Beinwell: Verwendung und Nebenwirkungen

1 September, 2020
Beinwell kommt bei oberflächlichen Verletzungen und Gelenkschmerzen unterstützend zum Einsatz. Erfahre heute Interessantes über dieses Kraut und über seine Nebenwirkungen. 

Beinwell (Symphytum officinale) ist eine immergrüne Pflanze, die für verschiedene medizinische Zwecke zum Einsatz kommt. Sie gehört zur Familie der Boraginaceae und wächst in Ländern Europas, Asiens und Nordamerikas wild.

In der traditionellen Medizin kommen die Wurzeln und die Blätter dieser Pflanze zur Anwendung. In Japan ist Beinwell beispielsweise unter dem Namen knitbone bekannt und wird bei Muskelverstauchungen, Prellungen und oberflächlichen Wunden verwendet. Was sagt die wissenschaftliche Evidenz über diese Heilpflanze? Erfahre anschließend mehr darüber.

Häufige Verwendungen von Beinwell

Bevor wir näher auf verschiedene Verwendungsmöglichkeiten eingehen, möchten wir hervorheben, dass diese Pflanze mit Vorsicht verwendet werden sollte. Verschiedene Studien bestätigen zwar ihre medizinalen Eigenschaften, doch sie enthält auch toxische Substanzen, wie Pyrrolizidinalkaloide, die der Gesundheit schaden können.

In manchen Ländern ist deshalb die orale Einnahme von Beinwell verboten. Auch die Food and Drug Administration hat diese Heilpflanze nicht anerkannt. Es ist deshalb besser, auf den Verzehr zu verzichten und Beinwell nur äußerlich in spezifischen Fällen zu verwenden. 

Rückenschmerzen

Die Beinwellwurzel alleine hat sich bei Rückenschmerzen nicht als wirksam erwiesen. Doch eine in der Zeitschrift Phytotherapy Research veröffentlichte Studie zeigt auf, dass Salben mit Beinwellwurzel sehr hilfreich sein können, um Schmerzen im unteren Rückenbereich zu lindern.

Konkret heißt es darin, dass das Produkt fünf Tage lang auf die schmerzende Stelle aufgetragen werden muss, um die Schmerzen und Spannungen zu verringern. Allerdings sind weitere Studien nötig, um diese Wirkung zu bestätigen.

Beinwell gegen Rückenschmerzen
Beinwell könnte bei Rückenschmerzen in Salben zur äußeren Behandlung hilfreich sein.

Wir empfehlen dir auch diesen Artikel: Yoga-Übungen gegen Rückenschmerzen

Beinwell gegen Verstauchungen

Die preliminäre Evidenz legt nahe, dass die äußerliche Behandlung mit Beinwellextrakt die Beweglichkeit bei einer Verstauchung verbessern und die Schmerzen lindern könnte. Die Wirkung nach einer zweiwöchigen Behandlung wurde mit Diclofenac (Gel) verglichen.

Beinwell gegen Osteoarthritis

Aus einer in der Zeitschrift Journal of Chiropractic Medicine veröffentlichten Studie geht hervor, dass die äußerliche Behandlung mit Beinwell die Symptome von Osteoarthritis im Knie lindert. Die verwendete Salbe enthielt folgende Wirkstoffe:

  • Beinwellextrakt
  • Gerbsäure
  • Aloe vera
  • Eukalyptusöl
  • Weihrauchöl

In einem Zeitraum von 6 bis 12 Wochen, in denen die Studienteilnehmer diese Salbe dreimal täglich verwendeten, berichteten diese über geringere Steifheit und weniger Schmerzen. Die Verbesserungen waren stärker als bei Patienten, die nur Placebos erhielten.

Nebenwirkungen

Da Beinwell toxische Substanzen enthält, empfiehlt sich die innere Einnahme nicht. Substanzen wie Pyrrolizidinalkaloide können die Leber schädigen, Lungenprobleme oder auch Krebs auslösen, so die derzeitige Evidenzlage.

