Wie Lärmbelästigung unsere Gesundheit beeinträchtigt

· 29 April, 2019
Laute, stressige Reize wirken sich unter anderem negativ auf das Immunsystem aus. Zu viel Lärm hat jedoch nicht nur physische, sondern auch psychologische Folgen. Erfahre mehr zu diesem Thema in unserem heutigen Artikel. 

Immer häufiger und länger sind wir Lärmbelästigung ausgesetzt. Meist sind wir uns darüber gar nicht bewusst: Straßenverkehr, Freizeitlärm (zum Beispiel laute Musik), Lärm am Arbeitsplatz und andere akustische Belastungen beeinträchtigen jedoch unsere Lebensqualität.

Deshalb ist es wichtig, die Auswirkungen zu kennen, Lärmquellen zu identifizieren und diese dann im Rahmen des Möglichen gering zu halten, um unser Wohlbefinden dadurch möglichst wenig zu beeinflussen. 

Lärmbelästigung

Lärmbelästigung ist gesundheitsschädlich
Lärmbelästigung kann ernste gesundheitliche Folgen haben.

Wer tagein, tagaus starker Lärmbelästigung ausgesetzt ist, wird mit der Zeit die gesundheitlichen Folgen spüren. Doch wie wirkt sich kontinuierliche akustische Belastung aus? 

Wir können Lärm als störende und unerwünschte Geräusche (Schall) definieren, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken.

Eine Studie, die von drei wichtigen europäischen Organisationen durchgeführt wurde, beschreibt Lärm als „Energieemission, die durch Vibrationen erzeugt wird, die vom Gehör erkannt werden und ein unangenehmes Gefühl erzeugen.“ Diese Empfindung entsteht insbesondere dann, wenn die Geräusche  außerhalb des Kontextes entstehen und wir nicht daran gewöhnt sind.

Du kennst jetzt den Unterschied zwischen einem Klang oder Ton und Lärm. Der Lärmpegel bestimmt, ab wann diese unangenehmen Geräusche gesundheitsschädlich sind. 

Lesetipp: Wie wirkt sich Musik auf unseren Gemütszustand aus?

Lärmbelästigung: ein weltweites Problem

Tatsächlich ist die Lärmbelästigung ein weltweites und besorgniserregendes Problem der öffentlichen Gesundheit.

Deshalb hat sich die Europäische Union zum Ziel gesetzt, die Lärmbelastung bis zum Jahre 2020 auf die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Werte zu reduzieren. Das heißt, dass der Lärmpegel auf maximal 85 dB während der Arbeitszeit von 8 Stunden reduziert werden sollte. 

Die WHO weist auch darauf hin, dass eine zu hohe Lärmbelastung in der Freizeit eine wichtige Ursache für erworbene Taubheit ist: Laute Musik in Diskotheken, bei Konzerten oder anderen Ereignissen sowie lautes Musikhören (mit Kopfhörern) über einen langen Zeitraum wirken sich sehr negativ auf das Hörvermögen aus. Deshalb ist es grundlegend, beim Musikhören die richtige Lautstärke einzustellen.

Doch die Auswirkungen der Lärmbelästigung gehen weit über den Gehörverlust hinaus. Akustische Stimuli wirken sich auch auf das physische und emotionale Wohlbefinden aus, und zwar in viel größerem Maße als wir uns dies vorstellen.

Erfahre deshalb anschließend mehr über die gesundheitlichen Auswirkungen eines ständig erhöhten Lärmpegels:

5 Auswirkungen von Lärmbelästigung

1. Schwerhörigkeit durch Lärmbelästigung

Diese Folge durch zu starke Lärmbelastung ist zwar besorgniserregend, doch es ist nicht die einzige, wie du gleich sehen wirst.

Wer lange Zeit zum Beispiel im Beruf lauten Lärmquellen ausgesetzt ist, läuft Gefahr, an Hörfähigkeit zu verlieren und mit der Zeit schwerhörig oder ganz gehörlos zu werden. Lärm beeinträchtigt die Schallübertragung im äußeren Ohrbereich oder im Mittelohr, da die Hörzellen geschädigt werden. 

Gleichzeitig führt der Gehörverlust oft zu Nervosität, Depression, Diskriminierung, verringerter akademischer oder beruflicher Leistungsfähigkeit und Isolation. Deshalb ist es grundlegend, die Lärmbelästigung im Rahmen des Möglichen gering zu halten.

2. Schlafstörungen durch Lärmbelästigung

Schlafstörungen und Müdigkeit durch Lärmbelästigung
Lärmbelästigung beeinträchtigt auch unsere Schlafqualität!

