Wie hilft die Nutrigenomik deiner Gesundheit?

Die Nutrigenomik ist die Brücke zwischen Nahrung, DNA und Krankheiten. In diesem Artikel erklären wir dir, was Nutrigenomik ist und wie sie dein Leben verändern kann!
Wie hilft die Nutrigenomik deiner Gesundheit?
Maria Patricia Pinero Corredor

Geschrieben und geprüft von der Ernährungswissenschaftlerin Maria Patricia Pinero Corredor.

Letzte Aktualisierung: 04. August 2022

Technologischer und medizinischer Fortschritt gehen seit jeher Hand in Hand. Ihr Ziel ist es, Gesundheitsprobleme zu lösen. Die Nutrigenomik ist ein Beispiel für technologische Veränderungen im Dienste der Menschheit. Indem wir unsere Gene untersuchen, um herauszufinden, wie sich die Nährstoffe, die wir zu uns nehmen, auf uns auswirken, können wir unsere Ernährung vollständig individualisieren.

Die Nutrigenomik liefert somit mehr Informationen darüber, wie wir die besten Lebensmittel oder Diäten für unser Genom auswählen können. Dieser Wissenschaftszweig kann helfen, Krankheiten vorzubeugen, die Gewichtsabnahme zu fördern, die sportliche Leistung zu verbessern und vieles mehr.

Wenn du mehr über die Möglichkeiten dieser Technologie erfahren willst, um deinen Lebensstil zu personalisieren und deine Gesundheit zu verbessern, lies einfach weiter!

Was ist Nutrigenomik?

Im 21. Jahrhundert gelang es Wissenschaftlern, Informationen über das gesamte menschliche Genom zu erhalten. Und damit auch über die Beziehung zwischen unserer DNA und unserer Gesundheit.

Infolge dieser Entdeckung sind andere Zweige der molekularen Ernährung entstanden, wie die Nutrigenomik, die sich auf die Untersuchung der Auswirkungen von Nährstoffen auf das Genom, Proteine und den Stoffwechsel des Körpers konzentriert.

Aus einer anderen Perspektive betrachtet, identifiziert die Nutrigenomik bestimmte Nährstoffe, die mit Krankheiten in Verbindung stehen. So wurden enge Verbindungen zwischen Lebensmitteln und Genen sowie dem Lebensstil hergestellt.

Daher bewegt sich diese Disziplin in einem Dreiklang:

  1. Das menschliche Genom
  2. Ernährung
  3. Gesundheit

Die Nutrigenomik ist die Grundlage für die Präventivmedizin der Zukunft.

Weitere Konzepte, die sich herauskristallisiert haben, sind Nutrigenetik und Epigenetik. Der erste Begriff bezieht sich darauf, wie die Gene die Ernährungsbedürfnisse beeinflussen können. Der zweite bezieht sich darauf, wie äußere Faktoren die Genexpression verändern.

Die Identifizierung bestimmter Gene kann vorhersagen, wie der Körper auf bestimmte Nährstoffe reagieren wird. Das FTO-Gen steht zum Beispiel mit dem Energieverbrauch und dem Stoffwechsel in Verbindung und beeinflusst die Gewichtskontrolle und die Körperzusammensetzung. Daher kann ein/e Ernährungsberater/in dabei helfen, den besten Ernährungsplan auszuwählen, um Gewichtszunahme und Fettleibigkeit zu vermeiden.

Worauf basiert die Nutrigenomik?

Insgesamt basiert die Nutrigenomik auf drei Prinzipien:

  • Die Nährstoffe und biochemischen Verbindungen, die wir über unsere Ernährung zu uns nehmen, interagieren mit dem Genom. Diese Beziehung kann direkt oder indirekt sein und reguliert die Genexpression.
  • Bestimmte Gene, die durch die Ernährung reguliert werden, spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung, dem Auftreten, dem Verlauf und der Schwere chronischer Krankheiten.
  • Genetische Variationen zwischen Individuen können die Art und Weise beeinflussen, wie wir Nährstoffe verstoffwechseln.
Nutrigenomik - Ärztin untersucht das Genom
Das vollständige Wissen über das menschliche Genom legt den Grundstein für eine individualisierte Medizin.

