Rafael Nadal und seine wiederkehrenden Verletzungen

Wenn man an Rafael Nadal denkt, hat wohl fast jeder seine Sprints vor Augen, mit denen er scheinbar unmöglich erreichbare Bälle erlief. Allerdings hat dieser körperliche Verschleiß mit der Zeit seinen Tribut gefordert.
Rafael Nadal und seine wiederkehrenden Verletzungen

Geschrieben von Fernando Clementin

Letzte Aktualisierung: 04. August 2022

Der Name Rafael Nadal wird wegen seines Spiels, seiner Titel und seiner Rekorde für immer in die Tennisgeschichte eingehen. Er hat eine beeindruckende Karriere hingelegt und wird sie auch weiterhin fortsetzen. Wären nicht bestimmte Verletzungen aufgetreten, hätte er sogar noch mehr gewinnen können.

Es stimmt, dass Verletzungen praktisch alle Spitzensportler begleiten, nicht nur im Tennis, sondern in fast allen Disziplinen.

Nadals “Pech” war jedoch, dass er immer wiederkehrende Beschwerden hatte, die Saison für Saison erneut auftauchten. In diesem Artikel geben wir dir einen Überblick über alle Verletzungen, die Rafael Nadal in seiner fast 20-jährigen Profikarriere am meisten geplagt haben.

Rafael Nadal und die Verletzungen, die seine Karriere erschwerten

In seiner bisherigen 19-jährigen Karriere erlitt Rafael Nadal 21 Verletzungen. Dabei sind kleinere Schmerzen nicht mitgerechnet, die nicht dazu führten, dass er sich von einem Turnier zurückziehen musste oder gar nicht erst antreten konnte.

Mehrere dieser Verletzungen traten in Bereichen oder Strukturen des Körpers auf, die bereits zuvor betroffen waren. Das heißt, es handelte sich um wiederkehrende Verletzungen, wie wir in der folgenden Liste sehen werden.

1. Abdominale Probleme

Rafael Nadal, der größte Grand-Slam-Turniersieger aller Zeiten (22 Titel), musste in Wimbledon 2022 wegen eines Bauchmuskelrisses vorzeitig aufgeben. Aufgrund dieser Verletzung konnte er nicht im Halbfinale des Turniers in London antreten.

Eine andere Verletzung hatte bereits einige Monate zuvor, beim Masters 1000 in Indian Wells, einen nahe gelegenen Bereich seines Körpers betroffen. Bei diesem Turnier zog er sich im Halbfinale gegen seinen spanischen Landsmann Carlos Alcaraz eine Stressfraktur in der linken dritten Rippe zu.

Bereits in den Jahren 2018 und 2019 hatte der Mallorquiner ebenfalls muskuläre Probleme im Bauchbereich. In Anbetracht der Wiederholung dieser Verletzung scheint klar zu sein, dass der Tennisspieler den mittleren Bereich seines Körpers stark beansprucht, um sich so zu bewegen, wie er es auf dem Platz tut.

Rafael Nadal - mit einer Hand vor dem Gesicht
Nadal hatte viele aufeinanderfolgende Probleme in seiner Körpermitte, sowohl im Unterbauch- als auch im Brustbereich.

2. Die Knie, eine weitere Verletzungsquelle für Rafael Nadal

Die Weichteile in diesem Gelenk waren schon immer ein Problembereich für Rafael Nadal. Das ist jedoch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass der Spanier in jedem Spiel extremen körperlichen Belastungen ausgesetzt ist, die sich aus seiner Verbissenheit und seinem Ehrgeiz, keinen Ball zu verlieren, ergeben.

Das ist sein Markenzeichen, aber es hat einen hohen Preis.

Seit 2008 hatte Rafa mit Entzündungen in den Sehnen seiner Knie (Tendinitis) zu kämpfen. Eines der ersten Probleme trat in der Patellasehne seines rechten Knies auf.

Im darauffolgenden Jahr (2009) unterbrach dieselbe Verletzung seine Gewinnserie bei den French Open in Roland Garros, Paris. Dennoch ist er mit insgesamt 14 Titelgewinnen der Rekordsieger in der Geschichte dieses Tennisturniers. In diesem Jahr konnte er auch nicht in Wimbledon antreten.

