Kaiserschnitt oder natürliche Geburt?

· 8 März, 2019
Ein kleines Menschenwesen zur Welt zu bringen ist eine einzigartige Erfahrung, die sich viele Frauen wünschen. Manche bevorzugen einen programmierten Kaiserschnitt, andere eine natürliche Geburt. Doch welche Vor- und Nachteile gibt es dabei?

Immer häufiger entscheiden sich Ärzte und werdende Mütter für einen geplanten Kaiserschnitt, um mögliche Komplikationen besser zu kontrollieren. Viele Frauen bevorzugen jedoch die natürliche Geburt ihres Kindes. Doch welche Vor- und Nachteile gibt es dabei?

Die Geburt eines Kindes ist ein natürlicher und einzigartiger Prozess, den jedoch immer mehr Frauen aus Angst vor Schmerzen oder irreversiblen Verletzungen im Intimbereich umgehen wollen.

Ein Kaiserschnitt hat auf funktioneller und medizinischer Ebene verschiedene Vorteile und kann in manchen Fällen das Leben der Mutter oder des Babys schützen. Doch ist dieser künstliche Eingriff tatsächlich besser als eine natürliche Geburt?

Was ist besser: Kaiserschnitt oder natürliche Geburt?

Die Ärzte oder zukünftigen Eltern entscheiden sich in der Regel für die Geburtsmethode. Normalerweise ist der behandelnde Arzt dafür verantwortlich, die beste Möglichkeit in jedem individuellen Fall zu wählen, um Mutter und Baby zu schützen und Gefahren zu vermeiden.

Oft werden auch noch kurz vor der Geburt Entscheidungen getroffen, wenn gewisse Risiken vorhanden sind und deshalb doch ein Kaiserschnitt als sicherer betrachtet wird.

Unterschied zwischen Kaiserschnitt und natürlicher Entbindung

Einer der großen Unterschiede ist, dass der chirurgische Eingriff nur 20 bis 30 Minuten lang dauert. Wenn er bereits vorprogrammiert wird, sollte er nicht vor der 39. Schwangerschaftswoche stattfinden, außer wenn der Arzt aus Sicherheitsgründen eine andere Entscheidung trifft.

Physische Unterschiede

Was ist weniger schmerzlich? Ein Kaiserschnitt oder eine natürliche Geburt? Viele werdende Mütter haben Zweifel, da sie Schmerzen fürchten. Bei einer Schnittentbindung kommt es nicht zur Dilatation des Muttermundes, deshalb ist sie schmerzfrei. 

In der Regel wird in diesem Fall eine Epiduralanaästhesie (EDA) verwendet, um den Unterleib (ab ungefähr 10 cm unter dem Bauchnabel bis zu den Beinen) zu betäuben, während die Frau jedoch bei vollem Bewusstsein bleibt. Die Wirkung dauert eine bis eineinhalb Stunden an.

In den nächsten 24 bis 48 Stunden werden Schmerzen durch intravenöse schmerzlindernde und entzündungshemmende Mittel gelindert.

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Auswirkungen auf das Immunsystem

natürliche Geburt eines Babys

Vor der Geburt sind Babys praktisch steril. Das heißt, dass sie keine Bakterien im Organismus haben. Doch bestimmte Bakterien sind lebenswichtig und besiedeln den Körper des Neugeborenen bei der natürlichen Geburt.

Bei einem Kaiserschnitt erhält das Kind jedoch nicht das mütterliche Mikrobiom. Es nimmt die Bakterien der Umgebung und der anwesenden Personen auf. Doch viele davon sind für sein Immunsytem unbekannt, was negativ ist.

Aus einer Studie der Universität von Kopenhagen geht hervor, dass das Immunsystem in der Vorsorge gegen Krankheiten bei durch Kaiserschnitt geborenen Kindern schlechter ausgeprägt ist.

Die Darmflora von natürlich zur Welt gebrachten Kindern ist anders als die von Kaiserschnitt-Babys. Letztere haben weniger mit Immunfaktoren im Zusammenhang stehende Zellen. Dadurch ist die Gefahr für Krankheiten wie Diabetes Typ 1, Morbus Chron oder starke Allergien größer.

Unterschiede in der Pflege

Nach einem Kaiserschnitt oder einer natürlichen Geburt benötigt die frischgebackene Mutter viel Erholung, um die Strapazen der Geburt zu überwinden. Das bedeutet, dass sie zu Hause gar nicht oder nur wenig arbeiten sollte. Außerdem hat sie oft auch noch ältere Geschwister zu versorgen.

Die postpartale Zeit ist für Mütter und ihre Familie meist schwierig. Ein Kaiserschnitt kann diese Zeit noch komplizierter gestalten.