Zwar gilt die äußerliche Anwendung in kleinen Mengen und über einen kurzen Zeitraum sicher, doch manche Studien legen nahe, dass die Schadstoffe über die Haut in den Körper gelangen könnten. Bei offenen Wunden ist dieses Heilmittel deshalb nicht zu empfehlen. Es sollte auch nicht in größeren Mengen oder über einen Zeitraum von über 6 Monaten verwendet werden.

In folgenden Fällen ist unbedingt von Beinwell abzuraten:

  • Schwangere und stillende Frauen
  • Verbrennungen und schwere Wunden
  • Leberkrankheiten
  • Behandlungen mit Acetaminophen, Amiodaron, Fluconazol, Itraconazol u.a.
Beinwell in der Schwangerschaft nicht verwenden!
Beinwell darf in der Schwangerschaft oder Stillzeit nicht zur Anwendung kommen.

Entdecke auch diesen Beitrag: Gegen Stress ist so manches Kraut gewachsen >> 7 Tipps

Sichere Dosierung

Aus den zitierten Studien geht hervor, dass verschiedene Standarddosierungen als sicher betrachtet werden. Du solltest jedoch immer die Empfehlungen des Herstellers, eines Arztes oder Apothekers befolgen.

  • Bei Rückenschmerzen empfehlen sich in der Regel 4 g einer Salbe mit 35 % Beinwellwurzelextrakt dreimal täglich über einen Zeitraum von 5 Tagen.
  • Im Falle einer Verstauchung sind 2 g einer Salbe mit 35 % Beinwellwurzelextrakt viermal täglich über 8 Tage angezeigt.
  • Unterstützend zur Linderung von Osteoarthritis-Symptomen empfiehlt sich eine Dosis von 2 g einer Salbe mit 35 % Beinwellwurzelextrakt dreimal täglich über einen Zeitraum von 3 Wochen. Die Dosis kann auch 3,5 g der erwähnten Salbe mit Beinwellextrakt, Gerbsäure, Aloe vera, Eukalyptusöl und Weihrauchöl sein. Diese kommt dreimal täglich über einen Zeitraum von bis zu 12 Wochen zur Anwendung.

Bei einer Überdosierung solltest du sofort zum Arzt. Vergiss nicht, dass du deinen Arzt auch unbedingt vor der Anwendung von Beinwell konsultieren solltest, wenn du an einer Krankheit leidest. 

  • Salehi B, Sharopov F, Boyunegmez Tumer T, et al. Symphytum Species: A Comprehensive Review on Chemical Composition, Food Applications and Phytopharmacology. Molecules. 2019;24(12):2272. Published 2019 Jun 18. doi:10.3390/molecules24122272
  • Pabst, H., Schaefer, A., Staiger, C., Junker-Samek, M., & Predel, H.-G. (2012). Combination of Comfrey Root Extract Plus Methyl Nicotinate in Patients with Conditions of Acute Upper or Low Back Pain: A Multicentre Randomised Controlled Trial. Phytotherapy Research, 27(6), 811–817. https://doi.org/10.1002/ptr.4790
  • Frost, R., MacPherson, H., & O’Meara, S. (2013). A critical scoping review of external uses of comfrey (Symphytum spp.). Complementary Therapies in Medicine, 21(6), 724–745. https://doi.org/10.1016/j.ctim.2013.09.009
  • Smith DB, Jacobson BH. Effect of a blend of comfrey root extract (Symphytum officinale L.) and tannic acid creams in the treatment of osteoarthritis of the knee: randomized, placebo-controlled, double-blind, multiclinical trials. J Chiropr Med. 2011;10(3):147‐156. doi:10.1016/j.jcm.2011.01.003
  • Moreira R, Pereira DM, Valentão P, Andrade PB. Pyrrolizidine Alkaloids: Chemistry, Pharmacology, Toxicology and Food Safety. Int J Mol Sci. 2018;19(6):1668. Published 2018 Jun 5. doi:10.3390/ijms19061668