Was ist erlernte Hilflosigkeit?

18 Dezember, 2020
In unangenehmen Situationen ist es normal und gesund, mit Reaktionen zu antworten, welche die ungünstigen Umstände verbessern. Allerdings bleiben manche Personen passiv und resigniert, denn sie glauben, dass sie keine Kontrolle über die Ereignisse in ihrem Leben haben.

Die erlernte Hilflosigkeit ist eine passive, unterwürfige Antwort auf unangenehme Situationen. Personen, die daran leiden, haben nicht die Absicht, diese Umstände zu verändern oder zu verhindern.

In der Regel entsteht dieses passive Verhalten nach einer traumatischen Erfahrung, in der Aktionen scheiterten, die das Leid hätten verhindern sollen. Betroffene Personen denken deshalb, dass sie nichts tun können, um eine schmerzliche Situation zu stoppen. Sie fühlen sich hilfos. Und genau das bezeichnen Psychologen als erlernte Hilflosigkeit.

Was ist erlernte Hilflosigkeit?

Die American Psychological Association (APA) bezeichnet erlernte Hilflosigkeit als ein Phänomen, das durch die wiederholte Exposition gegenüber Stressfaktoren entsteht. Diese sind nicht kontrollierbar und bewirken, dass betroffene Personen zur Verfügung stehende Möglichkeiten nicht nutzen, um unangenehme Situationen zu stoppen.

Aus diesem Grund haben sie keine Kontrolle und werden zum Opfer der Umstände. Mittelfristig zerstört eine traumatische Erfahrung ihre Motivation, sich zu verändern.

In anderen Worten handelt es sich um einen psychologischen Zustand, der Betroffene unfähig macht, in leidvollen Augenblicken zu reagieren, wenn sie mach mehrmaligem Scheitern die Erfahrung machen, dass es so und so nutzlos ist, etwas zu tun. Sie unternehmen nichts, lernen Leid zu ertragen und glauben, dass nichts getan werden kann, um unangenehme Situationen zu vermeiden. In der Folge verfallen sie in eine tiefe Resignation.

Frau leidet durch erlernte Hilflosigkeit
Traumatische Erfahrungen in der Kindheit können erlernte Hilflosigkeit im Erwachsenenalter zur Folge haben.

Gründe für erlernte Hilflosigkeit

Alle Ursachen für erlernte Hilflosigkeit stehen mit Vorurteilen im Zusammenhang, die Betroffene glauben lassen, dass sie keine Kontrolle über Ereignisse in ihrem Leben haben. Sie analysieren die möglichen Folgen bestimmter Situationen überhaupt nicht. Betroffene glaube einfach, dass ihr Schicksal bereits vorherbestimmt ist und sie nichts tun können, um es zu ändern.

Wir schauen uns anschließend die möglichen Ursachen für diesen passiven Zustand etwas genauer an.

Traumatische Erfahrungen in der Kindheit

Die Faktoren, die diesen psychologischen Zustand beeinflussen, prägen meist Erfahrungen in den ersten Lebensjahren. Wenn kleine Kinder unangenehme Erlebnisse erfahren und dabei nicht begleitet oder unterstützt werden, oder wenn sie keine positive Antwort erhalten, ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass sie dann im Erwachsenenalter in ähnlichen Situationen eine unterwürfige, passive Haltung annehmen.

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Unterwürfige und passive Haltung durch Erziehung 

Die Erziehung in der Kindheit ist ein weiterer Einflussfaktor, der bei Erwachsenen zu erlernter Hilflosigkeit führen könnte. Wenn die soziale Rolle der Passivität und Abhängigkeit in bestimmten Umständen gefördert wird, erhöht sich die Verletzlichkeit und die Gefahr, in der Zukunft zu einem hilflosen Opfer der Umstände zu werden.

Andererseits spielen auch die Botschaften, die Kinder erhalten, eine sehr wichtige Rolle und können Inaktivität zur Folge haben. Wenn zum Beispiel ein Kind von Menschen umgeben ist, die ihm ständig nur sagen, dass es unfähig ist oder nichts weiß, kann es sich im Erwachsenenalter tatsächlich unfähig fühlen und resignieren.

