Blutsenkung: Wie wird die Erythrozytensedimentationsrate (ESR) bestimmt?

Die Blutsenkung ist ein Labortest, mit dem Fachärzte das Vorhandensein von entzündlichen und neoplastischen Erkrankungen feststellen können. In diesem Artikel erfährst du, wie der Test durchgeführt wird und wann Ärzte ihn anordnen.
Blutsenkung: Wie wird die Erythrozytensedimentationsrate (ESR) bestimmt?

Letzte Aktualisierung: 13. September 2021

Klinische Labortests sind in der medizinischen Praxis sehr wichtig. Manchmal sind sie die einzige Möglichkeit, um das Vorliegen einer Krankheit festzustellen. Einer der am häufigsten durchgeführten Tests ist die Bestimmung der Blutsenkung oder Erythrozytensenkungsrate (ESR).

Die Blutsenkung, unter anderem auch als Erythrozytensenkungsrate (ESR), Blutsenkungsreaktion (BSR), Blutkörperchensenkung (BKS) oder Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) bekannt, misst die Geschwindigkeit, mit der sich die roten Blutkörperchen am Boden eines Reagenzglases ablagern. Eine höhere oder niedrigere Geschwindigkeit als normal kann auf verschiedene medizinische Probleme hinweisen.

Unter normalen Bedingungen sind die Erythrozyten oder roten Blutkörperchen negativ geladen. Dadurch stoßen sie sich mit einer Sedimentationsrate von 10 Millimetern pro Stunde gegenseitig ab. Diese kann jedoch je nach Patient und dessen Lebensstil variieren.

Gründe für die Bestimmung der Blutsenkung oder ESR

Die Blutsenkungsgeschwindigkeit ist ein Test, mit dem der Facharzt feststellen kann, ob eine Erkrankung vorliegt. Daher kann die Blutsenkung in den folgenden Situationen sehr hilfreich sein:

  • Fieber mit unbekannter Ursache
  • Einige Arten von Arthritis
  • Symptome, die die Muskeln betreffen

Der Arzt sollte jedoch die Symptome des Patienten zusammen mit den Ergebnissen der Laboruntersuchung analysieren. So lässt sich eine bestimmte Diagnose stellen. Darüber hinaus können Spezialisten die ESR als wichtiges diagnostisches Kriterium für zwei Krankheiten nutzen: Polymyalgia rheumatica (PMR) und Arteriitis temporalis (Riesenzellarteriitis). Beide Krankheiten sind sehr selten und treten meist nur bei Patienten über 50 Jahren auf.

Polymyalgia rheumatica ist eine entzündliche Erkrankung, die die proximalen Muskeln in den Gliedmaßen und im Oberkörper betrifft, Schmerzen verursacht und die Bewegung einschränkt. Im Gegensatz dazu verursacht Arteriitis temporalis Kopfschmerzen, verminderte Sehfähigkeit, Fieber, Kieferversagen und Anämie.

Blutsenkung - Frau mit Rückenschmerzen
Die Blutsenkung oder ESR ist ein Test, den Ärzte anordnen können, wenn der Patient Muskel- oder Skelettschmerzen hat.

Wie sollte ich mich auf diese Untersuchung vorbereiten?

Die Blutsenkung ist ein ziemlich einfacher und schneller Test, der keine besondere Vorbereitung erfordert. Wenn bei dir lediglich die Erythrozytensedimentationsrate bestimmt wird, musst du vorab nicht fasten. Wenn aber gleichzeitig noch andere Analysen durchgeführt werden, solltest du die Anweisungen deines Arztes beachten.

Um den Test durchzuführen, wird dir zunächst mit einer Spritze venöses Blut aus dem Arm entnommen. Daher kannst du während und nach der Blutabnahme möglicherweise leichte Schmerzen verspüren, die manchmal den Rest des Tages anhalten können. Dennoch wird dich dies in der Regel nicht daran hindern, deine alltäglichen Aktivitäten fortzusetzen.

