Umgang mit ADHS: hilfreiche Tipps

24 Juli, 2020
Ein Kind mit ADHS ist kein problematisches Kind, sondern ein Kind mit spezifischen Bedürfnissen, das in bestimmten Bereichen Hilfe benötigt. Wir sprechen heute über verschiedene Strategien, die sehr nützlich sind, um besser mit ADHS umzugehen.

ADHS-Patienten sollten nicht als Problemkinder betrachtet werden, sondern als Kinder, die Hilfe und Strategien benötigen, um sich besser konzentrieren und den Alltag einfacher bewältigen zu können. Erfahre heute, welche Strategien im Umgang mit ADHS helfen können.

Ein Kind mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) kann tatsächlich eine tägliche Herausforderung sein, die auch mit Frustration und viel Stress einhergehen kann. Doch auch wenn es manchmal schwierig erscheinen mag, gibt es Möglichkeiten und Wege, den Umgang mit ADHS zu erleichtern und deinem Kind zu helfen, sich im Alltag und auch in der Schule besser zu behaupten.

Routinen im Alltag sind nicht immer ausreichend und traditionelle Erziehungsmethoden oft wenig erfolgreich. Kinder mit ADHS haben spezifische Bedürfnisse, auf die die Eltern eingehen müssen. Erfahre heute mehr über dieses Thema.

Eigenschaften von Kindern mit ADHS

Nicht alle Kinder mit ADHS verhalten sich auf dieselbe Weise, denn die Symptome sind unterschiedlich stark ausgeprägt und äußern sich bei jedem anders. Meist leiden Kinder mit ADHS an ein bis zwei grundlegenden Merkmalen. Die Hauptanzeichen sind Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefizit und Impulsivität, die an typischen Symptomen zu erkennen sind.

Umgang mit ADHS
Kinder mit ADHS zeigen meist Symptome im Zusammenhang mit Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefizit oder Impulsivität. 

Hyperaktivität

  • Ruhelosigkeit. Das Kind hat Schwierigkeiten, ruhig zu bleiben.
  • Es redet ständig, auch wenn es nicht angebracht ist.
  • Das betroffene Kind macht Geräusche, wenn es nicht spricht.
  • Es hat Schwierigkeiten, sich zu entspannen.
  • Außerdem fällt es ihm schwer, Aktivitäten zu Ende zu führen und es langweilt sich schnell.

Aufmerksamkeitsdefizit

  • Das Kind hat Konzentrationsprobleme.
  • Es hat Schwierigkeiten, über lange Zeiträume hinweg aufmerksam zu sein.
  • Das betroffenen Kind lässt sich leicht ablenken.
  • Es achtet nicht auf Details.
  • Außerdem hat es die Tendenz, Befehle und Anweisungen nicht zu befolgen.
  • Es ist ungeordnet und hat Schwierigkeiten, seine Aufgaben zu organisieren.
  • Das betroffene Kind vergisst oft, wo es seine Sachen lässt.
  • Es verändert das Gesprächsthema, ohne dass dies Sinn macht.

Impulsivität

  • Das Kind ist ungeduldig.
  • Es handelt impulsiv, ohne darüber nachzudenken, was es tun wird.
  • Das betroffene Kind unterbricht Gespräche oder Aktivitäten anderer.
  • Es greift häufig nach allem, was in seiner Reichweite liegt.
  • Außerdem kann es aggressive oder überhebliche Antworten geben.
  • Es lässt sich nicht kontrollieren und kann sich nicht beherrschen.
Darüber hinaus leiden 70 % der Menschen mit ADHS an anderen korrelierten Erkrankungen wie Angst, Depression und posttraumatischer Belastungsstörung.

Der richtige Umgang mit ADHS

Der richtige Umgang mit einem Kind, das an ADHS leidet, kann sein Verhalten sehr positiv beeinflussen. Methoden, die in der klassischen Erziehung nützlich sein können, bleiben in diesem Fall jedoch sehr oft ergebnislos. Deshalb sind spezifische Strategien sehr wichtig, um dem betroffenen Kind zu helfen. 

Keine Strafen!

Umgang mit ADHS
Positive Verstärkung ist bei ADHS erfolgreicher als Bestrafung.

Wenn ein Kind mit ADHS Anweisungen nicht befolgt oder etwas falsch macht, geschieht dies meistens nicht aus Trotz, sondern weil es abgelenkt und in Gedanken ganz woanders ist.

