Wissenswertes über die In-vitro-Fertilisation

5 Mai, 2020
Jedes Jahr kommen weltweit 500.000 Kinder dank der In-vitro-Fertilisation zur Welt. Erfahre heute Interessantes über diese Technik und mögliche Risiken, die damit einhergehen könnten. 

Die In-vitro-Fertilisation (IVF), umgangssprachlich auch als künstliche Befruchtung bezeichnet, erfolgt durch die Befruchtung einer Eizelle mit männlichen Samenzellen außerhalb des Körpers der Frau im Labor. Damit können Paare, die an Fruchtbarkeitsproblemen leiden, Eltern werden.

Louise Brown, Tochter von Leslie und John Brown, war das erste Retortenbaby der Welt. Sie kam nach einer In-vitro-Befruchtung am 25. Julio 1978 im Krankenhaus von Oldham in Manchester (England) zur Welt.

Seither konnten weltweit über 8 Millionen Babys dank dieser Technik das Licht der Welt erblicken, wie die Daten der European Society of Human Reproduction and Embryology (2018) verraten.

Die Bezeichnung in vitro ist auf die ersten Versuche in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zurückzuführen, als Eizellen in Versuchsröhrchen im Labor befruchtet wurden. Daher auch der Name “Retortenbaby”.

Wann kommt die In-vitro-Fertilisation zur Anwendung?

Wenn kommt die In-vitro-Fertilisation zur Anwendung?
Die künstliche Befruchtung kommt dann in Frage, wenn andere, weniger invasive Methoden, ein Kind zu zeugen, nicht erfolgreich waren.

Die IVF kommt in der Regel dann zum Einsatz, wenn weniger invasive Methoden ein Kind zu zeugen, wie etwa eine Hormonbehandlung oder die Insemination (Befruchtung der Eizelle im Körper der Frau) nicht erfolgreich verlaufen. Die In-vitro-Fertilisation kann mit den Eizellen und Samenzellen des Paars vollzogen werden. Es können jedoch auch Spender herangezogen werden, wenn einer der Partner Probleme hat.

Die häufigsten Probleme, die zu einer Unfruchtbarkeit führenund deshalb eine In-vitro-Befruchtung notwendig machen können, sind:

  • Probleme mit den Eileitern. Diese erschweren die Befruchtung der Eizelle. Wenn die Eileiter verstopft sind, kann sich das Embryo nicht bis in die Gebärmutter bewegen, was eine Schwangerschaft verhindert.
  • Probleme beim Eisprung. Es sind nicht ausreichend Eizellen vorhanden.
  • Fibrom. Tumore an der Gebärmutterwand erschweren die Einnistung der befruchteten Eizelle.
  • Endometriose. Die Gebärmutterschleimhaut wächst außerhalb der Gebärmutter.
  • Ovarialinsuffizienz. Dies bedeutet, dass die Eierstöcke ihre Funktionen unzureichend oder überhaupt nicht durchführen.
  • Genetische Probleme. In diesem Fall liegen erblich bedingte Probleme beim Mann oder bei der Frau vor, die auf die Kinder übertragen werden könnten.
  • Verminderte Samenqualität beim Mann. Die Quantität oder die Beweglichkeit können zum Beispiel reduziert sein.
  • Tubenligatur. Die Frau wurde sterilisiert, deshalb ist nur noch eine In-vitro-Fertilisation möglich.
  • Kryokonservierung der Eizellen. Bei einer Krebserkrankung, welche die Fruchtbarkeit der Frau beeinträchtigen kann, ist das Einfrieren der Eizellen möglich, um diese dann später künstlich zu befruchten.

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Wie erfolgt die In-vitro-Fertilisation?

1. Vorbereitung

Bevor man mit der künstlichen Befruchtung beginnen kann, realisieren die Ärzte verschiedene Untersuchungen, um festzustellen, dass Mann und Frau für diese Technik geeignet sind. 

Dabei werden vorhandene Krankheiten, die Qualität des männlichen Samens, die Eizellenreserve der Frau, Embryotransfertests und die Gebärmutter untersucht.

Sobald die Ärzte diese vorhergehenden Untersuchungen abgeschlossen haben und die Voraussetzungen positiv bewerten, erhält die Frau eine Hormontherapie, um einen unkontrollierten Eisprung zu verhindern (Downregulation). Danach erfolgt die gezielte hormonelle Stimulation der Eierstöcke. Die Reifung von mehreren Eibläschen soll damit angeregt werden, um die Chancen zu erhöhen, eine befruchtungsfähige Eizelle zu gewinnen.

Nach ungefähr zwei bis vier Wochen Vorbereitungszeit führt der Arzt eine vaginale Ultraschalluntersuchung durch und analysiert die Hormonwerte im Blut, um festzustellen, ob der Körper und die Eizellen für die Befruchtung bereit sind. Die Frau erhält dann eine Injektion des Hormons HCG (Humanes Choriongonadotropin), um den Eisprung einzuleiten. Nach 36 Stunden kann dann die Entnahme der Eizelle erfolgen.

