Alles Wissenswerte über Leukozyten

Leukozyten sind die wichtigsten Abwehrzellen im menschlichen Körper. Ihre Konzentration im Blut ist ein Indikator für den Zustand des Immunsystems.
Alles Wissenswerte über Leukozyten

Letzte Aktualisierung: 04. August 2022

Das Immunsystem ist ein komplexes Netzwerk aus Zellen und Chemikalien, das den menschlichen Körper vor Keimen und Fremdkörpern schützt. Leukozyten sind die am häufigsten vorkommenden Immunzellen im Körper. Willst du mehr über ihre Merkmale und Funktionen wissen und welche Werte normal sind? In diesem Artikel erfährst du alles darüber!

Leukozyten, auch weiße Blutkörperchen genannt, sind eine Gruppe von Blutzellen, die laut verschiedener Studien aktiv an der angeborenen und adaptiven Immunantwort jedes Menschen beteiligt sind. Sie sind dafür verantwortlich, Infektionen und schädliche Substanzen zu bekämpfen und abnorme Zellen zu eliminieren.

Die Menge der weißen Blutkörperchen im Blut wird durch ein komplettes Blutbild oder die Hämatologie bestimmt. Der Anteil der Leukozyten kann als Reaktion auf eine Vielzahl von Krankheiten ansteigen oder abfallen. Daher ist die Bestimmung ihrer Werte für die Diagnose und frühzeitige Behandlung vieler Erkrankungen unerlässlich.

Die Merkmale und Funktionen der Leukozyten

Leukozyten - Nahaufnahme
Leukozyten machen etwa 1 % des Blutes von Erwachsenen aus.

Weiße Blutkörperchen werden im Knochenmark aus hämatopoetischen Stammzellen gebildet. Leukozyten sind im Blut, in den Lymphgefäßen und in allen Geweben des menschlichen Körpers zu finden. Außerdem machen sie bis zu 1 % des Blutvolumens eines Erwachsenen aus.

Die so genannte “weiße Reihe” kann sich frei im Körper bewegen und hat im Gegensatz zu den Erythrozyten keine Pigmente. Einige der Funktionen der Leukozyten sind die folgenden:

  • Sie erkennen und unterscheiden schädliche Verbindungen.
  • Des Weiteren bekämpfen sie bakterielle, virale, parasitäre und Pilzinfektionen.
  • Leukozyten vermitteln Entzündungsreaktionen.
  • Darüber hinaus regulieren sie allergische Reaktionen.
  • Und sie eliminieren abnorme Zellen, wie z. B. Krebszellen.

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Arten von Leukozyten

Im menschlichen Körper gibt es verschiedene Arten von Leukozyten. Sie lassen sich nach der Form ihrer Zellkerne und dem Vorhandensein oder Fehlen von Granula in ihrem Zytoplasma klassifizieren. Die Art der Leukozyten bestimmt ihre spezifischen Funktionen innerhalb des Immunsystems.

Leukozyten mit Granula und mehreren Kernen werden als Granulozyten bezeichnet. Zu ihnen gehören Neutrophile, Eosinophile und Basophile. Leukozyten ohne Granula und mit nur einem Kern werden Agranulozyten genannt und umfassen Lymphozyten und Monozyten.

  • Neutrophile machen 50 bis 70 % aller Leukozyten aus und bilden die erste Verteidigungslinie gegen Bakterien und Pilze, wie Studien zeigen.
  • Eosinophile sind aktiv an der Bekämpfung von Parasiteninfektionen und allergischen Reaktionen beteiligt. Sie machen 2 bis 3 % der weißen Blutkörperchen aus.
  • Basophile setzen Histamin und andere Stoffe frei, die die Entzündungsreaktion regulieren. Mit einem Anteil von 0,4 bis 1 % an den weißen Blutkörperchen sind sie die am seltensten vorkommenden Leukozyten.
  • Monozyten wandern im Blut zu allen Geweben und differenzieren sich zu Makrophagen. Sie haben eine sehr kurze Lebensdauer und machen 5 bis 6 % der Leukozyten aus.
  • Lymphozyten: Diese weißen Blutkörperchen sind im Blut und in den lymphatischen Organen verbreitet. Sie machen etwa 30 % der weißen Blutkörperchen aus und sind dafür zuständig, schädliche Erreger zu erkennen, Antikörper freizusetzen und geschädigte Zellen zu zerstören.

Wie werden die Leukozyten im Blut gemessen?

Die Bestimmung der Leukozyten im Blut wird als “Leukozytenzählung” bezeichnet. Mit diesem Verfahren lässt sich die Anzahl der Leukozyten aus einer venösen Blutprobe ermitteln. Außerdem ist dieser Test Teil des Blutbildes, einer der häufigsten Routine-Blutuntersuchungen.

