Die Gefahr einer postoperativen Blutung

21 September, 2019
Eine chirurgische Intervention erhöht das Risiko für eine venöse oder arterielle Thromboembolie. Außerdem ist bekannt, dass die zeitweise Unterbrechung der antithrombozytären Behandlung eine größere Gefahr für eine Thrombose oder eine Embolie darstellt. 

Das Problem einer postoperativen Blutung kann das Resultat einer Verletzung oder eines Traums sein. Es könnte allerdings auch ein Problem mit der Blutgerinnung oder den Blutgefäßen vorhanden sein. Die unterschiedlichen Blutgefäße transportieren Sauerstoff und Nährstoffe zu den Körperzellen. Doch wenn die Blutgefäße beschädigt sind, kann in der Folge innerhalb oder außerhalb dieser Gefäße eine Blutung erfolgen.

Als Hämostase bezeichnet man die Unterbrechung der Blutung in den geschädigten Gefäßen (Blutstillung). Folgende Faktoren sind für die Gerinnung des Blutes notwendig:

  • Thrombozyten (Blutplättchen): Es handelt sich um sehr kleine Zellen, die im Knochenmark erzeugt werden. Die normale Anzahl von Blutplättchen im Blut beträgt zwischen 150.000 und 400.000.
  • Blutgerinnungsfaktoren: Diese Faktoren befinden sich im Blut und werden vorwiegend in der Leber erzeugt.

Eine chirurgische Intervention erhöht das Risiko für venöse oder arterielle Thromboembolie. Außerdem ist bekannt, dass die zeitweise Unterbrechung der antithrombozytären Behandlung eine größere Gefahr für eine Thrombose oder eine Embolie darstellt.

Die Gefahr einer präoperativen Blutung durch orale Blutverdünnungsmittel ist sehr gering. Doch während und nach der Operation ist das Risiko hoch, was allerdings auch von der Art des operativen Eingriffs abhängt. 

Risikofaktoren die zu einer postoperativen Blutung führen können

Risikofaktoren die zu einer postoperativen Blutung führen können

Die Bewertung des Risikos bei einem chirurgischen Eingriff ist bei Patienten, die mit Blutverdünnern therapiert werden, sehr wichtig. Aus diesem Grund hängt das Verfahren bezüglich der antithrombozytären Behandlung von der individuellen Situation des Patienten ab. 

Es muss sowohl die Gefahr einer Thrombose, als auch einer Hämorrhagie (Blutung) bewertet werden, die bei der Operation besteht. Bei der Bewertung des Thromboserisikos muss der Zustand nach der Absetzung des Blutverdünnungsmittels oder Aggregationshemmers berücksichtigt werden.

Je nach Lage entscheidet sich der Arzt für die Fortsetzung oder Unterbrechung der Therapie mit Blutverdünnungsmitteln. Das Medikament kann auch durch Heparin ersetzt und später mit oralen Blutverdünnungsmitteln fortgesetzt werden. Dies hängt mit der postoperativen Unbeweglichkeit, aber auch mit der protothrombotischen Wirkung der Operation selbst zusammen.

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Gefahr einer postoperativen Blutung

Von einer größeren postoperativen Blutung oder einer Nachblutung spricht man, wenn die Blutung nach der Operation das Maß eines normalen Hämatoms überschreitet und eine Bluttransfusion von zwei oder mehr Einheiten oder ein weiterer Eingriff notwendig ist. Auch bei einer Blutung in der Schädelhöhle, im intrathorakalen Raum oder in der Bauchhöhle spricht man von einer postoperativen Hämorrhagie.

Bei Komplikationen durch Nachblutungen hängt die weitere Vorgehensweise vom Ausmaß und von der Lokalisierung ab. Auch das Niveau der Antikoagulation spielt dabei eine wichtige Rolle. Größere Blutungen bedeuten eine Lebensgefahr und können tödlich verlaufen. 

Von der Wahrscheinlichkeit einer Blutung hängt es auch ab, ob die antithrombozytäre postoperative Behandlung wieder aufgenommen wird. Denn bei einem hohen Risiko für eine Blutung wird der Beginn der Antikoagulation verzögert. Wenn die Antikoagulation länger als ein Tag unterbrochen wird, muss die Möglichkeit der Gabe von Heparin betrachtet werden.

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Wiederaufnahme der Therapie mit Blutverdünnungsmitteln nach der Operation

Wiederaufnahme der Therapie mit Blutverdünnungsmitteln nach der Operation 

Die Behandlung mit Blutverdünnungsmitteln wird normalerweise erst 2 bis 3 Tage nach dem chirurgischen Eingriff wieder aufgenommen. Diese Entscheidung wird jedoch immer von dem behandelnden Arzt getroffen.

Anfangs beginnt man mit niedrigen Dosen, die auch zur Prophylaxe verwendet werden. Die Verabreichung therapeutischer Dosen erfolgt 48 bis 72 Stunden nach der Chirurgie, darf jedoch nicht nach kontinuierlichen postoperativen Blutungen eingesetzt werden. 

Bei den meisten Patienten, die mit Warfarin oder Acenocumarol therapiert werden, kann die medikamentöse Behandlung in der Nacht nach dem chirurgischen Eingriff wieder aufgenommen werden. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn keine Komplikationen durch Blutungen vorhanden sind.

Der therapeutische Effekt beginnt jedoch erst 4 bis 5 Tage nach Einnahmebeginn der blutverdünnenden Medikamente. Eines der wichtigsten Ziele dabei ist, den antithrombozytären Normalzustand des Patienten schnellstmöglich wieder herzustellen. Dabei müssen die korrekte postoperative Hämostase sowie das Risiko für eine Blutung im Zusammenhang mit der Operation berücksichtigt werden.

Im Allgemeinen werden die meisten postoperativen Blutungen in einem Zeitraum von 24 Stunden nach dem chirurgischen Eingriff kontrolliert. In manchen Fällen kann es jedoch zu Komplikationen kommen. Dann wird die Behandlung mit Blutverdünnern erst eingeleitet, wenn die Hämostase wieder normal erfolgt.

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