Es handelt sich um einen chirurgischen Eingriff, der eine äußere Narbe in der Epidermis und eine innere Narbe in der Gebärmutter zurücklässt.

Finanzielle Unterschiede

Ein Kaiserschnitt ist teurer, da es sich um einen chirurgischen Eingriff handelt. Es ist nicht nur ein Arzt und eine Hebamme notwendig, sondern ein chirurgisches Expertenteam, das auch für Notfälle vorbereitet ist.

Die Schnittentbindung erfolgt im Operationssaal während eine natürliche Geburt in einem speziell dafür vorgesehenen Kreissaal durchgeführt wird. Bei der natürlichen Entbindung sind keine Betäubungsmittel notwendig, außer wenn es zu Komplikationen kommt. Auch Antibiotika und intravenöse Medikamente sind nicht erforderlich.

Kaiserschnitt oder natürliche Geburt? Wie trifft man die Entscheidung?

Viele werdende Mütter gehen dieser Frage nach und wissen nicht, was für sie die beste Methode ist. Im Normalfall ist eine natürliche Geburt für Mutter und Kind sicherer, doch manche Fälle machen eine Schnittentbidnung notwendig.

Vor- und Nachteile einer Schnittentbindung

Vorteile

  • Durch die Epiduralanaästhesie verliert die Frau im Bauchbereich bis zu den Beinen an Sensibilität. Das bedeutet, dass die Entbindung schmerzfrei verläuft.
  • Das genaue Datum kann geplant werden.
  • Der chirurgische Eingriff dauert nicht länger als drei bis vier Stunden (inklusive Vorbereitungszeit und Erholungsphase). 

Nachteile

  • Eine Betäubung ist notwendig und wie bei jeder Operation besteht das Risiko für Organschäden und Infektionen.
  • Die Erholungszeit nach dem Eingriff dauert mindestens ein bis zwei Monate.
  • Die Mutter hat in den ersten Tagen Schwierigkeiten beim Aufstehen und Gehen. Sie benötigt Hilfe.
  • Die Nebenwirkungen der Betäubung können in den ersten Tagen nach der Schnittentbindung zu Übelkeit, Schwindel und Brechreiz führen.

Vor- und Nachteile einer natürlichen Geburt

Vorteile

  • Risiken wie beispielsweise übermäßiger Blutverlust, Nierenschäden und Infektionen sind bei einer natürlichen Geburt im Vergleich zum Kaiserschnitt geringer.
  • Der Blutdruck bleibt stabil.
  • Die Sauerstoffversorgung der Plazenta und des Kindes ist besser wie beim Kaiserschnitt.
  • Das Baby kommt wacher zur Welt, da der Geburtskanal seine Sinne stimuliert.
  • Der Organismus der Mutter setzt Oxytocin frei, was die Milchproduktion anregt und die Bindung zwischen Mutter und Baby begünstigt. 

Nachteile

  • Es besteht das Risiko für Harninkontinenz nach der Entbindung.
  • Die natürliche Geburt kann nicht geplant werden.
  • Der Geburtskanal wird mehr beansprucht, es kann zu Dammverletzungen oder späteren sexuellen Störungen kommen.
  • Es besteht die Möglichkeit, dass der Arzt sich für eine Episiotomie (Dammschnitt) entscheidet.

Die Wichtigkeit fachärztlicher Beratung

Mutter mit Kind

Vor eine Entscheidung fällt, ist auf jeden Fall die Beratung des behandelnden Arztes wichtig. Er kennt deine Krankengeschichte und verfolgt die Entwicklung deines Babys in der Gebärmutter. Er kann dich deshalb bestens beraten. Denn in manchen Fällen ist ein Kaiserschnitt notwendig, zum Beispiel wenn das Kind umgekehrt in der Gebärmutter liegt.

Bei Frauen im Alter von über 35 Jahren ist die Gefahr für Komplikationen bei der Geburt höher, deshalb wird häufig eine Schnittentbindung programmiert. So ist das Ärzteteam bereit, um mögliche Schwierigkeiten sofort zu behandeln.

Schlussfolgerung

Mütter, die sich für eine natürliche Geburt entscheiden, sind sich des ganzen Prozesses besser bewusst. Es handelt sich um eine einzigartige, komplette Erfahrung, um das geliebte Kind zur Welt zu bringen. Sie können das Neugeborene sofort nach der Geburt in die Arme nehmen.

Trotzdem gibt es auch verschiedenste Gründe, die für einen Kaiserschnitt sprechen. Alles hängt vom Einzelfall ab. Deshalb ist es wichtig, sich gut beraten zu lassen und die Entscheidung von der individuellen Situation abhängig zu machen. Du musst sie bewusst zusammen mit deinem Arzt treffen.

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