In den folgenden Jahren erlitt er eine Kniesehnenverletzung nach der anderen. Und 2012 zog er sich einen Sehnenriss zu, der ihm eine 7-monatige Genesungszeit abverlangte.

Nach einigen Jahren der “Ruhe” diesbezüglich musste er im Jahre 2018 wegen starker Schmerzen in der Patellasehne seines rechten Knies erneut ein Match abbrechen, dieses Mal das Halbfinale der US Open. Nach so vielen Jahren der Belastung und des Verschleißes ist dieses Problem für den Körper des Spaniers bereits chronisch geworden.

3. Verletzungen an den Handgelenken

Genau wie die Knie sind auch die Handgelenke ein bei Tennisspielern extrem beanspruchter Körperbereich. Rafael Nadal hat mit seinem charakteristischen Vorhandschlag seine Handgelenke in jedem der mehr als 1.200 Spiele seiner Profikarriere auf die Probe gestellt.

Im Jahr 2016 trat die erste Verletzung in diesem Bereich auf. Konkret handelte es sich um eine Disinsertion der hinteren Ulnarscheide seines rechten Handgelenks. Dadurch fiel er drei Monate lang aus.

Zwei Jahre später verlagerten sich die Beschwerden auf das andere Handgelenk und äußerten sich in Form einer Entzündung. Wieder musste er während des Turniers in Roland Garros aufgeben und konnte bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 nur mit Unterbrechungen spielen, um die Schmerzen zu ertragen. Zuletzt brach er 2019 ein Exhibition-Turnier wegen eines Rezidivs ab.

4. Müller-Weiss-Syndrom, eine von Nadals letzten Verletzungen

Dieses Problem trat bereits 2005, zu Beginn seiner Karriere, auf. Das Müller-Weiss-Syndrom ist eine degenerative Erkrankung, die sich in einem der Fußknochen, insbesondere dem Kahnbein, manifestiert. Sie führt zu einer Verformung des Gewebes, die zu Schmerzen und Taubheitsgefühlen in der Gliedmaße führen kann.

Verursacht durch eine verzögerte Verknöcherung des Kahnbeins (Knochen an der Spitze des Innengewölbes am Fußrücken), kann das Syndrom zu anderen Problemen in den unteren Extremitäten führen. Menschen, die an diesem Syndrom leiden, ändern oft ihre natürliche Art zu gehen, um Schmerzen zu vermeiden.

In Nadals Fall trat die Verletzung in Roland Garros 2021 mit größerer Intensität wieder auf (obwohl trotzdem Champion wurde) und zwang ihn, praktisch den gesamten Rest der Saison zu pausieren. Daher nahm er weder an den Olympischen Spielen noch an den restlichen Grand Slams der Saison teil.

Rafael Nadal - Fußverletzung
Falsches Gehen oder Laufen kann sich auf die oberen Gelenke wie Knie und Hüfte auswirken und dort Probleme verursachen.

Rafael Nadal, ein von Verletzungen geplagter Tennisstar

Die vielen Verletzungen, die Nadal im Laufe seiner Karriere hatte, haben mit seiner körperlichen Leistung in jedem Match zu tun. Vor allem in jungen Jahren zeichnete sich der Spanier durch seinen Kampfgeist, seine Ausdauer und seine mentale Stärke aus. Für viele ist er auf mentaler Ebene der beste Sportler aller Zeiten.

Doch all dieser Verschleiß forderte im Laufe der Jahre immer häufiger seinen Tribut. Er musste sogar seine Strategie und seine Schläge ändern, um aggressiver zu sein und kürzere Punkte zu spielen.

Dennoch ist eines unbestritten: Er war sehr erfolgreich und hat fast alles erreicht, was er sich vorgenommen hatte. Eines der letzten Ziele seiner Karriere ist es nun, sich von seinen Verletzungen zu erholen und seine Tenniskarriere so zu beenden, wie er und das Tennis es verdient haben.

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