Die eigentliche Blutanalyse ist sehr einfach und erfolgt normalerweise anhand der Westergreen-Methode. Hierbei werden im Labor 1,6 ml Blut mit 0,4 ml Natriumcitratlösung in einem Reagenzglas vermengt. Infolgedessen sinken die zellulären Bestandteile des Blutes ab. Dies wird als Senkung bezeichnet und nach Ablauf einer Stunde abgelesen.

In einigen Fällen erfolgt nach einer weiteren Stunde eine erneute Messung. Die Blutsenkung wird in der Einheit mm/h (Millimeter pro Stunde) ausgewiesen.

Eine hohe Blutsenkung – was bedeutet das?

Wenn die Blutsenkungsgeschwindigkeit über den Normalwerten liegt, könnte dies auf das Vorhandensein von Krankheiten hinweisen, die mit Entzündungen und einigen Neoplasmen einhergehen. Einigen Studien zufolge steigt die Geschwindigkeit über einen Zeitraum von 24 Stunden an und kehrt in der Regel erst nach Abklingen der Erkrankung auf den Normalwert zurück.

Diese Krankheiten erhöhen die Konzentration verschiedener Proteine im Blutplasma. Jedes dieser Proteine, insbesondere Fibrinogen, beeinflusst die Oberflächenladung der roten Blutkörperchen, so dass diese mit höherer Geschwindigkeit absinken.

Allerdings können auch verschiedene Situationen, die den Fibrinogengehalt im Blut erhöhen, wie etwa eine Schwangerschaft, Diabetes oder Niereninsuffizienz im Endstadium, zu einer Erhöhung der Erythrozytensedimentationsrate führen. Als weitere Ursachen sind zu nennen:

  • Anämie
  • Makrozytose (wenn die roten Blutkörperchen größer als normal sind)
  • Akute Blutungen
  • Akuter Myokardinfarkt (Herzinfarkt)
  • Lymphome
  • Metastasierende Karzinome (Stadium vier oder fortgeschrittener Krebs)

Was bedeutet eine niedrige Erythrozytensedimentationsrate?

In den meisten Fällen ist eine niedrige Blutsenkung medizinisch nicht sehr relevant. Als Normalwert gilt bei unter 50-jährigen Patienten eine Blutsenkung bis 15 mm/h für Männer und bis 20 mm/h für Frauen. Für über 50-jährige Männer ist der Normalwert bis 20 mm/h für Männer und bis 30 mm/h für Frauen. In diesen Fällen besteht in der Regel kein Grund zur Besorgnis.

Wenn aber die Erythrozytensedimentationsrate sehr niedrig ist – zwischen 0 und 3 mm/h – wird dies mit verschiedenen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht. Unter diesen sind die folgenden hervorzuheben:

  •  Poliglobulie oder eine hohe Anzahl von roten Blutkörperchen
  •  Deformierungen der roten Blutkörperchen
  •  Syndrome der Hyperviskosität
  •  Tabakkonsum und Rauchen
  •  Herzinsuffizienz

Und als ob das noch nicht genug wäre, können auch Infektionskrankheiten wie zum Beispiel das Dengue-Fieber zu einer leichten Verlangsamung der Blutsenkungsgeschwindigkeit führen. Das zeigt eine Studie, in der die Blutsenkung (ESR) bei Patienten mit dieser Krankheit im Vergleich zu anderen mit akuten Fieberkrämpfen deutlich niedriger war.

Blutsenkung - Stechmücke auf der Haut
Obwohl selten, kann ein niedriger ESR-Wert die Folge von Dengue-Fieber sein, einer tropischen Infektionskrankheit, die von Mücken übertragen wird.

Blutsenkung: Ein einfacher und dennoch effektiver Test

Wie du siehst, ist die Bestimmung der Blutsenkung kein komplexer Test. Trotzdem ist er sehr nützlich bei der Suche nach Krankheiten, die mit Entzündungen einhergehen. Die ESR kann dem Arzt als Orientierungshilfe dienen und ihm helfen, eine genaue Diagnose zu stellen.

Normalerweise musst du vor dem Test keine besonderen Vorbereitungen treffen. Außerdem kannst du nach der Blutentnahme wieder ungehindert deinen täglichen Aktivitäten nachgehen!

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