Hast du Probleme mit der Bindung zu deinem Neugeborenen?

Wenn du Probleme mit der Bindung zu deinem Neugeborenen hast, solltest du Folgendes wissen: Das ist häufiger der Fall, als du vermutlich annimmst. Diese Bindung muss erst aufgebaut werden, während ihr miteinander interagiert und euch gegenseitig kennenlernt. Lies weiter und erfahre mehr zu diesem Thema!
Hast du Probleme mit der Bindung zu deinem Neugeborenen?

Letzte Aktualisierung: 20. August 2021

Schwierigkeiten mit der Bindung zu deinem Neugeborenen sind normal und üblich. Daher solltest du dir nicht zu viele Sorgen machen, wenn es nicht sofort nach der Geburt passiert. Die starke Bindung, von der du gehört hast, braucht einige Zeit, um sich zu entwickeln.

Du siehst also, dass du dich nicht schuldig fühlen musst, besonders wenn du eine frischgebackene Mutter bist oder wenn die Bedingungen deiner Schwangerschaft nicht ideal waren. Wahrscheinlich warst du nach der Geburt müde. Das ist ein ähnliches Gefühl wie nach einem anstrengenden Training. Zusätzlich zu den hormonellen Veränderungen ist dein Körper durch die körperliche Anstrengung erschöpft und dein Geist befindet sich durch den Stress in einem ähnlichen Zustand.

Hinzu kommt die Ungewissheit, die mit der Geburt einhergeht und die Verwirrung über alles Neue, das die Mutterschaft mit sich bringt. Verzweifle also nicht und fühle dich nicht wie eine schlechte Mutter, wenn du einfach nicht den mütterlichen Instinkt verspürst, den du erwartet hast.

Habe Geduld mit dir und vertraue darauf, dass sich all dies entwickeln wird. Hier sind einige Tipps, wie du diese Bindung stärken kannst!

Erwartungshaltung vor der Geburt

Werdende Mütter haben bestimmte Erwartungen und Vorstellungen von der Geburt ihres Babys, wenn das letzte Trimester naht. Dein Geburtshelfer oder deine Hebamme wird die möglichen Szenarien mit dir besprochen haben und du weißt vielleicht schon, ob du vaginal gebären kannst oder einen Kaiserschnitt benötigst.

All diese sich abzeichnenden Vorstellungen wecken gewisse Erwartungen. Wahrscheinlich stellst du dir eine romantische Szene mit einer verliebten Mutter in der Hauptrolle vor. Dies ist in unserer Kultur durch die Medien weit verbreitet. Natürlich siehst du dich nicht als erschöpfte Mutter voller Fragen.

Wenn man diese Erwartungen zu den gut gemeinten Ratschlägen hinzufügt, die man oft – ob willkommen oder nicht – von Familie und Freunden erhält, ist man ziemlich überfordert. Vor allem, wenn du dir bewusst machst, dass nicht alle Kinder unter optimalen Bedingungen geboren werden. Es ist also durchaus verständlich, dass du dich fragst, warum du Schwierigkeiten hast, eine Bindung zu deinem Neugeborenen aufzubauen.

Die Mutter-Kind-Bindung

Manche sagen, sie beginnt, sobald du das neue Wesen in dir wahrnimmst. Trotzdem musst du wissen, dass du, wie in jeder menschlichen Beziehung, diese Bindung aufbauen kannst, wenn sie nicht auf natürliche Weise zustande kommt.

Kein Rezept oder Handbuch erklärt vollständig, wie man eine Mutter ist oder wie die Bindung zwischen dir und deinem Kind entsteht. Alles deutet darauf hin, dass es auf eine besondere Art und Weise und zu einer bestimmten Zeit passieren wird.

Tatsächlich beginnt sich diese Bindung bei einigen Müttern zu manifestieren, sobald sie merken, dass sie schwanger sind. Bei anderen erfolgt dies zum Zeitpunkt der Geburt. Wieder andere Mütter entwickeln diese Bindung nach den schwierigen und anstrengenden ersten Wochen. Aber es gibt auch zahlreiche junge Mütter, die all dies erst nach einer ganzen Weile aufbauen können. Wie und wann auch immer diese Bindung entsteht, es wird euch gut gehen und ihr werdet euch irgendwann aneinander gewöhnen.

Bindung zu deinem Neugeborenen - Mutter mit Kind im Park
Die Mutter-Kind-Bindung entsteht nicht immer auf die gleiche Weise. Das liegt daran, dass jede Person einzigartig ist und ihr eigenes Timing hat.

Tipps, um deine Gefühle für dein Baby zu verbessern, wenn du mit der Bindung zu ihm kämpfst

Wie wir oben schon gesagt haben, gibt es keine Anleitung, wie Mutter und Kind von dem Moment an, in dem sie in Kontakt kommen, eine Bindung aufbauen können. Es gibt jedoch einige hilfreiche Tipps, auf die du zurückgreifen kannst, während es auf natürliche Weise geschieht.

1. Körperlichen Kontakt suchen

Halte das Baby an deiner Brust, unter deiner Kleidung, wenn du den Haut-zu-Haut-Kontakt spüren möchtest. Manche bezeichnen dies als die Känguru-Methode.

Sie ist besonders hilfreich für Frühgeborene, weil sie so ihre Temperatur regulieren können. Das Baby so nah bei dir zu haben, seinen Atem und seinen Geruch zu spüren, sind angenehme Empfindungen, die die Bindung fördern.

