Was ist Sadorexie? Wissenswertes über diese Essstörung

Wir sprechen heute über eine wenig bekannte Essstörung, an der insbesondere Jugendliche immer häufiger leiden. Sadorexie ist sehr gefährlich, es lohnt sich deshalb, darüber informiert zu sein.
Was ist Sadorexie? Wissenswertes über diese Essstörung

Letzte Aktualisierung: 06 Dezember, 2020

Sadorexie ist eine Essstörung, die sich aus der Anorexie (Magersucht) entwickelt hat, jedoch zusätzlich mit selbstverletzenden und missbräuchlichen Verhaltensweisen einhergeht. Noch gibt es über diese Störung wenig wissenschaftliche Literatur, deshalb sind die allgemeinen Kenntnisse ebenfalls noch sehr begrenzt.

Wie auch bei anderen Essstörungen spielen psychologische Probleme bei dieser Erkrankung eine wichtige Rolle. Angst- oder Risikoverhalten sowie andere psychologische Voraussetzungen, wie ein geringes Selbstwertgefühl, zählen zu den häufigsten Auslösern. Erfahre heute mehr über diese sehr ernste Essstörung, die kontrolliert und entsprechend behandelt werden muss.

Sadorexie: eine Verhaltensstörung

Wie bereits erwähnt, ist Sadorexie eine Ess- und Verhaltensstörung, die Anorexie mit sadomasochistischen Verhaltensweisen verbindet. Betroffene fügen sich selbst Schmerzen zu und verletzen sich bewusst. Eine in der Zeitschrift Endocrine, Metabolic & Immune Disorders Drug Targets veröffentlichten Studie beschreibt die Magersucht oder Anorexie als die Besessenheit davon, extrem schlank zu sein, die Betroffene dazu bringt, die Lebensmittelaufnahme drastisch zu reduzieren.

Menschen mit Sadorexie misshandeln jedoch ihren Körper zusätzlich mit masochistischen Methoden, fügen sich selbst Schmerzen zu und verletzen sich bewusst. Sie empfinden sexuelle Genugtuung, wenn sie selbst Erbrechen auslösen oder sich quälen. 

Aus neueren Studien geht hervor, dass diese Störung mit den Sexualhormonen oder bestimmten neurologischen Mustern zusammenhängen könnte.

Frau mit Sadorexie
Die verzerrte Körperwahrnehmung im Spiegel ist nicht nur für Anorexie, sondern auch für Sadorexie charakteristisch.

Wir empfehlen dir auch diesen Beitrag: Was ist Permarexie und was sind ihre Ursachen?

Ursachen und Möglichkeiten, diese Essstörung zu erkennen

Die Ursachen für Sadorexie sind sehr unterschiedlich und zum Teil nicht ausreichend identifiziert. Was wir wissen ist, dass sich Betroffene übermäßige Sorgen über ihr Äußeres machen und ein extremes Verlangen empfinden, immer noch schlanker zu sein. Darüber hinaus kann auch sozialer Druck vorhanden sein, der Menschen mit Sadorexie zusätzlich belastet.

Es gibt sogar wissenschaftliche Studien, die versichern, dass diese Essstörung auf genetische Veränderungen beruht und deshalb bestimmte Umweltfaktoren nur wie ein Zündholz wirken, das dieses Problem explodieren lässt.

Wir wissen auf jeden Fall auch, dass das soziale Umfeld und die Erziehung das Risiko, diese Essstörung zu entwickeln, beeinflussen. Traumatische Erfahrungen spielen bei vielen Ess- und Verhaltensstörungen eine wichtige Rolle.

Um Sadorexie zu diagnostizieren, wenden Psychologen verschiedene Test- und Screeningverfahren an. Diese müssen von einem qualifizierten Experten vorgenommen werden.

Diese Werkzeuge helfen, typische Verhaltensmuster festzustellen, die auf Sadorexie hinweisen. Je früher man diese Krankheit erkennt, desto besser sind die Chancen für eine erfolgreiche Intervention.

Wie wird Sadorexie behandelt?

Die Behandlung von Sadorexie erfordert ein multidisziplinäres Team, das aus einem Ernährungsberater, einem Psychologen und einem Psychiater bestehen sollte. Nur im Team ist es möglich, diese ernste Krankheit erfolgreich zu behandeln.

