Pflanzliche Mittel bei Erektionsstörungen: Sind sie wirksam?

Manche Menschen entscheiden sich für pflanzliche Heilmittel zur Behandlung von Erektionsstörungen. Aber funktionieren sie auch? Wir werfen einen Blick darauf.
Pflanzliche Mittel bei Erektionsstörungen: Sind sie wirksam?

Geschrieben von Daniela Echeverri Castro

Letzte Aktualisierung: 22. September 2022

Es gibt eine Vielzahl pflanzlicher Mittel zur Behandlung von Erektionsstörungen auf dem Markt. Ihre Hersteller bewerben sie oft als “natürliches Viagra” oder “pflanzliches Viagra” und behaupten, dass sie die Potenz verbessern können, genau wie das gleichnamige Medikament (Sildenafil). Aber funktionieren pflanzliche Mittel bei Erektionsstörungen wirklich?

Die Wahrheit ist, dass dies ein ziemlich kontroverses Thema ist, da einige behaupten, dass sie es tun und andere, dass sie es nicht tun. Außerdem enthalten einige dieser Nahrungsergänzungsmittel Inhaltsstoffe, die eine positive Wirkung haben, während andere zweifelhaft sind und versteckte Verunreinigungen enthalten können.

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) genehmigt oder reguliert ihre Verwendung nicht, sodass es schwierig ist, zu wissen, welche Produkte hochwertig sind und welche nicht. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass die Beweise für ihre Eigenschaften immer noch begrenzt sind. Willst du mehr darüber wissen? Hier erfährst du alle Details über pflanzliche Mittel bei Erektionsstörungen und ihre Wirksamkeit!

Was ist eine erektile Dysfunktion und was sind die Ursachen?

Erektile Dysfunktion (ED), auch “männliche sexuelle Impotenz” genannt, ist die Unfähigkeit, eine feste Peniserektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten, um einen befriedigenden Geschlechtsverkehr zu haben. Obwohl dies gelegentlich vorkommen kann, wird der Zustand als krankhaft angesehen, wenn er 6 oder mehr Monate anhält.

Nach Angaben des National Center for Biotechnology Information ist dies bei Männern über 40 Jahren häufiger der Fall. Das Alter und das Vorhandensein einiger Krankheiten erhöhen das Risiko.

Das Auftreten von erektiler Dysfunktion hängt mit den folgenden Faktoren zusammen:

  • Diabetes mellitus
  • Endotheliale Dysfunktion
  • Hormonelle Störungen
  • Muskuläre Störungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Störungen des Nervensystems
  • Psychologische Probleme (kulturelle Erwartungen, Verlust des Selbstwertgefühls, Scham, Angst und Depression)

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Ist es eine gute Idee, pflanzliche Mittel bei Erektionsstörungen einzusetzen?

Da es viele mögliche Auslöser für Erektionsstörungen gibt, ist eine ärztliche Beratung unerlässlich, um eine angemessene Behandlung zu erhalten. Sobald die Diagnose gestellt ist, wird der Arzt oder die Ärztin einen Ansatz für die zugrundeliegende Erkrankung vorschlagen.

Danach kann er oder sie bestimmte Medikamente vorschlagen, um die Erektion des Penis zu stimulieren. Das bekannteste dieser Medikamente ist Sildenafil (Viagra®), aber es gibt auch andere Optionen wie Tadalafil, Vardenafil und Avanafil. Auch Testosteronersatztherapien, Penispumpen und Operationen können helfen.

Ist es also eine gute Idee, pflanzliche Heilmittel zu verwenden? Viele halten sie für eine sinnvolle Option.

Verschiedene Formulierungen dieser Präparate helfen, die Blutgefäßwände zu entspannen und die Durchblutung zu verbessern. Auf diese Weise verbessern sie die Erektion.

Das Problem ist, dass es nicht genügend Beweise für die sichere und wirksame Dosierung dieser Produkte gibt. Einige führen sogar zu einer Senkung des Blutdrucks, was zum Beispiel für Männer, die bereits verschreibungspflichtige Nitrate einnehmen, gefährlich ist.

Außerdem können einige Produkte aufgrund mangelnder Regulierung und Kontrolle des Herstellungsprozesses verunreinigende Substanzen enthalten, die zu leichten bis schweren Nebenwirkungen führen. Deshalb gelten sie nicht als Mittel der ersten Wahl.

Pflanzliche Mittel bei Erektionsstörungen - Mann nimmt Viagra ein
Obwohl Viagra ® die bekannteste Marke ist, gibt es andere Monopräparate, die genauso wirksam sind.

