Wissenswertes über Meckel-Divertikel

8 Oktober, 2019
Nur bei etwa 2 % der Personen, die an Meckel-Divertikel leiden, kommt es zu Komplikationen. Die meisten Betroffenen verspüren jedoch das ganze Leben lang keine Symptome. In unserem heutigen Artikel erfährst du mehr zu diesem Thema. 

Das Meckel-Divertikel ist eine angeborene, sackförmige Ausstülpung am Dünndarm. Es handelt sich um eine embryologische Fehlentwicklung, die zwischen der fünften und siebten Schwangerschaftswoche entsteht.

Die Inzidenz liegt zwischen 0,3 und 3 %. Im Durchschnitt tritt das Meckel-Divertikel bei etwa 2 % der Bevölkerung auf, doch nur 5 bis 7 % der Betroffenen leiden an Symptomen. In den meisten Fällen verläuft diese Störung asymptomatisch und bleibt deshalb oft unentdeckt.

Diese Störung wurde zum ersten Mal 1809 von dem deutschen Anatom Johann Friedrich Meckel beschrieben. Sie tritt bei Frauen und Männern gleichermaßen auf, doch bei Männern sind Komplikationen drei- bis viermal häufiger. Bei Kindern kommt die Diagnose eines Divertikels häufiger als bei Erwachsenen vor.

Was ist ein Meckel-Divertikel?

Was ist ein Meckel-Divertikel?

Es handelt sich um eine kleine Ausstülpung im Dünndarm, die bei manchen Menschen vorhanden ist. Während der embryonalen Entwicklung wird der sogenannte Dottergang (Ductus omphaloentericus) angelegt, um eine Verbindung zwischen Mitteldarm und Dottersack herzustellen. Normalerweise bildet sich dieser wieder zurück. Wenn dies jedoch nicht der Fall ist, bleibt das Divertikel als Überbleibsel zurück.

Bei einem kleinen Anteil der Bevölkerung bleibt also ein Rest des Dotterganges zurück und es entsteht ein Divertikel. In manchen Fällen hat dieser auch eine Verbindung zum Nabel.

Nur in seltenen Fällen ist auch eine Nabelschnur-Fistel oder eine Vitellin-Zyste vorhanden. Die Nabelschnur-Fistel ist eine direkte Verbingung zwischen Darm und Nabel, durch die es zur Ausscheidung von Stuhl durch den Bauchnabel kommt. Die Vitellin-Zyste, auch als omphalomesenterische Gangzyste bezeichnet, ist eine embryonale Malformation direkt unter dem Bauchnabel.

Meckel-Divertikel: die wichtigsten Eigenschaften

Meckel-Divertikel: die wichtigsten Eigenschaften

Das Meckel-Divertikel setzt sich aus denselben drei Schichten wie der Dünndarm zusammen: Mukosa (Schleimhaut), Submukosa und Muskularis (quergestreifte Muskeln). Es handelt sich deshalb um ein echtes Divertikel, denn die falschen haben nur zwei Schichten.

Die Aussackung geht aus der vom Mesenterium abgewanderten Darmwand hervor und ist in der Regel zwischen fünf und zehn Zentimeter lang. Der Durchmesser kann bis zu zwei Zentimeter erreichen. Normalerweise wird das Divertikel über eine persistierende Vitellin-Arterie oder die obere Mesenterium-Arterie durchblutet.

Häufig sind eine ektopische Magenschleimhaut, oder Schleimhaut aus Kolon, Pankreas, Zwölffingerdarm, hepatobilitäres Gewebe und Brunner-Drüsen vorhanden. Gewöhnlich befindet sich an der Spitze endometriales Gewebe.

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Meckel-Divertikel: Symptome

Das Meckel-Divertikel äußert sich durch klinische Komplikationen, die gewöhnlich in den ersten Lebensjahren auftreten. In 60 % der Fälle kommt es zu Beschwerden, bevor das Kind 10 Jahre alt ist. Bei Personen, die keine Symptome aufweisen, ist das Risiko für Komplikationen um 4 bis 6 % erhöht.

Die häufigste Komplikation ist eine Blutung. Meist steht diese im Zusammenhang mit einem Magengeschwür. Dazu kommt es sehr oft im Alter von zwei Jahren. Blut im Stuhl macht darauf aufmerksam, wobei keine Schmerzen vorhanden sind. Andere Komplikationen können häufige Bauchschmerzen sein.

Ungefähr 20 % der Patienten entwickeln eine Divertikulitis, die klinisch nicht von einer Apendicitis zu unterscheiden ist. Bei 40 % kommt es dadurch zu einem Darmverschluss. Außerdem entwickeln 0,5 bis 3,2 % der Patienten Tumore, doch die meisten davon sind gutartig.

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Weitere interessante Daten

Das Meckel-Divertikel ist schwierig zu diagnostizieren, da die auftretenden Symptome sehr ähnlich wie bei vielen anderen Krankheiten sind. Deshalb müssen verschiedene Untersuchungen, wie eine Kolonoskopie, ein Scan mit Technetium oder eine Kapsel-Endoskopie, vorgenommen werden.

Sollte eine Blutung oder Darmverstopfung vorliegen, kann ein chirurgischer Eingriff zur Entfernung des Divertikels notwendig sein. Mit einer Operation kann dieser zusammen mit den umgebenden Darmteilen entfernt werden. Dies kann mit einer konventionellen Operation oder mit einer Laparoskopie erfolgen.

Die Operation zur Entfernung des Meckel-Divertikels ist sehr sicher und führt nur selten zu Komplikationen. In den meisten Fällen erholen sich die Patienten danach komplett und haben keine weiteren Probleme mehr. 

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