Dr. Russell Barkley, ein auf ADHS spezialisierter Psychologe, glaubt, dass Bestrafung nur sehr kurzfristig wirkt. Auf lange Sicht wird das Kind die Motivation verlieren, die Dinge zu tun, die von ihm verlangt werden. Es wird jedoch Wut und Frustration empfinden, die Lektion bald vergessen und zu Aggressivität neigen.

Der richtige Umgang mit ADHS, um das Kind zu motivieren

Eine Studie der Universität Ohio ergab, dass die richtige Erziehung mit positiver Verstärkung weitaus bessere Ergebnisse erzielt. Wenn du möchtest, dass dein Kind bestimmte Dinge tut, solltest du ihm anfangs dabei helfen und es dann loben, wenn es diese Aktivität (zum Beispiel Malen) auch alleine macht.

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Klare Regeln!

Kinder mit ADHS haben möglicherweise Schwierigkeiten, Haus- und Verhaltensregeln zu verstehen und sich daran zu erinnern. Sie zu lernen und zu verinnerlichen mag länger dauern und besonders schwierig fällt es ihnen, wenn es zu Veränderungen kommt. Deshalb sind klare Regeln und eine stabile Routine für betroffene Kinder besonders wichtig.

Im Rahmen dieser eindeutigen und klaren Regeln ist allerdings auch eine gewisse Flexibilität wichtig. Halte die Regeln schriftlich fest und wähle einen für das Kind gut sichtbaren Ort, um sie ihm immer wieder vor Augen zu führen. Wenn es sich nicht sofort daran hält, musst du geduldig und flexibel sein. Dein Kind braucht Zeit und Motivation, kann jedoch in diesem Prozess immer wieder Fehler begehen, die du akzeptieren musst. Belohne dein Kind, wenn es erfolgreich ist.

Probleme nicht individualisieren

Sollte dein Kind die Anweisungen nicht befolgen, beschuldige es nicht direkt. Du solltest es nicht als unfähig oder faul bezeichnen! Mache ihm keine Vorwürfe und stelle ihm keine Fragen wie „Warum hast du das nicht getan?“. Versuche, es zu verstehen und auf den richtigen Weg zu lenken.

Der richtige Umgang mit ADHS: Teamarbeit macht alles leichter!

Umgang mit ADHS
Sprich mit deinem Kind geduldig über Probleme, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Muntere es zur Teilnahme an verschiedenen Aktivitäten auf.

Suche nicht nach dem Schuldigen, sondern versuche, mit deinem Kind gemeinsame Lösungen zu finden. Es sollte selbst Teil der Lösung sein. Verwende dabei Formulierungen wie „Wir haben ein Problem, wie können wir es gemeinsam lösen“.

Lasse dein Kind Strategien finden und unterstütze es mit deinen Worten, wenn es einen positiven Vorschlag macht. Wenn der Lösungsvorschlag nicht sehr vorteilhaft ist, solltest du dein Kind nicht abweisen, sondern versuchen, es auf die richtige Fährte zu bringen.

„Wenn du mit deinem Kind im Team arbeitest, um negative Verhaltensweisen zu korrigieren, schaffst du ein Klima, in dem es sich geliebt und unterstützt fühlt“, erklärt Carol Brady, Kinderpsychologin.

Sage nicht nein, ohne zuerst nachzudenken

Manchmal ist es notwendig, Dinge abzulehnen, doch denke darüber zuerst nach, bevor du direkt etwas verbietest. Manchmal entsteht das Nein nur durch Gewohnheiten, die jedoch nicht immer vorteilhaft oder passend sind. Vielleicht handelt es sich um ein echtes Bedürfnis, das eine positive Antwort möglich macht.

Eine weitere Überlegung ist, dass Kinder mit ADHS dazu neigen, rebellisch zu sein, und zu viele negative Reaktionen dieses Verhalten zusätzlich begünstigen.

Verwende eine Zustimmung, um nein zu sagen

Wenn du dir nicht sicher bist, ob ein Nein tatsächlich gerechtfertigt ist, kannst du kreative Wege finden, um mit einer Zustimmung das Gegenteil zu erreichen. Mach einfach einen Gegenvorschlag und verhandle mit deinem Kind. Ermutige es dazu, etwas anderes zu tun und so eine ablehnende Antwort zu vermeiden. Es handelt sich um eine andere, sehr diplomatische Art, das Kind dazu zu bringen, das zu tun, was du von ihm erwartest.