In sehr schlimmen Fällen ist der Patient oder die Patientin bei der Diagnose bereits unterernährt und muss ins Krankenhaus eingeliefert werden. Dies ist unter anderem in einem in der Zeitschrift Revista Medica de Chile veröffentlichten Artikel nachzulesen. In dieser Situation ist es oft erforderlich, die betroffene Person künstlich mit den nötigen Nährstoffen zu versorgen, um ernste Stoffwechselprobleme zu vermeiden.

Wenn die Behandlung ambulatorisch erfolgt, ist eine entsprechende Ernährungserziehung grundlegend. Anfangs kann es hilfreich sein, mit einem Ernährungsplan zu beginnen, der die grundlegenden Bedürfnisse abdeckt. Doch allmählich muss die kranke Person lernen, eine vielfältige, gesunde Ernährung zu akzeptieren.

Außerdem benötigen Betroffene psychologische Unterstützung, die normalerweise durch eine Verhaltenstherapie erfolgt. Des Weiteren kommen Arzneimittel zum Einsatz, um die Person mental zu stabilisieren und Risikoverhalten, das bis hin zu Selbstmordversuchen führen kann, zu verhindern.

Frau mit Sadorexie
Sadorexie erfordert eine multidisziplinäre Behandlung, da verschiedene Aspekte berücksichtigt werden müssen.

Sadorexie: eine relativ unbekannte Essstörung, von der jedoch immer mehr junge Menschen betroffen sind

Wie bereits erwähnt, handelt es sich um eine erst vor kurzer Zeit klassifizierte Essstörung, die jedoch immer häufiger zum Anlass für einen Besuch beim Psychologen oder Ernährungsberater wird. Die Diagnose und Behandlung ist sehr ähnlich, wie bei anderen Essstörungen.

Eine multidisziplinäre Therapie ist sehr wichtig, um verschiedene Aspekte dieser Krankheit zu berücksichtigen. In ernsten Fällen ist ein Krankenhausaufenthalt nötig, um schwere Folgeprobleme oder Risikoverhalten zu verhindern.

Die Ernährungserziehung und die Verhaltenstherapie helfen Betroffenen, Risikoverhalten zu reduzieren, das ernste gesundheitliche Schäden verursachen kann. Solltest du den Verdacht schöpfen, dass jemand in deinem Umfeld an dieser Krankheit leiden könnte, solltest du dich unbedingt schnellstmöglich von einem Experten beraten lassen, um dieser Person helfen zu können.

Es könnte dich interessieren ...
Was ist eine vermeidend/restriktive Essstörung?
Besser Gesund LebenRead it in Besser Gesund Leben
Was ist eine vermeidend/restriktive Essstörung?

Eine vermeidend/restriktive Essstörung tritt häufig im Kindesalter auf. Dabei lehnen Betroffene gewisse Nahrungsmittel ganz ab oder essen nur sehr wenig.



  • Gravina G., Milano W., Nebbiai G., Piccione C., et al., Medical complications in anorexia and bulimia nervosa. Endocr Metab Immune Disord Drug Targets, 2018. 18 (5): 477-488.
  • Neef ND., Coppens V., Huys W., Morrens M., Bondage discipline, dominance submission and sadomasochism (BDSM) from an integrative biopsychosocial perspective: a systematic review. Sex Med, 2019. 7 (2): 129-144.
  • Himmerich H., Bentley J., Kan C., Treasure J., Genetic risk factors for eating disorders: an update and insights into pathopysiology. Ther Adv Psychopharmacol, 2019.
  • Vásquez N., Urrejola P., Vogel M., An update on inpatient treatment of anorexia nervosa: practical recommendations. Rev Med Chil, 2017. 145 (5): 650-656.
  • Jáuregui-Lobera, Ignacio, and Patricia Bolaños-Ríos. “Revisión del tratamiento dietético-nutricional de la anorexia nerviosa.” Revista médica de Chile 140.1 (2012): 98-107.
  • Appolinario, Jose C., and Josue Bacaltchuk. “Tratamento farmacológico dos transtornos alimentares.” Brazilian Journal of Psychiatry 24 (2002): 54-59.