Perinataler Kummer: viele Frauen sind davon betroffen

· 31 Januar, 2019
Wenn ein Baby nach der 22. Schwangerschaft oder sogar eine Woche nach der Geburt stirbt, wird das als perinataler Tod bezeichnet. Der darauffolgende Kummer ist groß

Perinataler Kummer tritt häufig nach dem Tod des Babys vor oder wenige Tage nach der Geburt auf. Dabei handelt es sich um einen intensiven Schmerz, der die Frau, ihren Partner und die Familie oft überrascht.

Die Schwangere hat sich an die Idee gewöhnt, dass das Baby schon auf dem Weg ist und sich auf den Tag gefreut, an dem sie Mutter werden würde. Aus verschiedenen Gründen kann das Baby jedoch sterben, was alle erschüttert.

Perinataler Kummer betrifft die Frau, ihren Partner und ihre Familien. Wie bei jedem Verlust eines geliebten Menschen hinterlässt das tiefe emotionale Spuren. Und was die ganze Sache noch schlimmer macht, ist die Tatsache, dass die Eltern und die anderen Verwandten das Baby nie wirklich kennengelernt haben.

Wenn die Schwangerschaft Teil einer traurigen Statistik wird

Schwangere ist traurig

Die Nachricht über eine ersehnte Schwangerschaft bedeutet eine wahre Glücksexplosion. Die Gefühle, Wünsche und Erwartungen schwappen über. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, das erste Quartal zu überstehen, um sicherzugehen, dass die Schwangerschaft ohne größere Risiken verläuft.

Spontane Abgänge passieren oft vor der 12. oder 13. Schwangerschaftswoche. Auch wenn das für die Frau eine emotionale Belastung bedeutet, wird es nicht als perinataler Kummer bezeichnet.

Perinatal bezieht sich auf die Zeit zwischen der 22. Schwangerschaftswoche und einer Woche nach der Geburt.

Stiller perinataler Kummer

Babyfüße

Zu dem intensiven Schmerz, der mit dem Verlust des Kindes einhergeht, das man so sehr herbeigesehnt hat, kommt noch die Tatsache, dass der perinatale Kummer im sozialen und beruflichen Umfeld der Eltern nicht anerkannt wird.

Das führt dazu, dass der Prozess der Akzeptanz und der Heilung noch komplexer und langsamer ist.

Verschiedene Faktoren können das emotionale Leid noch verstärken, das eine Frau verspürt, wenn sie ihr Baby verliert:

  • Vorherige spontane Abgänge oder perinatale Tode, die nicht verarbeitet worden sind.
  • Die Zeit, die das Paar dafür aufgewendet hat, um ein Baby zu bekommen.
  • Das Alter der Frau, da mit der Zeit, der Druck steigt.
  • Der Verlust einer multiplen Schwangerschaft.
  • Das Gefühl der Verbundenheit, das durch die Schwangerschaft entstanden ist, vor allem wenn die Frau gesehen hat, wie das Baby auf die Welt kommt.
  • Fehlende soziale Unterstützung. Krankenversicherungen und Krankenhäuser bieten nicht immer ausreichend Betreuung für diese Fälle.
  • Die Abwesenheit des Vaters, wenn er sich nicht zu dem Kind bekannt hat.
  • Die Tatsache, dass die Frau keine Erfahrungen und Erinnerungen mit der Familie oder ihrem Freundeskreis teilen kann, dem Baby keinen Namen geben oder sich nicht von ihm verabschieden kann.

Die Phasen des perinatalen Kummers

Perinataler Kummer kann Tage, Wochen, Monate oder auch Jahre dauern. Alles hängt von dem Gemüt der Frau und den Bedingungen rund um den Tod des Babys ab.

Wie bei allen Arten von Kummer gibt es auch hier verschiedene Phasen oder Etappen.

Die Verleugnungsphase

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In einer Phase, in der es schwer fällt, zu glauben, dass der perinatale Tod eingetreten ist. Vom Verstand her war die Frau nicht darauf vorbereitet, eine so schockierende Nachricht zu erhalten.

Durch diesen Zustand des Schocks und der Ungläubigkeit verdaut der Verstand Schritt für Schritt die belastende Realität.