Pflanzliche Mittel bei Erektionsstörungen: Verschiedene Optionen

In Online-Shops oder bei Kräuterhändlern finden sich viele pflanzliche Präparate, die angeblich Erektionsstörungen behandeln sollen. Sie sollten aber auf keinen Fall die konventionelle Behandlung ersetzen. Wenn du dich für eines von ihnen entscheidest, sollten sie lediglich eine Ergänzung zu anderen Behandlungen sein.

Ginseng

Ginseng (Panax ginseng) kommt in der orientalischen Medizin oft als natürlicher Energiespender zum Einsatz. Laut einer in der Cochrane Library: Cochrane Reviews veröffentlichten Übersichtsarbeit kann diese Pflanze positive Auswirkungen bei der Behandlung von Erektionsstörungen haben. Darüber hinaus scheint sie auch die Zufriedenheit mit dem Geschlechtsverkehr zu verbessern.

Weitere mögliche Vorteile sind folgende:

Yohimbin

Yohimbin ist ein Indolalkaloid, das aus der Rinde des Pausinystalia-Johimbe-Baums gewonnen wird, der normalerweise in Afrika wächst. In der Volksmedizin ist es eines der am weitesten verbreiteten pflanzlichen Mittel gegen Erektionsstörungen und andere sexuelle Probleme.

Es soll insbesondere die folgenden Wirkungen haben:

  • Stimuliert die Peniserektion
  • Steigert die Libido
  • Verlängert Erektionen
  • Steigert die Energie
  • Stimuliert Adrenalin
  • Erweitert die Blutgefäße und verbessert die Durchblutung

Eine Metaanalyse, die im Turkish Journal of Urology veröffentlicht wurde, ergab, dass die Einnahme von Yohimbin und seine Kombination mit anderen Behandlungen die Erektionsfähigkeit tatsächlich verbessert. Eine kleine Untersuchung in Pharmacognosy Reviews wiederum berichtete, dass Männer, die dieses Präparat erhielten, nach Abschluss der Behandlung in der Lage waren, zu ejakulieren und einen Orgasmus zu erreichen.

Dennoch sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit zu bestätigen. Es gibt auch Bedenken über die Nebenwirkungen der Adrenalinstimulation durch den Verzehr dieser Pflanze:

Maca

In mehreren südamerikanischen Kulturen, vor allem in Peru, gilt Maca (Lepidium meyenii) als eines der besten pflanzlichen Heilmittel gegen Erektionsstörungen. Ihr Verzehr steigert das Energieniveau und liefert essentielle Nährstoffe wie Jod, Magnesium und Aminosäuren.

In diesem Zusammenhang berichtet eine Studie in BMC Complementary Medicine and Therapies, dass eine Kombination aus Maca-Extrakt und chinesischem Schnittlauch (Allium tuberosum Rottl.) die sexuelle Funktion des Mannes verbessert.

Eine Studie aus dem Jahr 2013 wiederum ergab, dass Männer, die acht Wochen lang Maca-Extrakt zu sich nahmen, ihr sexuelles Verlangen steigern konnten. Wie in den oben genannten Fällen sind jedoch noch weitere Beweise erforderlich.

Ginkgo biloba

In der traditionellen Medizin ist Ginkgo biloba ein weiteres beliebtes Mittel gegen sexuelle Probleme. Sein hoher Gehalt an Flavonoiden wird mit einer verbesserten Durchblutung des Penis in Verbindung gebracht, was zur Verbesserung der Erektion beitragen kann.

Bislang gibt es nur wenige Studien, die diese Wirkungen belegen. In Tierversuchen, über die in der Fachzeitschrift Urology berichtet wurde, half Ginkgo biloba, die Erektionsfähigkeit von Ratten nach einer Nervenverletzung zu verbessern. Es fehlen jedoch Studien am Menschen, die diese Wirkungen bestätigen.

In einer anderen Studie, die in der Zeitschrift Human Psychopharmacology veröffentlicht wurde, wurde festgestellt, dass dieses Nahrungsergänzungsmittel die sexuelle Funktion von Männern verbessern kann, die Antidepressiva einnehmen. Dennoch sind auch diesbezüglich neuere und aussagekräftigere Beweise erforderlich.

Cnidium monnieri

Cnidium monnieri gehört zur Familie der Apiaceae. Es handelt sich um eine Heilpflanze, die häufig zur Steigerung der männlichen sexuellen Leistungsfähigkeit und zur Bekämpfung von Erektionsstörungen eingesetzt wird.