Umgebungslärm ist eine der häufigsten Ursachen für nächtliches Erwachen. In der Folge kann es zu Schlaflosigkeit und Schlafmangel kommen, da das Schlafmuster beeinträchtigt wird.

Wenn das nächtliche Erwachen chronisch wird, äußert es sich auch durch Stimmungsschwankungen, Konzentrationsmangel und einer verminderten Leistung. Außerdem haben Schlafstörungen natürlich auch ernste Effekte auf den Wachzustand.

3. Lärmbelästung wirkt sich negativ auf das Kreislaufsystem aus

Ständiger Lärm erhöht das Risiko für Herz-Gefäß-Krankheiten. Die Gefahr für Angina pectoris oder einen Herzinfarkt wird dadurch größer. Auch Bluthochdruck ist wahrscheinlicher, wenn man ständig an Lärmbelastungen leidet.

Bei einem Lärmpegel von über 65 dB oder akuter Lärmexposition von 80 bis 85 dB kann es langfristig zu Herzkrankheiten kommen.

Dies ist deshalb der Fall, da laute Geräusche biologischen Stress auslösen und der Organismus dann Hormone aktiviert, welche wiederum den Blutdruck und die Herzfrequenz erhöhen.

4. Lärmbelästigung führt zu Stress und Reizbarkeit

Stress ist die Antwort des Körpers auf äußerliche Herausforderungen. Wenn diese Situation lange anhält, wird dadurch die Gesundheit belastet. Außerdem wird lärmbedingter Stress auch mit Störungen des Hormonsystems und des Immunsystems assoziiert.

Weitere Nebenwirkungen der akustischen Belastung sind gestörte Lernprozesse, Gedächtnisprobleme und Schwierigkeiten in der Problemlösung. Außerdem ist dadurch auch die Reizbarkeit erhöht und es besteht die Tendenz zu mehr Aggressivität.

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5. Beeinträchtigung des Immunsystems

verschnupfte Frau
Lärm beeinträchtigt unter anderem das Immunsystem, was dich für Krankheiten anfälliger macht.

Das Immunsystem braucht ausreichend Energie, um richtig funktionieren zu können. Doch Stress versetzt den ganzen Organismus in einen Alarmzustand, der ebenfalls große Anstrengungen vom Körper abverlangt. Wenn Stress chronisch wird, geht das Immunsystem geschwächt hervor.

Wie du siehst, hat Lärm verschiedenste Auswirkungen, die wiederum zu weiteren Nebeneffekten führen. Ein geschwächtes Immunsystem öffnet die Türen für Viren und Bakterien, die den Organismus angreifen. Sie haben dann ein leichtes Spiel. Deshalb sind Betroffene weitaus anfälliger für verschiedenste Krankheiten.

Wie kann man die Auswirkungen der Lärmbelästigung reduzieren?

Du weißt jetzt, wie schädlich zu viel Lärm für deine Gesundheit ist. Jetzt ist es an der Zeit, Lärmquellen zu identifizieren und zu reduzieren. Folgende Maßnahmen können dir dabei helfen:

  • Auch wenn du gerne Musik hörst, die Lautstärke sollte sich immer im Rahmen halten. Vergiss nicht, dass dein Gehör ansonsten stark daran leidet.
  • Wenn du zu einem Konzert, in die Disco oder zu einer Feier gehst, halte mehrere Meter Abstand von der Soundquelle.
  • Wenn sich dein Haus, deine Wohnung oder deine Arbeitsstelle in der Nähe starker Lärmquellen befindet, verwende Ohrenschützer falls nötig!
  • Der Lärm um dich herum sollte 100 dB nie überschreiten.
  • Vermeide auch sehr laute Haushaltsgeräte, Maschinen oder Werkzeuge.
  • Höre nie länger als 1 Stunde Musik mit Kopfhörern.

Folge diesen Ratschlägen, um dein Gehör zu erhalten. Falls du Schwierigkeiten feststellst, solltest du dich schnellstmöglich von einem Facharzt untersuchen lassen! 

  • Organización Mundial de la Salud. Sordera y pérdida de la audición. (2018) [Online] Available at: www.who.int/es/news-room/fact-sheets/detail/deafness-and-hearing-loss
  • Unión Europea, Observatorio de Salud y Medio Ambiente de Andalucía, Junta de Andalucía. Ruido y Salud. [Online] Available at: www.diba.cat/c/document_library/get_file?uuid=72b1d2fd-c5e5-4751-b071-8822dfdfdded&groupId=7294824