Sialorrhöe oder vermehrter Speichelfluss

Vermehrter Speichelfluss kann unangenehm sein, auch wenn es sich nicht um ein ernstes medizinisches Problem handelt. Die Sialorrhöe verursacht normalerweise keine Komplikationen, kann jedoch die Lebensqualität beeinflussen.
Sialorrhöe oder vermehrter Speichelfluss

Letzte Aktualisierung: 17. Februar 2022

Sialorrhöe oder vermehrter Speichelfluss ist bei Kindern zwischen 15 und 36 Monaten sehr häufig. Wenn es dazu jedoch nach dem vierten Lebensalter kommt, handelt es sich um eine Krankheit, die zwar nicht schwerwiegend, für Betroffene jedoch sehr belastend ist.

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass der vermehrte Speichelfluss häufig mit ernsten Erkrankungen im Zusammenhang steht. Er könnte zum Beispiel auf eine Zerebralparalyse oder auf Parkinson hinweisen. Weitere mögliche Ursachen sind bestimmte Medikamente oder eine Schwangerschaft.

Was ist Sialorrhöe und welche Ursachen führen dazu?

Der übermäßig starke Speichelfluss führt dazu, dass Betroffene den Speichel nicht im Mund halten können und sabbern oder eine “feuchte Aussprache” haben, was als sehr unangenehm empfunden wird. Die fachsprachliche Bezeichnung lautet Ptyalismus.

Zu den häufigsten Ursachen für Sialorrhöe zählen neurologische Krankheiten. Wie bereits erwähnt, kann es dazu zum Beispiel bei einer Zerebralparalyse oder bei der Parkinson-Krankheit kommen. Außerdem ist der übermäßig starke Speichelfluss oft auch durch amyotrophe Lateralsklerose (ALS), das Riley-Day-Syndrom oder infolge eines Gehirnschlags vorhanden.

Des Weiteren können bestimmte Arzneimittel dazu führen, zum Beispiel Antipsychotika, Hypnotika oder Beruhigungsmittel. Häufig kommt es auch während der Schwangerschaft zur vermehrten Speichelbildung, insbesondere zwischen der zweiten und vierten Schwangerschaftswoche.

Sialorrhöe bei Babys
Bei kleinen Kindern ist Sabbern ganz normal.

Eigenschaften dieser Störung

Es gibt drei Speicheldrüsen, die für die Bildung des Speichels zuständig sind: 

  • Die Ohrspeicheldrüse oder Glandula parotidea, die sehr dünnflüssiges Sekret absondert,
  • die Unterkieferspeicheldrüse oder Glandula submandibularis
  • und die Unterzungenspeicheldrüse oder Glandula sublingualis, die beide ein etwas dickflüssigeres Sekret absondern.

Die Speichelproduktion erfolgt kontinuierlich. An einem Tag können diese Drüsen bis zu einem Liter Speichel erzeugen, wobei die Unterkiefer- und Unterzungenspeicheldrüse rund 70 % dieser Menge produzieren. Die Sialorrhöe als solche wird nicht als Krankheit betrachtet und verursacht keine Komplikationen. Allerdings beeinflusst sie die Lebensqualität der davon betroffenen Menschen.

Es gibt keinen spezifischen Facharzt, der auf die Behandlung von Sialorrhöe spezialisiert ist. Bei Verdacht auf diese Störung suchst du am besten deinen Hausarzt auf. Dieser wird dich dann, falls nötig an einen Facharzt weiterleiten, der die damit zusammenhängenden Ursachen genauer untersuchen kann.

Einteilung der Sialorrhöe

Je nach Ursache lassen sich zwei unterschiedliche Gruppen unterscheiden:

  • Die anteriore Sialorrhöe ist auf eine neuromuskuläre Defizienz zurückzuführen, die mit einer vermehrten Speichelproduktion einhergeht. Sie führt dazu, dass Betroffene an den Mundwinkeln Speichel verlieren oder sabbern.
  • Von einer posterioren Sialorrhöe spricht man, wenn der Speichelfluss zwischen Zunge und Rachen erhöht ist.

Nach der Thomas-Stonell und Greenberg Skala kann die Sialorrhöe nach ihrer Ausprägung oder nach ihrer Frequenz klassifiziert werden. Die Einteilung erfolgt in diesem Fall nach diesem Muster:

  • Trocken
  • Leicht (feuchte Lippen)
  • Mäßiggradig (feuchte Lippen und Kinn)
  • Schwer (Kleidung befeuchtet)
  • Profus (Kleidung, Hände und Utensilien befeuchtet oder nass)

Entsprechend der Häufigkeit:

  • Niemals Speichelfluss
  • Gelegentlicher Speichelfluss
  • Häufiger Speichelfluss
  • Konstanter Speichelfluss

Die Konsequenzen der Sialorrhöe

Sialorrhöe ist ein sehr belastendes medizinisches Problem, denn sie führt zu einer notorischen Unfähigkeit und zu zusätzlichen Schwierigkeiten, wenn sie im Rahmen anderer neurologischer Probleme entsteht. Die Folgen sind in vielen Fällen deutlich sichtbar: schuppende Haut im Lippenbereich, geschwächte Muskeln, Dermatitis, Veränderungen des Geschmacksinns, Schwierigkeiten beim Sprechen usw.

Das größte physische Risiko ist allerdings eine Lungenentzündung durch Aspiration, da Betroffene beim Schlucken von Nahrung Schwierigkeiten haben. Diese Patienten sind auch anfälliger für Mund- oder Zahnfleischentzündungen.

Andererseits entstehen oft ernste psychologische Folgen, denn das Sabbern führt zu sozialer Ablehnung, die sogar häufig bei Pflegepersonal festzustellen ist. Auch die täglichen Aufgaben werden dadurch gestört und eingeschränkt.

Konsequenzen der Sialhorrhöe
Neurologische Krankheiten wie Parkinson führen häufig zur vermehrten Speichelbildung.

Empfohlene Behandlungen

Es gibt drei mögliche Behandlungsformen des vermehrten Speichelflusses: die logopädische, die pharmakologische und die chirurgische. Durch logopädische Übungen können pathologische Reflexe gehemmt werden. Damit können Patienten zum Beispiel das Verschließen der Lippen und das Schlucken des Speichels trainieren. Mit der regelmäßigen logopädischen Behandlung können sie ihre Situation deutlich verbessern.

Die pharmakologische Behandlung erfolgt durch Anticholinergika, welche die Speichelproduktion reduzieren. Diese Medikamente kommen in der Regel in Kombination mit den logopädischen Übungen zum Einsatz. Allerdings sind die Arzneimittel nicht immer gut verträglich.

Eine weitere Möglichkeit ist die Injektion von Botulinumtoxin Typ A (TBA). Der Facharzt spritzt diese Substanz direkt in die Speicheldrüsen, um damit die Sekretion zu reduzieren. Bei dieser Behandlung ist hervorzuheben, dass sie kaum Nebenwirkungen auslöst.

Sollte dennoch keine dieser Behandlungsformen helfen, besteht die Möglichkeit einer chirurgischen Intervention. Jeder Patient ist unterschiedlich. Manchmal ist es nötig, verschiedene Ansätze zu kombinieren, doch in einigen Fällen kann das Problem nur durch eine Operation gelöst werden.

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