Die Phase der Wut

Frau ist wütend

In dieser Phase fühlt sich die Mutter schuldig für das, was geschehen ist. Sie ist wütend auf sich selbst, auf den Partner und auf die Ärzte, die mit ihrem Baby Kontakt hatten.

Wenn die Frau gläubig ist, kann es sogar sein, dass sie sauer auf Gott ist, weil sie nicht versteht, warum das alles passiert ist. Oft fühlen die Betroffenen auch Neid auf andere Paare, bei denen die Schwangerschaft ohne Komplikationen verläuft.

Die Verhandlungsphase

Diese Etappe beginnt, wenn die Schuld sich in Verwirrung verwandelt. Das Nachsinnen über „Wenn ich dies oder das getan hätte“ beschäftigt die Eltern, die den Verlust erlitten haben.

Sie fragen sich immer wieder, was passiert wäre, wenn sie dies oder jenes anders gemacht hätten und ob sie den Tod ihres Kindes verhindern hätten können. Außerdem stellen sie sich vor, wie schön es mit dem Baby gewesen wäre.

Die Phase der Depression

Frau weint, weil sie ihr Kind verloren hat

Die Verhandlungsphase dauert nur kurz und geht dann in die Depression über. Angesichts der unumstößlichen Realität des perinatalen Todes kommt es zu Emotionen oder Gefühlen wie Traurigkeit, Abneigung, Schlafstörungen oder Appetitverlust.

Zudem kann es zu Ängsten kommen, ob eine neue Schwangerschaft möglich sein wird oder auch der Befürchtung, dass bei der nächsten Schwangerschaft wieder das Gleiche passiert.

Die Phase der Akzeptanz

Die letzte Phase des perinatalen Kummers. In dieser Phase akzeptiert die Frau, dass das Leben weitergeht, auch wenn sie einen schrecklichen Verlust erlitten hat.

Langsam kehrt wieder der Alltag ein. Natürlich muss erst noch etwas Zeit vergehen, bis sie wieder Hoffnung schöpft, schwanger zu werden.

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Über den perinatalen Kummer hinwegkommen

Wenn du gerade dein Baby verloren hast, hast du jedes Recht auf perinatalen Kummer. Das ist wichtig, um den Verlust zu akzeptieren, zu weinen und die Wunde zu heilen.

Um mit den verschiedenen Phasen des perinatalen Kummers fertig zu werden, können wir dir folgende Ratschläge geben:

  • Erstens sollte dein Arzt dir genau erklären, welche medizinischen Gründe zu deinem Verlust geführt haben. Ebenso welche Folgen dadurch für zukünftige Schwangerschaften entstehen können.
  • Außerdem solltest du nicht darauf verzichten, dein Baby deinem Partner, der Familie, Freunden oder Arbeitskollegen gegenüber zu erwähnen. Um mit dem Kummer umzugehen, musst du dein verlorenes Baby nicht vergessen.
  • Weine aus vollstem Herzen und setze dir keine Frist zur Überwindung des Verlustes.
  • Zudem solltest du alles tun, was nötig ist, um dich jeden Tag ein bisschen besser zu fühlen.
  • Vergiss nicht, auf deine körperliche und emotionale Gesundheit zu achten. Wenn du professionelle Hilfe benötigst, solltest du nicht daran zweifeln, sie in Anspruch zu nehmen.
  • Niemand kann dich unter Druck setzen, wenn es darum geht, was du mit der Kleidung oder den anderen Babysachen machen sollst, die du schon gekauft hast.
  • Lachen ist gesund. Habe keine Angst und denke nicht, dass du das Andenken an dein Baby nicht würdigst, nur weil du lachst oder dich freust.
  • Wenn du ein Ritual durchführen möchtest, um dich von dem Baby zu verabschieden oder sein Andenken zu würdigen, dann mach das.
Engelstatue

Abschließende Gedanken

Perinataler Kummer muss unabhängig von den Gründen, die zum Verlust des Babys geführt haben, gelebt werden. Die Frau, der Partner und die Familie haben das Recht zu leben und den Schmerz zu überwinden. Schritt für Schritt wird wieder Normalität einkehren. Es ist nur eine Frage der Geduld und des Wartens.