veränderte Freisetzung des Wirkstoffs

Wenn du die Medikamente zerkleinerst, kann sich die verabreichte Dosis signifikant verändern. Es kann zum Beispiel dazu führen, dass die Wirkstoffdosis nicht langsam sondern auf einmal freigesetzt wird, was eine Überdosierung mit entsprechenden Nebenwirkungen zur Folge haben könnte.

Manche Medikamente haben einen Schutzüberzug, der eine spezifische Aufnahme des Arzneistoffes ermöglicht. Damit kann die Aufnahmegeschwindigkeit reguliert werden. Wenn diese Schutzhülle jedoch durch das Zerkleinern verändert wird, kann auch die richtige Freisetzung des Wirkstoffes nicht mehr garantiert werden.

Dies beeinflusst die Dosierung und kann sowohl zu einer zu geringen als auch zu einer erhöhten Dosis führen. Die Konzentrationen des Arzneistoffes könnten sogar toxisch sein oder die Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen erhöhen. 

4. Veränderung der Aufnahme des Arzneistoffes durch das Zerkleinern

Manche Arzneimittel haben einen spezifischen Schutzüberzug, der dafür sorgt, dass der Wirkstoff nicht im Magen freigesetzt wird, sondern erst im Darm. Diese Schutzhülle schützt die empfindliche Magenschleimhaut und auch die Wirkung der Magensäuren auf den Wirkstoff. Die Magensäure könnte nämlich die Effizienz des Medikaments beeinflussen, zerstören oder die Wirkung hinauszögern.

Durch das Zerkleinern wird dieser Schutzüberzug verändert und dies wirkt sich negativ auf die Wirkweise des Medikaments aus. Außerdem könnte dadurch der Magen gereizt werden. Auch andere Nebenwirkungen könnten in der Folge entstehen. 

Tabletten zerkleinern
Das Zerkleinern von Tabletten kann ihre Wirkweise verändern. Manche Arzneimittel sind mit einer speziellen Schutzhülle ausgestattet, damit der Wirkstoff nicht im Magen, sondern erst im Darm freigesetzt wird.

5. Veränderte Wirkweise durch das Zerkleinern eines Arzneimittels

Sublinguale Tabletten werden unter die Zunge eingebracht und lösen sich schnell auf, was auch eine schnelle Wirkung ermöglicht. Die Wirkstoffe gelangen in sehr kurzer Zeit in den Blutkreislauf. Doch das Zerkleinern dieser Medikamente verändert ihre Stabilität und ihre Wirkweise. Deshalb ist auf jeden Fall davon abzuraten.

Hast du diesen Beitrag schon gelesen? Welche Arten von Nebenwirkungen gibt es bei der Einnahme von Arzneimitteln?

6. Risiken durch die Verarbeitung von Arzneimitteln

Beim Zerstoßen oder Zerkleinern bestimmter Medikamente können Wirkstoffe frei werden und in die Atemwege gelangen. Dies ist für die Person, die die Medikamente bearbeitet, riskant, denn die Wirkstoffe könnten die Schleimhäute der Atemwege reizen. Schwangere Frauen oder Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten besonders vorsichtig im Umgang mit Arzneimitteln sein, denn manche davon wirken teratogen. Das bedeutet, dass sie Fehlbildungen auslösen könnten.

Medikamente besser nicht zerkleinern!

Es empfiehlt sich also, Medikamente nicht zu zerkleinern. Wenn das Schlucken schwerfällt, sprichst du am besten mit deinem Arzt. Er kann dir Alternativen verschreiben, die einfacher einzunehmen sind, ohne dass du die Arzneimittel selbst bearbeiten musst. Du kannst so mögliche Risiken vermeiden. Lasse dich unbedingt von deinem Arzt oder Apotheker beraten, denn deine Gesundheit steht auf dem Spiel!

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