Laut Forschungsergebnissen, die in der Zeitschrift Translational Andrology and Urology veröffentlicht wurden, enthält sie einen Wirkstoff namens Osthol, ein Cumarin mit gefäßerweiternder Wirkung. Dieser Wirkstoff trägt zur Freisetzung von Stickstoffmonoxid und zur Entspannung der glatten Muskulatur des Schwellkörpers bei, wodurch die Erektion fester und kräftiger wird.

Es werden Dosen von 5 Gramm täglich empfohlen. Allerdings gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit.

Erd-Burzeldorn

Erd-Burzeldorn (Tribulus terrestris) gehört zur Familie der Zygophyllaceae. In einer randomisierten, kontrollierten Studie, über die in der Zeitschrift Integrative Medicine Alert berichtet wurde, zeigte diese Pflanze positive Wirkungen bei der Behandlung von Erektionsstörungen, wenn 12 Wochen lang dreimal täglich 500 mg eingenommen wurden.

Allerdings sind die Ergebnisse über ihre Wirkungen uneinheitlich. In den Actas Urológicas Españolas wurde berichtet, dass “Tribulus terrestris bei der Verbesserung der Symptome der erektilen Dysfunktion oder des Gesamtserumtestosterons nicht wirksamer war als ein Placebo”.

Weißer Ingwer

Weißer Ingwer (Mondia whitei) ist ist ein beliebtes Mittel zur Behandlung von Antriebsschwäche und erektiler Dysfunktion. Ein in Pharmacognosy Reviews veröffentlichter Bericht vergleicht seine Wirkung mit der von Viagra®, da es die Produktion von Stickstoffmonoxid und die Erektion erhöht. Darüber hinaus wurde sie mit einem ausgeglichenen Testosteronspiegel in Verbindung gebracht.

Pflanzliche Mittel bei Erektionsstörungen - Maca-Wurzel
Die Maca-Wurzel wurde schon immer als Potenzmittel angepriesen. Sie gehört zu den am häufigsten verwendeten pflanzlichen Mitteln gegen Erektionsstörungen.

Pflanzliche Mittel bei Erektionsstörungen und die Risiken

Manche glauben, dass pflanzliche Mittel bei Erektionsstörungen besser sind, weil sie natürlich sind. Darüber hinaus besteht der Irrglaube, dass sie deshalb keine Nebenwirkungen haben.

Das ist jedoch nicht der Fall. Es gibt potenzielle Risiken, die du beachten solltest, bevor du diese Nahrungsergänzungsmittel einnimmst.

Da sie nicht von Behörden wie der FDA reguliert werden, können einige von ihnen Spuren giftiger Chemikalien enthalten. Außerdem können ihre Bestandteile Wechselwirkungen mit Medikamenten oder unerwünschte Reaktionen hervorrufen, vor allem bei Patienten mit chronischen Krankheiten.

Daher sollte man in den folgenden Fällen auf die Einnahme dieser Präparate verzichten:

Gibt es natürliche Methoden zur Behandlung von Erektionsstörungen?

Erektionsstörungen sollten von medizinischen Fachleuten wie einem Allgemeinmediziner, Urologen oder Endokrinologen behandelt werden. Nachdem sie die Diagnose gestellt haben, werden sie eine geeignete Vorgehensweise festlegen.

Im Allgemeinen werden einige natürliche Strategien vorgeschlagen, um mit dieser Krankheit umzugehen, wie zum Beispiel die folgenden:

  • Regelmäßige körperliche Betätigung
  • Psychologische Beratung, um sexuelle Ängste oder andere emotionale Probleme, die zu dieser Situation führen können, zu reduzieren
  • Eine gesunde Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren, Proteinen, Vitaminen und Mineralien ist
  • Eingeschränkter Konsum industriell verarbeiteter Lebensmittel
  • Stressabbau
  • Abnehmen (wenn du übergewichtig oder fettleibig bist)
  • Begrenzung deines Konsums von Alkohol, Tabak und anderen giftigen Substanzen

Pflanzliche Mittel bei Erektionsstörungen: Was ist zu beachten?

Es gibt zwar eine Vielzahl von pflanzlichen Präparaten auf dem Markt, die versprechen, bei Erektionsstörungen zu helfen, aber es gibt noch nicht genügend Beweise für ihre Sicherheit und Wirksamkeit.

Deshalb sind sie nicht die empfehlenswerteste Option zur Behandlung dieser Erkrankung. Stattdessen ist es am besten, einen Arzt oder eine Ärztin zu konsultieren, um deinen Fall individuell zu beurteilen und wirksame Behandlungen auszuwählen.

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