Ziele der Nutrigenomik für die Gesundheit

Die Nutrigenomik ist besonders für die Präzisionsmedizin von Bedeutung, indem sie Präventionsmaßnahmen und Behandlungen an die besonderen Merkmale jedes Menschen anpasst. Dieser Zweig verfolgt die folgenden Ziele:

  • Veränderungen des zellulären Stoffwechsels und der Stoffwechselprofile, um Krankheiten vorzubeugen, zu lindern, vorherzusagen und zu heilen. Dies gilt insbesondere für diejenigen, bei denen der Ernährungsfaktor das wichtigste kausale Element ist.
  • Die Wissenschaftler/innen können so herausfinden, welche Bestandteile der Ernährung einen gesundheitlichen Nutzen haben.
  • Darüber hinaus ermöglicht die Nutrigenomik ein Verständnis dafür, wie unsere Gene mit den verschiedenen Nahrungsbestandteilen interagieren.
  • Dadurch lassen sich die wirksamen Dosen der Nährstoffe bestimmen, die wir zu uns nehmen sollten.
  • Die Daten können dazu verwendet werden, individuelle Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Auf diese Weise würden die Ernährungspläne effizienter werden.

Obwohl bereits viele Antworten vorliegen, gibt es immer noch Raum für Verbesserungen. Darüber hinaus gibt es einige komplexe Krankheiten, bei denen die Ernährung nur ein Teil der Gesamtfaktoren ist. Dies ist zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fettleibigkeit der Fall.

Anwendungen der Nutrigenomik in der Gesundheit

In der Nutrigenomik wurden einige Fortschritte gemacht, damit die Ernährung zur Wiederherstellung der Gesundheit beitragen kann. Hier erklären wir sie.

Die Entwicklung von Ernährungsportfolios

Eine der am weitesten verbreiteten Anwendungen der Nutrigenomik ist die Entwicklung von Ernährungsportfolios (EP) für bestimmte Krankheiten. Diese Portfolios werden durch die Kombination von zwei oder mehr funktionellen Lebensmitteln erstellt, die für eine bestimmte Krankheit oder Gruppe von Krankheiten entwickelt wurden.

Das Wichtigste an EP ist, dass sie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, die die Wirkung der einzelnen Nährstoffe auf die Gesundheit bestätigen. Bisher sind mehrere EP für verschiedene Krankheiten bekannt, obwohl nicht alle von ihnen richtig funktionieren.

Ein Beispiel ist ein Portfolio, das für das metabolische Syndrom (Fettleibigkeit, hoher Blutdruck, hoher Blutzucker, hohe Triglyceride und niedriges HDL-Cholesterin) entwickelt wurde. Das EP für diese Krankheit enthält vier funktionelle Lebensmittel: Sojaprotein, Hafer, Chiasamen und dehydrierte Nopal (Feigenkaktus). Jedes dieser Lebensmittel wurde untersucht und es wurde nachgewiesen, dass es sich auf das metabolische Syndrom auswirkt, u. a. auf die Genaktivierung und die Transkription.

Sie liefert Hinweise auf die gesündesten Ernährungsweisen

Bisher gibt es mehrere Studien, die die Wirkung der mediterranen Ernährung auf das Genom belegen. Daher wird diese Art der Ernährung häufig für Menschen empfohlen, die anfällig für Krankheiten sind oder ein Krankheitsrisiko haben.