Auch die Konzentrationen von Neutrophilen, Eosinophilen, Basophilen, Monozyten und Lymphozyten werden durch diesen Test erhoben. Diese Ergebnisse sind nützlich, um den Zustand des Immunsystems zu beurteilen und zugrundeliegende Krankheiten wie bakterielle und virale Infektionen zu erkennen.

Normalwerte

Die Anzahl der weißen Blutkörperchen kann je nach Alter, Gesundheitszustand der Person und der Standardisierung der einzelnen Labore variieren. Studien besagen, dass die normale Anzahl der weißen Blutkörperchen bei Erwachsenen zwischen 4.500 und 11.000 weißen Blutkörperchen pro Kubikmillimeter Blut (mm³) liegt. Im Kindesalter kann man folgende Normalbereiche für Leukozyten finden:

  • Neugeborene: 10.000 – 30.000 weiße Blutkörperchen pro mm³
  • Unter 1 Jahr: 6.000 – 18.000 weiße Blutkörperchen pro mm³
  • Von 2 bis 5 Jahren: 6.000 – 15.000 weiße Blutkörperchen pro mm³
  • Von 6 bis 12 Jahren: 5.000 – 13.000 weiße Blutkörperchen pro mm³

Hohe Leukozyten-Werte

Leukozyten - Frau fasst sich an den Kopf
Ein Anstieg der Leukozyten im Blut kann auf eine zugrundeliegende Krankheit hinweisen.

Ein Anstieg der Leukozyten im Blut über 11.000 weiße Blutkörperchen pro mm³ wird Leukozytose genannt. Dieser Zustand geht oft mit einer Erhöhung der Neutrophilen oder Lymphozyten einher, die als Neutrophilie bzw. Lymphozytose bezeichnet wird.

Leukozytose ist ein Anzeichen für eine zugrundeliegende Krankheit und äußert sich oft durch Symptome wie Fieber, Schwellungen, Kurzatmigkeit, Appetitlosigkeit, Schwindel und Schüttelfrost. Zu den häufigsten Ursachen für eine erhöhte Anzahl an weißen Blutkörperchen gehören die folgenden:

  • Bakterielle Infektionen, wie Lungenentzündung und Meningitis
  • Entzündliche Prozesse wie Appendizitis, Cholezystitis und Divertikulitis
  • Tiefe und großflächige Verbrennungen
  • Schwere Blutungen
  • Traumatisierungen
  • Stress
  • Krebs, wie z. B. Leukämie
  • Entzündliche Darmerkrankungen (CED)
  • Schwere Parasitose
  • Allergische Krisen
  • Medikamente, wie Kortison, Adrenalin und Heparin

Niedrige Leukozyten-Werte

Die Spanische Gesellschaft für Innere Medizin (SEMI) definiert Leukopenie als einen Rückgang der Leukozyten unter 4.000 weiße Blutkörperchen pro mm³. Menschen mit einer niedrigen Anzahl weißer Blutkörperchen können unter starker Müdigkeit, häufigen Infektionen, Kopfschmerzen und Bauchkrämpfen leiden. Zu den häufigsten Ursachen gehören die folgenden:

  • Autoimmunkrankheiten, wie Lupus
  • Knochenmarkveränderungen aufgrund von Tumoren oder Vergiftungen
  • Wirkung von Chemo- und Strahlentherapie
  • Einnahme von Antibiotika, Antikonvulsiva und Kortikosteroiden
  • Leber- oder Nierenkrankheiten

Was du für normale Werte der weißen Blutkörperchen tun kannst

Wenn die zugrunde liegende Ursache behoben ist, normalisieren sich die Leukozyten-Werte in den meisten Fällen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass du die Anweisungen deines Arztes/deiner Ärztin genau befolgst. Wenn du die Anzahl der weißen Blutkörperchen erhöhen möchtest, kannst du verschiedene Lebensmittel in deine Ernährung aufnehmen. Hierbei handelt es sich um folgende:

  • Schwarzer Tee
  • Joghurt
  • Pilze, rote Paprika und Spinat
  • Austern und Schalentiere
  • Rotes Fleisch und Leber
  • Mandeln, Erdnüsse und Sonnenblumenkerne

Die wichtigsten Immunzellen im menschlichen Körper

Wie du siehst, sind die Leukozyten die wichtigste Abwehrkraft des menschlichen Körpers gegen eindringende Keime und Fremdstoffe. In den meisten Fällen sind Veränderungen der Leukozyten-Werte ein klares Zeichen dafür, dass etwas mit dem Körper nicht stimmt. Aus diesem Grund ist es ratsam, den Zustand deines Immunsystems jährlich bei deinem Arzt oder deiner Ärztin überprüfen zu lassen.

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