Was ist eine Kolostomie?

30 Dezember, 2019
In manchen Fällen ist eine Kolostomie die einzige Möglichkeit, das Leben eines Patienten zu erhalten. Erfahre heute mehr über dieses chirurgische Verfahren. 

Die Kolostomie ist eine Form eines Stomas, das heißt ein künstlicher Ausgang zwischen einem Hohlorgan und der Haut, der chirurgisch angelegt wird. Ein Darmstoma ist ein künstlicher Darmausgang und ein Urostoma ein künstlicher Harnblasenausgang.

Als Kolostomie bezeichnet man einen künstlich angelegten Ausgang vom Dickdarm (Kolon) durch die Bauchdecke und Haut, um die Entleerung des Darminhalts zu ermöglichen. 

Dabei wird der Darm künstlich in zwei Teile aufgeteilt: den Bereich vor dem Stoma, der funktional ist und die normale Darmtätigkeit beibehält, und den Bereich nach dem Stoma, der nicht mehr funktionstüchtig ist. Da die Darmentleerung über den künstlichen Ausgang erfolgt, ist dieser Abschnitt nicht mehr notwendig. 

Nicht nur der letzte Abschnitt des Dickdarms, auch Rektum und After sind nicht mehr funktional. Doch es ist möglich, dass die Schleimhaut weiterhin Flüssigkeit erzeugt und ausstoßt.

Da die Kolostomie im Dickdarm durchgeführt wird, können die Nährstoffe weiterhin wie gewohnt aufgenommen werden. Denn dieser Prozess findet im Dünndarm statt, der sich oberhalb des betroffenen Bereichs befindet. Der chirurgische Eingriff beeinträchtigt nur die Stuhlbildung und ihre Ausscheidung.

Kolostomie: verschiedene Arten

Der chirurgische Eingriff, der für eine Kolostomie notwendig ist, kann auf drei unterschiedliche Weisen erfolgen:

1. Temporäre Kolostomie

Temporäre Stomata dienen häufig dazu, den Darm vorübergehend zu entlasten und die Heilung zu fördern. Bei manchen chirurgischen Eingriffen oder Krankheiten verläuft die Entwicklung besser, wenn der Dickdarm stillgelegt wird. 

Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn eine Magenoperation durchgeführt wird, die heilen muss. Um zu verhindern, dass Lebensmittelreste den genesenden Bereich passieren, legt der behandelnde Arzt einen Darmausgang an, der später dann wieder verschlossen wird. Abschließend wird der Darm genäht, um die Passage wieder herzustellen. Das Verdauungssystem funktioniert danach wieder ganz normal.

2. Permanente Kolostomie

In diesem Fall benötigt der Patient ein bleibendes Stoma, das in der Regel auf der linken Bauchseite platziert wird. Dies kann beispielsweise bei Darmkrebs notwendig sein, wenn es in einem fortgeschrittenen Stadium keine andere Möglichkeit mehr gibt, als einen Großteil des Dickdarms zu entfernen. Wenn der Darmtransit irreparabel ist, ist ein Kolostoma erforderlich.

3. Transversale Kolostomie

Diese Art wird wegen ihrer Platzierung so bezeichnet. Der Dickdarm umfasst drei Teile, wobei der mittlere Abschnitt zwischen rechter und linker Kolonflexur als Querkolon (Colon transversum) bezeichnet wird.

In der Regel erfolgt die Kolostomie nicht in diesem Abschnitt, doch in manchen Fällen ist dies aus anatomischen Gründen notwendig. Es kann im Querkolon ein temporaler oder permanenter Darmausgang gelegt werden.

Transversale Kolostomie
Bei einer Obstruktion im Dickdarm kann eine Kolostomie erforderlich sein. Verschiedene Krankheiten, wie Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium, können einen permanenten künstlichen Darmausgang notwendig machen.

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Was sind Kolostomiebeutel?

Die Kolostomie ermöglicht die Darmentleerung über einen künstlich gelegten Darmausgang. Der Stuhl wird also nicht mehr wie gewohnt über Rektum und After ausgeschieden.

Um die festen und geformten Ausscheidungen aufzufangen, die unkontrolliert aus dem Stoma austreten, ist ein Kolostomiebeutel notwendig. Dieser wird direkt am Stoma befestigt und gewechselt, wenn er voll ist. Es gibt verschiedenste Modelle, die jedoch alle zwei grundlegende Elemente aufweisen: ein Adhäsionssystem, um den Beutel am Stoma anzubringen, und ein Auffangsystem, das einen einfachen Beutel oder einen Entleerungsmechanismus umfassen kann.

Zahlreiche Fabrikanten fertigen Kolostomiebeutel und bieten verschiedene Systeme zu unterschiedlichen Preisen an. Es gibt verschiedene Qualitäten, Größen, Farben und Ausführungen.

Patienten haben auch unterschiedliche Entleerungssysteme zur Wahl. Die betroffene Person sollte damit gut zurecht kommen und sich wohl fühlen. Außerdem spielt natürlich auch der Preis eine wichtige Rolle. Einige Möglichkeiten für Entleerungssysteme sind:

  • Austauschbare Kolostomiebeutel: Der Beutel wird nur einmal verwendet und entfernt, sobald er voll ist. Danach kommt ein neuer Beutel zum Einsatz.
  • Wiederverwendbare Beutel mit Öffnung: Es gibt auch Beutel, die man unten öffnen kann, um den Inhalt zu entleeren und denselben Beutel danach weiterzuverwenden.
  • Waschbare Beutel: Manche Beutel verfügen über spezielle Adhäsionssysteme, die abgenommen werden können. Sie sind aus waschbarem Material gefertigt und können nach der Reiningung wieder verwendet werden.
Kolostomie
Kolostomiebeutel sind notwendig, um die Ausscheidungen aus dem Darm am Stoma regelmäßig aufzufangen.

Mögliche Komplikationen

Die Beeinträchtigung der natürlichen Ausscheidungsfunktion des Darms kann zu verschiedenen Komplikationen führen. Manche davon sind harmlos, andere können jedoch komplex sein. Die häufigsten Komplikationen sind:

  • Dermatitis: Rund um das Stoma kommt es meist zu Hautrötungen durch die künstliche Öffnung und die Darmentleerung. Mit der entsprechenden Hygiene und spezifischen Salben können die Patienten diese Beschwerden kontrollieren.
  • Verkleinerung des Stomas: Nach dem chirurgischen Eingriff verkleinert sich der Durchmesser des Stomas. Das ist ganz normal, doch wenn die Öffnung zu klein wird, ist ein neuer Eingriff erforderlich. Ansonsten könnte sich der Ausgang verstopfen.
  • Bewegung des Stomas: Am Ort der Kolostomie verändert der Darm seine Lage. Deshalb kann er stärker nach außen drücken und eine Stomahernie verursachen. Es kann auch vorkommen, dass sich das Stoma nach innen zieht. In beiden Situationen müssen Betroffene zum Arzt, damit dieser entsprechende Maßnahmen einleiten kann, um die Funktionstüchtigkeit der Kolostomie zu erhalten.
  • De Frutos Muñoz, Rocío, et al. „Calidad de vida de los pacientes con colostomía e ileostomía a corto y medio plazo.“ Metas de enfermería 14.2 (2011): 24-31.
  • Robles-Castillo, Javier, et al. „Reparación primaria versus colostomía en lesiones del colon.“ Cirugía y Cirujanos 77.5 (2009): 365-368.
  • Ponce Gómez, Ghandy, Beatriz Carmona Mejía, and Sara Huerta González. „Tener una colostomía: transformación de la corporalidad.“ (2017).