2. Entnahme der Eizelle

In-vitro-Fertilisation
Die Entnahme der Eizellen erfolgt normalerweise über die Scheide und wird per Ultraschall überwacht. Danach findet die Befruchtung mit den männlichen Samenzellen statt.

Die Entnahme der Eizellen erfolgt über eine Punktion, die im Operationssaal stattfindet. Die Frau erhält Beruhigungs- oder Schmerzmittel und auch eine kurze Vollnarkose. Dieser Prozess dauert rund 15 Minuten lang.

Die ultraschallgesteuerte Entnahme der Eizelle erfolgt über die Scheide mit einer feinen Nadel, die bis zu den Follikeln geführt wird und die Eizellen aufnimmt.

In manchen Fällen ist eine vaginale Entnahme nicht möglich, dann ist eine Laparoskopie (LSK) erforderlich. Über einen kleinen Schnitt am Bauchnabel führt der Arzt dann unter Vollnarkose die Instrumente in den Bauchraum ein, um die Einzellen zu entnehmen.

3. In-vitro-Befruchtung im Labor

Nach der Entnahme der Eizellen wird frisches oder kryokonserviertes Sperma des Mannes benötigt. Der Mann masturbiert in einem Raum des reproduktionsmedizinischen Zentrums. Sollten Komplikationen vorliegen, gibt es auch andere Lösungen.  So ist beispielsweise die Entnahme des Spermas durch eine Hodenbiopsie möglich. 

Danach kann die Befruchtung im Labor erfolgen. Nach der Aufbereitung der Samenflüssigkeit im Labor werden diese mit den reifen Eizellen in einer Nährflüssigkeit zusammengebracht. Eine andere Möglichkeit ist die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), bei der das Spermium des Mannes direkt in das Zytoplasma einer Eizelle gespritzt wird.

Die durch die Befruchtung entstehenden Embryonen werden täglich analysiert, um eine Wahl für die Übertragung in die Gebärmutter zu treffen.

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4. Übertragung von Embryonen in die Gebärmutter

In-vitro-Fertilisation
Die Eizellen werden in einer Nährflüssigkeit mit den männlichen Samen zusammengebracht und nach einigen Tagen in die Gebärmutter übertragen.

Nach der gelungenen Befruchtung im Labor entwickeln sich die Eizellen in einem Brutschrank weiter. Nach zwei bis sechs Tagen nach der Entnahme der Eizellen erfolgt dann die Übertragung der entstandenen Embryonen in die Gebärmutter. Dafür verwendet der Arzt einen dünnen, biegsamen Katheter, der durch die Scheide eingeführt wird. Dieser Prozess wird durch Ultraschall am Bildschirm verfolgt. 

Bei einer erfolgreichen Übertragung nistet sich die Eizelle in den Gebärmutterwänden ein. Nach 11 Tagen kann der Arzt überprüfen, ob dieser Prozess erfolgreich war. Ab diesem Augenblick verläuft die Schwangerschaft auf normalem Wege und wird regelmäßig vom Arzt überwacht.

Embryonen guter Qualität, die nicht verwendet werden, können für die spätere Verwendung kryokonserviert (eingefroren) werden. In diesem Fall ist bei einer späteren In-vitro-Befruchtung die Stimulierung der Eierstöcke nicht mehr nötig. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass dieser Prozess in verschiedenen Ländern auch unterschiedlich gesetzlich geregelt ist.

In-vitro-Fertilisation: Mögliche Komplikationen und Risiken

Der Erfolg einer In-vitro-Fertilisation hängt von verschiedenen Bedingungen ab. In Industrieländern beträgt die Erfolgsquote schätzungsweise zwischen 41 und 43 Prozent, wenn das Alter der Frau nicht über 40 Jahren liegt. Bei älteren Frauen reduziert sich die Erfolgsquote auf ungefähr 18 Prozent.

Die American Pregnancy Association weist auf folgende mögliche Risiken hin:

  • Möglichkeit einer Mehrfachschwangerschaft durch die Stimulierung der Fruchtbarkeit und die Übertragung mehrerer Embryonen. Dies wiederum erhöht die Gefahr einer Frühgeburt mit geringem Gewicht.
  • Die Fehlgeburtenrate ist leicht höher als bei einer natürlichen Schwangerschaft. Dies gilt insbesondere für Frauen über 40 Jahren.
  • Weiters könnte es durch einen Fehler bei der Punktion auch zu vaginalen Infektionen, einer Infektion der Niere oder der Harnwege kommen. Dies kommt nur selten vor, doch man kann diese Komplikation nicht ausschließen.
  • Eine Extrauterin-Schwangerschaft ist möglich, auch wenn die Übertragung in der Gebärmutter erfolgt. Der Embryo kann noch vor der Einnistung in die Eileiter geraten.

Darüber hinaus können auch Nebenwirkungen auftreten: leichte Blutungen in den ersten Tagen der Schwangerschaft, Schwindel, Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung. Lasse dich von deinem Arzt beraten, doch meist gehen diese Nebenwirkungen nicht mit Risiken einher.