Wozu ist Weinen gut?

· 14 Mai, 2017
Wusstest du, dass Weinen gut für die Gesundheit ist? Die Tränen zu unterdrücken, kann sogar Angstzustände oder schwerwiegende Magenprobleme auslösen.

Weinen wird meist mit einem schwachen Charakter in Verbindung gebracht. Doch Tränen können auch gesund und wichtig sein, wenn man das Bedürfnis danach hat.

In unserem heutigen Artikel erklären wir dir, welche Funktionen das Weinen hat und wann es vorteilhaft ist.

Weinen bedeutet nicht, verwundbar zu sein

In unserer Gesellschaft wird Weinen nicht unbedingt mit guten Augen gesehen. Viele haben Angst, als Schwächling angesehen, oder als sensibel abgestempelt zu werden, wenn man sie weinen sieht. 

Manche sehen darin ein Zeichen der Unterwerfung oder des Aufgebens. Tränen können auch als emotionale Strategie genutzt werden, um das zu erreichen, was man möchte.

Tränen können sogar Bindungen festigen, denn wenn man zusammen weint, stärkt das die Beziehung ganz besonders.

Doch nicht immer ist dies wirksam, im Berufsleben macht dieses Verhalten beispielsweise keinen Sinn. Wenn du im Büro in Tränen ausbrichst, weil etwas nicht so funktioniert, wie du gerne hättest, wirst du sofort als schwach und überfordert abgestempelt.

In einer Welt, wo der Ausdruck von Gefühlen meist als negativ betrachtet wird, bevorzugen es viele, Tränen zu verstecken oder nur mit den engsten Freunden oder der Familie zu teilen.

Die Wissenschaft hat fast 500 Emotionen gefunden, die Tränen auslösen können. Die bekanntesten sind Wut, Angst, Einsamkeit und Bewunderung.

Die bezweckte Wirkung kann in 2 Gruppen eingeteilt werden: um Hilfe zu bitten oder Hilfe zu leisten.

Lesetipp: Die Notwendigkeit zu weinen, weil man zu stark ist

Tränen befreien

Weinende Frau Weinen

Sigmund Freud hat auf diesem Gebiet wichtige Grundsteine gelegt. Er behauptete, dass Weinen eine befreiende Funktion hat.

Es konnte festgestellt werden, dass unterdrückte Tränen Angstzustände, Asthma oder Magengeschwüre auslösen können. Wer seine Gefühle nicht ausdrückt, ist anfälliger für Depressionen und andere Erkrankungen.

Das Weinen stabilisiert den Gefühlszustand. Man fühlt sich geliebt und unterstützt, wenn man sich anderen mitteilen und Sorgen aussprechen kann.

Auf körperlicher Ebene wird durch das Weinen die Atmung reguliert und für Entspannung gesorgt. Wenn die Tränen vorüber sind, fühlt man sich danach ruhiger.

Nächtliche Tränen aus Liebeskummer oder wegen eines Verlustes fördern einen ruhigeren Schlaf.

Auch ein Film oder ein melancholisches Lied kann für Tränen sorgen. Nicht nur wenn die Handlung traurig ist, auch bei einem glücklichen Ende können Tränen fließen, insbesondere, wenn wir uns mit einem der Darsteller oder der Situation identifizieren.

Weinen steuert unsere Emotionen

Frau in Tränen Weinen

Wie auch das Lachen, handelt es sich um einen sehr wichtigen emotionalen Ausdruck und dient zur Kommunikation mit anderen Menschen. Durch Tränen teilt man anderen mit, wie man sich fühlt und was man denkt. 

Tränen sind eine Therapie, weil sie Druck lösen und das Einfühlungsvermögen mit unseren Mitmenschen ermöglichen. Es ist z. B. viel einfacher Hilfe zu erhalten, wenn man weint, als wenn man beleidigt ist.

Man kann dabei Dampf ablassen, Erleichterung und Entspannung erreichen, keinesfalls handelt es sich um ein Zeichen von Schwäche.

Man kann damit nicht nur Traurigkeit lindern, sondern auch versuchen, bestimmte Dinge zu erreichen. 

  • Wenn du jedoch von deinen Tränen abhängst, wirst du nichts erreichen.
  • Babys melden Hunger oder Müdigkeit durch Tränen, doch Erwachsene haben andere Möglichkeiten, zu ihrem Ziel zu gelangen!

Lies auch: 6 Ernährungsgewohnheiten, die zu Angst und Depression führen können

Dürfen nur Frauen weinen?

Abschließend möchten wir analysieren, warum Männer und Frauen auf unterschiedlicher Weise weinen.

Ab dem 13. Lebensjahr weinen Frauen viel öfter (zwischen 30 und 64 Mal im Jahr, während Männer durschnittlich nur 17 Mal weinen), vorher gibt es keinen Unterschied.

Frauen weinen außerdem länger, ungefähr 6 Minuten, während ein Mann meist nicht länger als 3 Minuten lang weint.

Das patriarchalische und kulturelle Erbe zwingt Männer, sich stärker zu zeigen. Noch immer sind Tränen ein Zeichen für Schwäche, weshalb sie diese öffentlich nicht zeigen können.

Bereits kleinen Jungs wird beigebracht, dass Tränen Mädchensache ist. Ein großer Irrtum.

Frau weint Weinen

Auch Hormonschwankungen können bei Frauen für häufigere Tränen verantwortlich sein.

Weinen ist bei Frauen oft eine Selbsttherapie. 

Die Unfähigkeit, Gefühle auszudrücken nennt sich übringens Alexithymie. Diese kommt bei Männern häufiger als bei Frauen vor.

  • Grossmann, K. (2009). Weinen, ein Bindungsverhalten. Psychotherapeut. https://doi.org/10.1007/s00278-009-0651-0
  • Kratz, T., & Wallesch, C. W. (2001). Pathologisches lachen und weinen. Fortschritte Der Neurologie Psychiatrie. https://doi.org/10.1055/s-2001-16512
  • Kaiser, F. G. (2013). Verhalten. In Dorsch Lexikon der Psycholgoie. https://doi.org/10.1007/978-3-476-00461-1_32
  • Roth, G. (2003). Fühlen, Denken, Handeln. Wie unser Gehirn unser Verhalten steuert. Suhrkamp, Frankfurt Am Main. https://doi.org/10.1016/j.jacr.2010.05.020