Wissenswertes zum Thema Epilepsie und Schwangerschaft

31 August, 2020
Frauen mit Epilepsie können in den meisten Fällen eine ganz normale Schwangerschaft erfahren, doch bestimmte Risiken müssen berücksichtigt werden. Deshalb ist die ärztliche Betreuung besonders wichtig, um mögliche Probleme zu verhindern. Erfahre heute mehr über dieses Thema. 

Statistiken verraten uns, dass in Deutschland etwa eine von 200 schwangeren Frauen an Epilepsie leidet. Es handelt sich also um eine relativ geringe Zahl, doch trotzdem kann man nicht von Einzelfällen sprechen.

Epileptische Anfälle nehmen glücklicherweise während der Schwangerschaft nicht zu und wirken sich in der Regel auch nicht auf das heranwachsende Baby aus. Ungefähr 96 Prozent der betroffenen Frauen erleben eine ganz normale Schwangerschaft und eine Geburt ohne Komplikationen. 

Schwangerschaft und Epilepsie

Epilepsie ist eine neurologische Krankheit, bei der sich die Nervenzellen bei einer Krise in extremer Form elektrisch entladen. Es handelt sich um eine kurzzeitige Funktionsstörung des Gehirns, die zu Muskelzuckungen führen kann, was jedoch nicht immer der Fall ist. Die Verkrampfung des Körpers ist allerdings nicht immer auf einen epileptischen Anfall zurückzuführen. 

Typische Symptome einer epileptischen Krise sind eine kurze Absence (Abwesenheit), Verkrampfungen oder unkontrollierte Zuckungen. Es gibt verschiedene Arten und Ausprägungen, die sich unterschiedlich äußern. 

Während der Schwangerschaft erfährt die Frau verschiedenste hormonbedingte Veränderungen, vor allem durch Progesteron. Spürbar verändern sich unter anderem der Fortpflanzungsapparat, Herz und Kreislauf und die Weichgewebe. Auf die eine oder andere Weise sind alle Zellen davon betroffen.

Während der Schwangerschaft konnte bei epileptischen Frauen keine signifikante Zu- oder Abnahme der Anfälle beobachtet werden. Aus epidemiologischen Studien geht hervor, dass der Fötus keinen Einfluss darauf hat.

Allerdings können Frauen mit Schlafstörungen ernstere Probleme haben. In diesem Fall nimmt die Anzahl der epileptischen Krisen aufgrund des Schlafmangels insbesondere im letzten Schwangerschaftsdrittel häufig zu. Jedoch ist nicht eindeutig klar, ob dies auf die fehlende Erholung, Stress oder hormonelle Faktoren zurückzuführen ist.

Doch es ist nicht alles so einfach, denn die Konzentration der verabreichten Arzneimittel gegen Epilepsie kann Probleme bereiten. Frauen mit Epilepsie befinden sich in der Regel bereits vor der Schwangerschaft in medikamentöser Behandlung. Doch während der Schwangerschaft verändern sich das Blutvolumen und die Durchblutung der Körpergewebe.

Epilepsie und Schwangerschaft
Bis jetzt konnte nicht beobachtet werden, dass epileptische Krisen in der Schwangerschaft seltener oder häufiger auftreten.

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Antiepileptika in der Schwangerschaft

Antiepileptika oder Antikonvulsiva, die normalerweise bei Epilepsie verschrieben werden, können in vielen Fällen zu angeborenen Fehlbildungen führen. Diese Medikamente sind also für das Baby gefährlich und machen auch die Kontrolle der Schwangerschaft komplizierter.

Die Inzidenz für angeborene Fehlbildungen ist bei Babys mit epileptischen Müttern deutlich höher als bei Babys, deren Mütter gesund sind. Im Allgemeinen berichten Statistiken über ein Kind mit Fehlbildungen bei 100 Geburten. Bei Frauen, die mit Antiepileptika behandelt werden, ist das Risiko allerdings dreimal so groß. 