Im Allgemeinen zeichnet sich das mediterrane Ernährungsmuster durch Folgendes aus:

  • Häufiger Verzehr von Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen
  • Überwiegende Verwendung von einfach ungesättigten Fetten, wie Olivenöl
  • Häufiger Verzehr von Fisch
  • Ein moderater Anteil an Geflügel und Milchprodukten
  • Geringer Verzehr von rotem Fleisch und dessen Derivaten
  • Mäßiger Konsum von Alkohol, wie z. B. Rotwein

Es gibt Hinweise darauf, dass der mediterrane Ernährungsstil dem genetischen Risiko entgegenwirken kann. Vor allem die Wechselwirkungen der Ernährung mit dem FTO-Gen für Fettleibigkeit und dem MC4R, die das Diabetesrisiko bestimmen. Ebenso wurde ihre genetische Wechselwirkung mit dem Risiko für Hypertriglyceridämie festgestellt.

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Sie hilft, bessere Ernährungsentscheidungen zu treffen

Die Nutrigenomik liefert Informationen, die dabei helfen, zu entscheiden, ob man bestimmte Lebensmittel konsumieren sollte oder nicht. Diese Entscheidungen können bestimmte Gesundheitszustände verbessern, wiederherstellen oder verhindern. Wenn jemand zum Beispiel zu Bluthochdruck oder hohen Cholesterinwerten neigt, kann er/sie planen, den Konsum von Natrium und gesättigten Fetten zu reduzieren.

Wenn jemand eine Vorliebe für Süßigkeiten hat, kann ein Ernährungsplan erstellt werden, der diesem Zustand entgegenwirkt und die Entwicklung von Typ-2-Diabetes verhindert. Ebenso kannst du herausfinden, ob eine eiweißreiche Ernährung beim Abnehmen hilft. Wenn ja, wird auf der Grundlage dieses Ergebnisses ein Plan erstellt.

Auf diese Weise ermöglichen die genetischen Informationen ein gesünderes Leben, indem äußere Faktoren, die mit der Ernährung und der Gesundheit zusammenhängen, verändert werden.

Nutrigenomik - Patient bei einer Ernährungsberaterin
Ernährungsberater/innen können die Nutrigenomik nutzen, um die Lebensqualität ihrer Patienten zu verbessern.

Die Durchführung und Auswertung von Nutrigenomik-Tests

Um genetische Informationen zu erhalten, wird ein einfacher Abstrich von der Innenseite des Mundes durchgeführt. Dieser wird dann zur Analyse ins Labor geschickt und du musst ein paar Wochen warten, bis du die Ergebnisse zu den Genvariationen erhältst.

Es sollte klar sein, dass die Testergebnisse das Potenzial für einen Gesundheitszustand zeigen und wie der Körper auf bestimmte Nährstoffe reagieren wird. Es handelt sich um Wahrscheinlichkeiten, also nicht um bewiesene Tatsachen.

Außerdem sollten die Ergebnisse von einem Ernährungsberater oder einer Ernährungsberaterin mit einer Ausbildung in Nutrigenomik begleitet werden. Die Fachkraft wird dir die gesundheitlichen Auswirkungen und die Lebensmittel oder Nährstoffe erklären, die für dich geeignet sind.

Ist die Nutrigenomik ein effizientes Instrument zur Verbesserung deiner Gesundheit?

Eine personalisierte Ernährung, die auf deinen Genen, Veranlagungen und Vorlieben basiert, könnte in Zukunft allgemeine Ernährungsempfehlungen ersetzen. Das bedeutet, dass deine Entscheidungsfindung zuverlässiger wird. Es ist aber auch wichtig zu bedenken, dass der Trend eine Prognose und keine Garantie ist.

Ein großer Fortschritt der Nutrigenomik ist, dass wir damit die Wirkmechanismen von Nährstoffen kennen, um bestimmten Krankheiten vorzubeugen oder sie zu heilen. Ebenso kann die Lebensmittelindustrie neue Ernährungsprodukte mit gesundheitlichen Vorteilen entwickeln.

Allerdings sind noch weitere Studien erforderlich, um die individuelle Anfälligkeit für bestimmte Gesundheitsstörungen zu bestimmen und Maßnahmen zu deren Vorbeugung zu ergreifen. Das Ziel ist es, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern.

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