Verschiedene Formen der Suchtverleugnung

Menschen, die an einer Sucht leiden, sind sich oft nicht bewusst, was mit ihnen geschieht. Hier erfährst du, welche Arten der Suchtverleugnung es gibt.
Verschiedene Formen der Suchtverleugnung

Letzte Aktualisierung: 30. November 2021

Suchtverleugnung ist eines der häufigsten Probleme von Menschen, die eine Suchterkrankung haben. Tatsächlich müssen Familie, Freunde und Partner die Betroffenen häufig dazu drängen, sich Hilfe zu holen. Das liegt daran, dass Süchtige nicht glauben, dass etwas Schlimmes passieren wird. Da es wichtig ist, die verschiedenen Arten der Suchtverleugnung zu kennen, werden wir sie dir in diesem Artikel aufzeigen.

Obwohl dieser Prozess sehr frustrierend sein kann, hat er auch eine positive Seite: Sobald der Patient/die Patientin die eigene Situation erkennt und akzeptiert, ist er/sie bereit dazu, mit der Rehabilitation zu beginnen.

Wichtig ist, dass du dir darüber bewusst bist, dass Sucht nicht nur mit Drogen zu tun hat. Es gibt Menschen mit Suchtproblemen, die mit der Arbeit, Glücksspiel oder Essen zu tun haben.

Nachfolgend werden wir uns mit dem Thema Suchtverleugnung beschäftigen und einige grundlegende Aspekte erläutern.

Arten der Suchtverleugnung

Suchtverleugnung - Mann konsumiert Drogen

Süchtige drücken ihre Verleugnung auf unterschiedliche Weise aus; es geht um mehr als nur eine falsche Sicht der Realität. Es ist viel komplexer, als wir uns vorstellen können. Und deshalb ist der Umgang mit Abhängigkeiten so schwierig.

Hier sind einige Formen der Suchtverleugnung:

  • Einfache Verleugnung: Diese Form ist am einfachsten zu erkennen. Sie beinhaltet das Leugnen der negativen Folgen, die die Sucht auf das tägliche Leben hat.
  • Rechtfertigung: Bei der Rechtfertigung findet der Süchtige eine argumentative Erklärung für die eigene Sucht. Anhand von Fakten oder Situationen überzeugen sich die Betroffenen selbst davon, dass die Abhängigkeit der einzige Weg ist.
  • Rationalisierung: Hand in Hand mit der Rechtfertigung geht die Argumentation, dass die Abhängigkeit eine logische Konsequenz ist, obwohl dies tatsächlich nicht der Fall ist.
  • Verharmlosung: Damit werden die negativen Folgen der Sucht heruntergespielt und verharmlost.
  • Futurisierung: Das ist die Verleugnung der Möglichkeit, der Sucht zu entkommen. Der Süchtige sieht die Zukunft als eine Möglichkeit, nicht über die Gegenwart nachdenken oder sie analysieren zu müssen. Die Betroffenen glauben, dass sie ihrer Sucht nie entkommen können.
  • Projektion: Diese Art der Suchtverleugnung wird von der psychologischen Wissenschaft gut erklärt. Projizieren bedeutet, dass wir unsere eigenen negativen Probleme einer dritten Partei zuschreiben. Wir übertragen ein Problem auf ein anderes.

Suchtverleugnung in der Familie

Der Süchtige ist nicht der Einzige, der Suchtverleugnung praktiziert. Oft machen auch die Familie und der engere Kreis eine Phase durch, in der sie die Realität verleugnen. Das macht es für den Süchtigen noch schwieriger, sich in Behandlung zu begeben.

Jede Familie mit einem Süchtigen wird dysfunktional. Das familiäre Gleichgewicht wird gestört und die Rollen werden verschoben. Laut dieser Studie eines Teams der Universität von Costa Rica besteht daher die Gefahr, dass sich die Familienbande lösen.

Infolgedessen wird die Familie dysfunktional. Das kann daran liegen, dass die Angehörigen die Krankheit nicht verstehen und gleichzeitig Liebe und Hass für den Süchtigen empfinden. Durch diese ganze Verwirrung wird die Kommunikation unterbrochen und Worte, die gesprochen werden sollten, bleiben ungesagt.

Der richtige Umgang mit Suchtverleugnung

Suchtverleugnung - beim Therapeuten

Die Verleugnung der Sucht tritt nicht nur vor der Entgiftungsbehandlung auf. Leider dauert sie oft fast das ganze Leben des Süchtigen an, wie ein Gespenst, das ihn heimsucht.

Manchmal können der Lauf der Zeit und die Spirale der negativen Folgen dazu führen, dass der Süchtige sein Problem erkennt. Das sind jedoch Extremsituationen, die dazu führen können, dass sich die Person nicht frühzeitig in Behandlung begibt.

Um diese Extremsituationen zu vermeiden, gibt es verschiedene Alternativen:

  • Psychotherapie: Diese Sitzungen sind Teil des begleitenden Entgiftungsprozesses. Psychologen verfügen über Instrumente, mit denen sie versuchen, die Verleugnung rückgängig zu machen.
  • Verhaltenstagebuch: Für Süchtige, die bereits eine Entgiftung begonnen haben, kann ein Tagebuch hilfreich sein. Darin reflektieren sie über ihre Alltagssituationen. Dann analysieren sie, woher die Verleugnung kommt.
  • Gesundheitsaufklärung: Vorträge, Broschüren, Werbung und Veranstaltungen, die die Sucht visualisieren, können Menschen helfen zu erkennen, dass sie ihr Verhalten überdenken müssen. Dieses Umdenken kann sogar der erste Schritt aus der Verleugnung sein.

Sich zu verstecken ist niemals eine Lösung

Oft hat der Süchtige Angst und versucht durch Verleugnung zu vermeiden, sich der Situation zu stellen. Das Selbstwertgefühl der Betroffenen ist geschwächt und sie denken, dass es sich bessert, wenn sie der Realität entfliehen. Wir wissen jedoch, dass das nicht stimmt.

Was Süchtige vor allem brauchen, ist Unterstützung. Wir sollten ihnen so viel Verständnis, Respekt und Unterstützung geben, wie wir können. Du musst dir darüber bewusst sein, dass dies ein schwieriger Prozess sein wird. Aber dennoch ist es möglich, dass sich die Betroffenen erholen und ihr Problem überwinden. Dennoch darf man dabei nicht vergessen, dass auch der Patient seinen Teil dazu beitragen und die ihm zur Verfügung stehenden Mittel nutzen muss.

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