Die Polytherapie mit unterschiedlichen Arzneimitteln zur gleichen Zeit kann zu angeborenen Fehlbildungen des Babys führen, wenn zum Beispiel Medikamente wie Valproat oder Carbamazepin zum Einsatz kommen. Ganz besonders ist meist das Zentralnervensystem des Fötus betroffen.
Ärzte empfehlen normalerweise Frauen mit Epilepsie, die einen Kinderwunsch äußern, während der Schwangerschaft die Dosis der Antiepileptika zu reduzieren, um das Risiko für Fehlbildungen zu minimieren. Manchmal können nur sehr geringe Dosen bereits ausreichend sein, wenn die Patientin bereits 9 Monate lang keine Krise hatte.
Doch nur ein Facharzt kann die Dosis reduzieren. Die Patientin darf darüber auf keinen Fall selbst entscheiden, denn das Risiko einer falschen Dosierung ist groß und könnte ernste Folgen haben.

Das Risiko einer epileptischen Krise während der Schwangerschaft

Statistiken informieren zwar nicht eindeutig über eine Zu- oder Abnahme von epileptischen Krisen während der Schwangerschaft, doch es kann natürlich zu einem Anfall kommen. Wenn eine Patientin bereits vorher häufig Anfälle hatte, wird dies auch in der Schwangerschaft der Fall sein. 

Eine epileptische Krise bedeutet für die Mutter und für ihr heranwachsendes Kind eine Gefahr. Zu den häufigsten Problemen gehört die Hypoxie, das bedeutet die mangelnde Sauerstoffversorgung der Gewebe während des Anfalls. Sollte die Plazenta nicht ausreichend Sauerstoff erhalten, kann sich dies negativ auf die sich entwickelnden Organe des Kindes auswirken.

Auch Traumata können zu Komplikationen führen. Wenn die schwangere Frau das Bewusstsein verliert, kann sie fallen und sich an empfindlichen Stellen verletzen: zum Beispiel am Kopf oder am Bauch, der jetzt größer ist, da sich der Fötus in der Gebärmutter befindet.

Die Sterblichkeitsrate ist bei Schwangeren mit Epilepsie größer als bei Frauen, die nicht daran leiden. Viele dieser Fälle (schätzungsweise 1 von 1.000 schwangeren Frauen) sind auf den plötzlich auftretenden, ungeklärten Tod bei Epilepsie (SUDEP) zurückzuführen.

Für SUDEP gibt es keine offensichtliche Erklärung, wie etwa ein Trauma oder das Ersticken der betroffenen Person. Die Ursachen für dieses Syndrom sind unbekannt, doch man weiß, dass verschiedene Risikofaktoren existieren, welche die Wahrscheinlichkeit, daran zu sterben, erhöhen.

Eine schwangere Frau mit Epilepsie sollte deshalb nie alleine schlafen und auch nie auf dem Bauch schlafen. Außerdem sollten Familienangehörige, wenn möglich darüber informiert sein, um im Notfall Erste Hilfe leisten zu können.

schwangere Frau mit Epilepsie
Wenn die Frau vorher häufig epileptische Krisen hatte, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie daran auch während der Schwangerschaft leidet, groß. Deshalb ist es wichtig, dass die Familie Bescheid weiß, um falls nötig Erste Hilfe leisten zu können.

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Abschließende Bemerkung über Epilepsie und Schwangerschaft

Der Arzt entscheidet in jedem Einzelfall über die nötige Medikation. Er kann zum Beispiel die Dosierung verringern, um unerwünschte Auswirkungen auf das Kind zu verhindern. Die schwangere Frau sollte jedoch nie eigenständig die Dosis der Arzneimittel verändern oder diese ganz absetzen.
Der betreuende Arzt programmiert die Geburt des Kindes im Voraus mit einem Team, das Erfahrungen auf diesem Gebiet hat. Möglicherweise erfolgt die Geburt über Kaiserschnitt, was mit dem Facharzt und der werdenden Mutter abgesprochen wird. Die Kommunikation zwischen allen Beteiligten ist sehr wichtig, um Probleme zu verhindern, damit die Mutter ein gesundes Kind zur Welt bringen kann. 
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