2. Bindung zu deinem Neugeborenen aufbauen: Blicke deinem Baby in die Augen

Nutze die Zeit des Stillens, um in die Augen deines Babys zu schauen. Es mag sich anfangs nicht auf dich konzentrieren, aber du wirst es tun und du wirst anfangen, eure Ähnlichkeiten zu bemerken.

Dieser Augenkontakt rundet die Stillzeit ab und zeigt dem Kind, dass du da bist. Wenn du möchtest, kannst du deinem Baby auch ein bestimmtes Lied vorsingen, das es mit eurer gemeinsamen Zeit verbindet.

3. Zusammen schlafen

Wenn du dich beim Stillen hinlegst, entsteht eine Atmosphäre der Intimität, die es euch ermöglicht, eine Verbindung aufzubauen. Wenn es dich beruhigt, kannst du das Kind öfter bei dir schlafen lassen.

Streichle und massiere es liebevoll. Das fördert seine Entwicklung und stärkt eure Beziehung.

4. Ruhe ist gut, wenn du Probleme mit der Bindung zu deinem Neugeborenen hast

Die Geburt eines Babys bedeutet, dass es zunächst einmal Tag und Nacht vollkommen von dir abhängig ist. Du musst es betreuen und versorgen. Falls du all dies alleine bewältigen möchtest, wird du ziemlich schnell sehr erschöpft sein.

Wenn es möglich ist, solltest du das Angebot eines Familienmitglieds, dir zu helfen, nicht ablehnen. Wenn du dich ausruhst, wirst du besser gelaunt und in der Lage sein, wieder Zeit mit deinem Baby zu verbringen.

5. Bindung zu deinem Neugeborenen: Sprich mit anderen über deine Gefühle

Du kämpfst mit der Bindung zu deinem Neugeborenen und es stört dich und raubt dir den Schlaf. Vielleicht ist es eine gute Idee, mit jemandem darüber zu sprechen. Jemandem, dem du von deinen Empfindungen erzählen kannst, ohne dafür verurteilt oder bewertet zu werden.

Du wirst womöglich überrascht sein, wie das Gespräch mit einer anderen Mutter dazu führen kann, dass sie dir gesteht, das Gleiche durchgemacht zu haben. Das Wichtigste ist, dass du dir deine Gefühle von der Seele redest.

6. Finde dich selbst als Mutter

Du fragst dich vielleicht, warum du dich nicht an dein Baby gebunden fühlst, nachdem du es umarmt und mit nach Hause genommen hast, so wie es alle gesagt haben. Diese romantische Vorstellung von der perfekten, harmonischen Mutterschaft von dem Moment an, in dem ihr euch kennenlernt, ist eine bloße soziale Konstruktion. Das passiert nicht immer.

Fühlst du dich jetzt, wo du das weißt, immer noch nicht besser?

Du bist nicht die einzige Mutter, die diese Erfahrung gemacht hat. Mache dir also keine Vorwürfe und stelle dich darauf ein, Mutter zu werden und all die Unvollkommenheiten und Realitäten zu genießen, die die Gesellschaft gerne verschweigt. Die französische Philosophin Simone de Beauvoir sagte im Jahr 1949, dass “Mutterschaft natürlich ist, weil die patriarchalische Kultur sie naturalisiert hat.”

Bindung zu deinem Neugeborenen - Mutter mit Baby
Kulturbedingte Vorstellungen von Mutterschaft sollten nicht zu Stress führen. Sie sind soziale Konstrukte und treffen nicht auf jeden zu.

7. Gib dir Zeit, wenn du mit der Bindung zu deinem Neugeborenen kämpfst

Die Mutterschaft ist ein Zustand, den jede Frau auf ihre eigene Weise durchläuft. Achte auf deine eigene Reise und vergleiche dich nicht mit anderen. Warte lieber, wenn du noch nicht so weit bist.

Die Zeit wird kommen, in der du dich mit dir und deinem Baby wohlfühlst. Die Bindung muss nicht sofort zustande kommen und es macht dich nicht zu einer schlechten Mutter.

Genieße jeden Tag, sei selbstständig. Niemand außer euch beiden wird Teil dieser Reise sein. Lies dir die Literatur darüber durch, wie du eine Bindung zu deinem Neugeborenen aufbauen kannst, wenn du dir Sorgen machst und mehr darüber erfahren möchtest.

Wenn du Probleme mit der Bindung zu deinem Neugeborenen hast, kannst du auch mit deinem Arzt darüber sprechen

Die Wochen sind vergangen und trotz deiner besten Bemühungen, kämpfst du immer noch mit der Bindung zu deinem Kind. In diesem Fall könnte es an der Zeit sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, vor allem, wenn dieser emotionale Zustand für dich unangenehm ist und du dich unzulänglich fühlst.

Das kommt häufiger vor, als du vielleicht denkst. Viele Studien bringen dies mit Wochenbettdepressionen in Verbindung. Daher ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Probiere während dieser Phase eine Introspektionsübung aus, um herauszufinden, ob es einen Auslöser gab.

Abschließend möchten wir dich noch einmal beruhigen und ermutigen! Es ist nur eine Frage der Zeit und des Bewusstseins, dass du deine eigenen Erfahrungen machen wirst. Du wirst sehen, wie die starke Bindung, die du zu deinem Kind aufbaust, im Laufe der Jahre nur wachsen und stärker werden wird!

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