Geregelte Schlafzeiten zum bessern Umgang mit ADHS

Kinder mit ADHS haben oft Schlafprobleme, was Hyperaktivität und Konzentrationsschwierigkeiten zusätzlich verschlimmert. Das Kind schlafen zu lassen, ist jedoch nicht der beste Weg, ihm zu helfen. Wenn dein Kind müde ist, es jedoch noch nicht Zeit zum Schlafen ist, solltest du es mit Aktivitäten beschäftigen, die seine Aufmerksamkeit erregen und ihm Spaß machen. Wenn dein Kind keine geregelten Schlafzeiten einhält, wird alles noch viel schwieriger!

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Ein Schlafritual kann sehr hilfreich sein, damit es deinem Kind einfacher fällt, sich an die geregelten Schlafzeiten zu halten. Verdunkle den Raum (auch wenn es um ein Nickerchen nach dem Essen geht) und versuche, mögliche Lärmquellen auszuschalten.

Dein Kind sollte vor der Nachtruhe keine Süßigkeiten, koffeinhaltige Getränke oder andere Stimulanzien einnehmen. Auch Bildschirmgeräte sind vor dem Schlafen nicht zu empfehlen, denn sie wirken anregend. 

Der richtige Umgang mit ADHS: Weitere Überlegungen

Umgang mit ADHS
Der Arzt kann falls nötig Arzneimittel verschreiben, um die Symptome bei ADHS zu lindern.

Sollte der Arzt deinem Kind Arzneimittel verschreiben, um ADHS-Symptome zu lindern, muss es diese regelmäßig einnehmen. Du solltest dabei sehr genau und streng sein. Bei Fragen oder Bedenken kann dich dein Arzt genauestens informieren und dich auch darüber aufklären, ob es andere Möglichkeiten oder Therapien gibt.

Spezifische Routinen zum besseren Umgang mit ADHS

Körperliche Aktivitäten helfen deinem Kind, Energie zu verbrennen. Es wird sich dadurch besser konzentrieren können, seine Inhibitionsfähigkeit verbessern und deshalb nicht mehr so impulsiv reagieren.

Kurze Aktivitäten und Aufgaben, um die Konzentration zu verbessern

Für Kinder mit ADHS kann es eine große Herausforderung sein, sich länger auf Hausaufgaben oder andere Aktivitäten zu konzentrieren. Du solltest deshalb versuchen, immer wieder Pausen einzulegen, damit die Aufgaben für dein Kind überschaubarer sind.

Erarbeite mit deinem Kind einen schriftlichen Zeitplan mit verschiedenen Farben, die leicht ersichtlich machen, welche Aufgabe wann durchgeführt werden sollte. Du solltest auch immer wieder anregende Aktivitäten einbauen, die deinem Kind Spaß machen und ihm ausreichend Zeit für Pausen lassen.

Mögliche Ablenkungen kontrollieren

Kind mit ADHS
Besonders beim Lernen oder Schlafen ist eine entspannende Atmosphäre sehr wichtig, damit sich dein Kind besser konzentrieren beziehungsweise schneller einschlafen kann.

Kinder mit ADHS lassen sich sehr schnell ablenken, deshalb benötigen sie eine Umgebung, in der möglichst wenige Reize präsent sind. Im Lernzimmer sollten keine elektronischen Geräte vorhanden sein! Auch im Schlafzimmer sind diese fehl am Platz, denn die Versuchung, noch kurz am Handy oder an einem anderen Gerät zu spielen ist zu groß. Vergiss nicht, dass auch beim Essen die Ruhe nicht durch elektronische Geräte gestört werden sollte.

Pausen einlegen

Nicht nur dein Kind, auch du selbst benötigst immer wieder Pausen. Nur so könnt ihr Überlastungen und Stress vermeiden. Vergiss nicht, dass dein Kind nicht immer von dir abhängig sein sollte. Es muss lernen, sich selbst zu vertrauen und zu beschäftigen. Diese Auszeit kannst du nutzen, um dich selbst zu entspannen.

Professionelle Hilfe zum besseren Umgang mit AHDS

Auch wenn du am liebsten selbst alles in der Hand hast, ist Hilfe wichtig und für alle Beteiligten stark entlastend. Ein auf ADHS spezialisierter Psychologe kann deinem Kind Werkzeuge mit auf den Weg geben, die ihm den Alltag erleichtern.

Wenn dein Kind noch klein ist, kann auch eine spezialisierte Betreuung sehr hilfreich sein, damit du ab und zu Freizeit genießen und deinen Lieblingsbeschäftigungen nachgehen kannst. Du weißt, dass dein Kind in der Zwischenzeit gut versorgt wird.