Angst vor Kortikosteroiden oder Kortikophobie

Die Angst vor Kortikosteroiden hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Diese Medikamente können verschiedene Nebenwirkungen haben, die aber oft auftreten, wenn du nicht die richtige Dosis nimmst oder sie über einen längeren Zeitraum verwendest.
Angst vor Kortikosteroiden oder Kortikophobie
Leonardo Biolatto

Geschrieben und geprüft von dem Facharzt Leonardo Biolatto.

Letzte Aktualisierung: 04. August 2022

Die Angst vor Kortikosteroiden wird als Kortikophobie bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine Angst und Ablehnung einer bestimmten Art von Medikamenten, den Kortikosteroiden. Das kommt häufiger vor, wenn diese Substanzen als Creme zur Behandlung der atopischen Dermatitis bei Kindern eingesetzt werden.

Einigen Statistiken zufolge haben zwischen 20 und 83 % der Patienten mit atopischer Dermatitis Angst vor Kortikosteroiden. Obwohl die prozentuale Spannbreite sehr hoch ist, lässt sich daraus ablesen, dass viele Patienten und Patientinnen unter derartigen Ängsten leiden.

Am auffälligsten ist, dass es auch eine ganze Reihe von Angehörigen der Gesundheitsberufe gibt, die ebenfalls Angst vor Kortikosteroiden haben. Dabei sind diese Medikamente, obwohl sie in bestimmten Fällen Nebenwirkungen verursachen können, die beste Option zur Behandlung vieler verschiedener Krankheiten. Darüber hinaus kursieren zahlreiche Mythen über Kortikosteroide, die die Kortikophobie schüren.

Was sind Kortikosteroide?

Der Mensch bildet auf natürliche Weise Kortikosteroide in den Nebennieren und mithilfe von Cholesterinmolekülen. Infolgedessen produziert der Körper zwei Arten von Kortikosteroiden, die auch als Kortikoide bezeichnet werden. Alle diese natürlichen Substanzen haben unendlich viele Funktionen, darunter die Verstoffwechselung von Kohlenhydraten und Proteinen sowie die Regulierung des Immunsystems und der Stressreaktionen.

Die erste Art dieser natürlichen Kortikosteroide enthält 21 Kohlenstoffatome und unterteilt sich in zwei weitere Gruppen. Einerseits die Glukokortikoide, zu denen wir Cortisol oder Hydrocortison zählen. Andererseits die Mineralokortikoide, zu denen auch Aldosteron gehört.

Die zweite Art von Kortikosteroiden, die der Körper produziert, hat 19 Kohlenstoffatome. Diese Kortikosteroide bilden Hormone wie Androgene und Östrogene.

Synthetische Kortikosteroide sind Medikamente, die die Funktion der natürlichen Kortikosteroide simulieren. Sie kopieren zwar die Funktion dieser Hormone, sind aber auch viel stärker als natürliche Kortikosteroide. Aus diesem Grund kommen sie zur Behandlung verschiedener Krankheiten wie Dermatitis, Rhinitis, Asthma oder Psoriasis zum Einsatz.

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Angst vor Kortikosteroiden - Frau mit einem Inhalator
Inhalative Kortikosteroide werden häufig bei Asthma eingesetzt.

Nebenwirkungen von Kortikosteroiden

Wenn du Kortikosteroide korrekt, in der richtigen Dosis und über einen kurzen Zeitraum einnimmst, treten im Allgemeinen nur sehr selten Nebenwirkungen auf. Wenn du dich allerdings nicht an die genannten Richtlinien hältst und sie über die von der medizinischen Wissenschaft empfohlenen Grenzen hinaus verwendest, können verschiedene Nebenwirkungen auftreten.

Einige Nebenwirkungen von Kortikosteroiden sind im Folgenden aufgeführt:

  • Gewichtszunahme: Sie verursachen eine Flüssigkeitsretention und verändern den Fettstoffwechsel, was zu einer anormalen Fettverteilung im Körper führen kann. Dieser Effekt tritt jedoch nur bei längerem Gebrauch auf.
  • Hautkrankheiten: Deine Haut kann dünner und brüchiger werden. Darüber hinaus können Dehnungsstreifen, Teleangiektasien oder eine Erweiterung von Blutgefäßen auftreten. Außerdem kann es zu einer Hypopigmentierung (Pigmentverlust der Haut), einer Hypertrichose (übermäßige Behaarung an normalerweise unbehaarten Stellen) und akneartigen Ausbrüchen kommen.
  • Erhöhte Blutzuckerkonzentration: Kortikosteroide verändern deinen Glukosestoffwechsel und können zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels führen.

Es gibt Berichte über Patienten mit erhöhtem Blutdruck und einem erhöhten Risiko, an Osteoporose zu erkranken. Darüber hinaus erhöht sich das Risiko für Infektionen. Des Weiteren können Kortikosteroide Nervosität und Stimmungsschwankungen verursachen und die Entwicklung von Grauem Star begünstigen.

Angst vor Kortikosteroiden - eine Tube mit Kortikosteroidsalbe
Kortikophobie tritt häufiger bei Patienten mit atopischer Dermatitis auf, die fast täglich Kortikosteroidcremes verwenden müssen.

Die Angst vor Kortikosteroiden oder Kortikophobie

All diese möglichen Nebenwirkungen sind die Ursache für Kortikophobie. Wie wir bereits erwähnt haben, ist es jedoch sehr unwahrscheinlich, dass du diese Nebenwirkungen bemerkst, wenn du diese Medikamente in der richtigen Dosierung und für einen begrenzten Zeitraum verwendest.

In den meisten Fällen treten die schädlichen Auswirkungen erst nach längerer Einnahme über mehrere Jahre auf. Deshalb sollte man auf diese Risiken nicht mit einer irrationalen Angst reagieren, sondern mit einem verantwortungsvollen Umgang mit diesen Medikamenten, indem man alle Vorsichtsmaßnahmen trifft.

Genauso wie es offensichtliche Risiken gibt, sind auch einige unbegründete Mythen entstanden. Einer von ihnen besagt, dass diese Medikamente die Gehirnentwicklung von Kindern beeinträchtigen. Obwohl es keine wissenschaftlichen Beweise für diese Behauptung gibt, glauben dennoch viele Menschen, dass sie wahr ist. Und das wiederum verstärkt ihre Angst vor Kortikosteroiden.

Abschließende Gedanken über die Angst vor Kortikosteroiden

Es ist wichtig, Medikamente richtig anzuwenden und die Nebenwirkungen zu kennen, um ihnen bestmöglich vorbeugen zu können. Allerdings führt die Angst vor Kortikosteroiden bei manchen Menschen dazu, dass sie dieses Medikament um jeden Preis vermeiden wollen, wodurch die Behandlung bestimmter Krankheiten behindert oder sogar verhindert wird.

Vorsicht im Umgang mit Medikamenten ist absolut angebracht. Aber Angst, die auf Vorurteilen und nicht auf Fakten beruht, ist etwas ganz anderes. Daher ist es immer ratsam, dass du mit deinem Arzt oder deiner Ärztin sprichst, um alle Zweifel auszuräumen.

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  • Capdevila, E. F. (2004). Fobias y filias en el tratamiento con corticoides tópicos. Piel, 19(8), 405-6.