Was ist eine Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung?

Eine Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung ist gekennzeichnet durch ein übertriebenes Vertrauen in fremde Personen. Das kann gerade bei Kindern zu gefährlichen Situationen führen. Erfahre die häufigsten Symptome, Ursachen und Behandlungen.
Was ist eine Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung?

Letzte Aktualisierung: 08. März 2021

Hast du schon einmal von der sogenannten Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung gehört? Von dieser Störung betroffene Kinder gehen aktiv auf fremde Personen zu und interagieren mit ihnen, ohne ein Gefühl von Vorsicht oder Angst. In einigen Fällen ist sie mit der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) verbunden.

Im folgenden Artikel werden wir über die Symptome und Ursachen dieser ausschließlich Kinder betreffenden Störung sprechen. Darüber hinaus werden wir auch einige Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen.

Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung

Wie man diese Störung erkennt

Zunächst sind dies einige der häufigen Anzeichen, die helfen können, diese Störung bei Kindern zu erkennen und zu diagnostizieren:

  • Das Kind zeigt keine Angst oder Schüchternheit, wenn es jemand Neues trifft.
  • Es zeigt eine aktive Haltung gegenüber Fremden, als ob es mit einem vertrauten Freund interagieren würde. Das Kind umarmt Fremde bereitwillig.
  • Kinder mit dieser Störung haben kein Problem damit, mit jemandem mitzugehen, den sie nicht kennen. Noch dazu würden sie dies tun, ohne die Eltern oder Betreuer um Erlaubnis zu fragen.

Wie du dir vorstellen kannst, sind Kinder, die unter dieser Störung leiden, täglich einem großen Risiko ausgesetzt, da sie bereit sind, mit Fremden mitzugehen. Außerdem kann es ihnen schwerfallen, auf emotionaler Ebene eine Verbindung zu Gleichaltrigen und Familienmitgliedern herzustellen.

Erfahre hier, wie Kinder von Malen profitieren können.

Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung: Wann sollte ein Arzt konsultiert werden?

Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung
Wenn ein Kind übermäßiges Interesse und Vertrauen gegenüber Fremden zeigt, kann von einer solchen Störung ausgegangen werden.

Um abzuwägen, ob ein Arzt aufgesucht werden sollte, stelle dir die folgenden Fragen:

  • Anstatt sich an Eltern, Verwandte und Lehrer zu wenden, sucht dein Kind Unterstützung, Trost und Gesellschaft bei Fremden?
  • Zeigt es ein übermäßig geselliges und anhängliches Verhalten gegenüber Fremden?
  • Entfernt es sich von Eltern und Bezugspersonen, wenn es an einem neuen Ort ankommt?
  • Neigt das Kind dazu, Fremden sehr persönliche Fragen zu stellen?

Was hat diese Störung mit ADHS zu tun?

Die Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung kann nach Ansicht einiger psychiatrischer Fachleute Gemeinsamkeiten mit der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung aufweisen. Es ist jedoch wichtig, den Unterschied zwischen den beiden zu kennen.

Die Gemeinsamkeit zwischen diesen beiden Störungen liegt in einer übermäßigen und unangemessenen Freundlichkeit gegenüber Fremden. Gleichzeitig geht es bei beiden Störungen um Schwierigkeiten, in sozialen Beziehungen Grenzen zu setzen. ADHS ist jedoch nicht mit einem Mangel an Bindung in den frühen Lebensphasen verbunden.

Was ist die Ursache für diese Störung?

Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung
Experten weisen darauf hin, dass diese Art von Verhalten mit dem Erleben traumatischer Ereignisse oder einem strukturlosen Familienumfeld zusammenhängt.

In einigen Fällen weisen Experten auf einen Mangel an Aufmerksamkeit gegenüber dem Kind in den frühen Lebensphasen, einschließlich des Säuglingsalters, als Ursache hin. Dieser Mangel an Bindung kann später zu einer Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung führen. Doch auch andere Faktoren können zu dieser Störung führen, darunter das Aufwachsen in Waisenhäusern oder Heimen von klein auf.

Obwohl ein Mangel an Aufmerksamkeit in der frühen Kindheit die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ein Kind eine solche Störung entwickelt, haben nicht alle Kinder, die diese Störung entwickeln, Vernachlässigung erfahren. Jedoch wird die Störung auch mit einem instabilen Familienumfeld oder traumatischen Ereignissen in Verbindung gebracht.

Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung: Ist diese Störung behandelbar?

Eine Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung ist psychologisch behandelbar, nachdem ein Spezialist sowohl das Kind als auch seine Familie begutachtet hat. Dann kann eine individuelle Behandlung eingeleitet werden.

Diese wird immer darauf abzielen, dass sich das Kind in seiner alltäglichen Umgebung wohlfühlt. Sie kann Aktivitäten wie Spielen und Malen beinhalten. Das Ziel ist es, die Familie zu unterstützen, das Verständnis für die Störung zu fördern und die Eltern-Kind-Bindung zu stärken.

Wann wird das Kind erste Anzeichen einer Verbesserung zeigen?

Das wichtigste Mittel zur Behandlung ist die Therapie, sowohl im Kindes- als auch im Jugendalter. Je früher ein Kind die Diagnose erhält, desto einfacher ist es, die Störung zu behandeln.

Es ist jedoch unmöglich zu sagen, wie schnell es den Kindern gelingt, eine gesunde und positive Entwicklung auf sozialer und emotionaler Ebene zu erreichen und sich in ihrer unmittelbaren Umgebung umsorgt und geschützt zu fühlen. Daher ist die Dauer der Behandlung von Kind zu Kind unterschiedlich und richtet sich auch nach dem Alter.

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