Erlernte Hilflosigkeit durch zu große Kontrolle zu Hause 

In manchen Familien ist die Kontrolle, die auf die Kinder ausgeübt wird, zu groß. Sie leben in einem Umfeld, indem alles bewacht und verfolgt wird und Kinder keine Möglichkeit haben, selbst aus den Folgen ihrer Handlungen zu lernen. Sie sind dann viel verletzlicher, was auch im Erwachsenenalter Konsequenzen hat.

Schuldgefühle

Andererseits existieren auch interne Faktoren, wie Verantwortung oder Schuld, die bei gelernter Hilflosigkeit eine Rolle spielen. Die betroffene Person fühlt sich schuldig wegen des unangenehmen Ereignisses und glaubt, dass sie unfähig ist, etwas zu verändern oder auch zukünftige Situation zu stoppen, die jederzeit vorkommen können.

Sie verfällt in die Resignation und rechtfertigt ihr Verhalten. Dies wiederum wirkt sich negativ auf ihr Selbstwertgefühl und ihre Würde aus. Bestimmte Erziehungsarten können Schuldgefühle ebenfalls fördern.

Die gelernte Hilflosigkeit und ihre Folgen

Die Konsequenzen der gelernten Hilflosigkeit wirken sich in folgenden Bereichen sehr negativ auf das Leben der Betroffenen aus:

  • Motivation: Betroffene Personen haben das Gefühl, dass sie keine Kontrolle haben, was ihre Motivation schmälert. Die Versuche, in neuen Situationen zu reagieren, werden deshalb immer geringer.
  • Kognition: Betroffene haben Schwierigkeiten dabei, neue Antwortmuster zu lernen, um positive Ergebnisse zu produzieren. Außerdem können sie jede Problematik als normal wahrnehmen.
  • Emotionen: Es kommt häufig zu negativen emotionalen Zuständen, wie Depression, Angst und Frustration. Außerdem fehlt es den betroffenen Menschen an Selbstwertgefühl. Dies ist so lange der Fall, bis die Person lernt, ihre Umstände zu kontrollieren.
  • Physische Beschwerden: Dieser Zustand kann auch Auswirkungen auf den Körper haben, wenn die betroffene Person zum Beispiel eine Essstörung entwickelt oder das Immunsystem beeinträchtigt wird.

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Wie kann erlernte Hilflosigkeit behandelt werden?

Am besten eignet sich eine psychologische Therapie. Diese bezweckt, der betroffenen Person beizubringen, wie sie in bestimmten Situationen reagieren kann. Die Experten Vázquez Valverde und Polaino Lorente erklären den therapeutischen Ansatz wie folgt:

  • Die negativen Assoziationen, die betroffene Menschen in bestimmten Situationen experimentieren, müssen verändert werden. Dies erfolgt zum Beispiel durch einfache Aufgaben, die positive Ergebnisse erzeugen, nachdem die Person eine Aktion durchführt. Der Therapeut bringt der Person auch bei, dass sie nicht selbst an ihrem Scheitern schuld ist.
  • Positive Gefühle erzeugen, um das Selbstwertgefühl der betroffenen Menschen zu stärken. Sie werden sich dann fähiger fühlen, um in bestimmten Situationen einzugreifen.

Die therapeutische Intervention kann gleichzeitig traumatische Ereignisse der Vergangenheit behandeln. Das Ziel ist, dass die Person mit erlernter Hilflosigkeit ihre Erfahrungen überwindet und ihnen eine andere Bedeutung gibt. Sie kann dann in der Zukunft funktioneller und positiver reagieren.

erlernte Hilflosigkeit erfordert eine Therapierung
Die Verhaltenstherapie kann bei erlernter Hilflosigkeit sehr effizient sein.

Ein erworbenes Problem

Wie bereits der Name dieses Leidens offenbart, handelt es sich um ein Verhaltensmuster, das nicht von Geburt an vorhanden ist, sondern meist in der Kindheit gelernt wird. Dadurch entstehen verschiedene negative Folgen, die das Wohlbefinden der betroffenen Person beeinträchtigen, und zwar zum Teil sehr stark. Es ist deshalb wichtig, eine entsprechende Therapie einzuleiten.

Die beste Behandlung ist eine psychologische Therapie. Betroffene können damit lernen, die Kontrolle ihres Lebens wieder selbst in die Hand zu nehmen. Sobald sie sich über ihre Situation bewusst und für Veränderungen bereit sind, können sie positive Ergebnisse erzielen, und zwar auf emotionaler, physischer und kognitiver Ebene. Die erlernte Hilflosigkeit kann auch wieder verlernt werden.

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