Wie wirken sich Verhütungsmittel auf die Haut aus?

Verhütungsmittel können positive und negative Auswirkungen auf die Haut haben. Inzwischen ist der Einsatz bei Hautkrankheiten wie beispielsweise Akne hinreichend erforscht.
Wie wirken sich Verhütungsmittel auf die Haut aus?

Letzte Aktualisierung: 15 Februar, 2021

Verhütungsmittel können, abgesehen davon, dass sie Schwangerschaften verhindern, als durchaus nützlichen Nebeneffekt eine positive Wirkung auf die Haut haben. Sie haben sich beim Einsatz in der Behandlung von Hautproblemen wie Akne, hormonell bedingtem Haarausfall und Hirsutismus als wirksam erwiesen.

Unterschiedliche Verhütungsmittel zeigen dabei ähnliche Eigenschaften auf die obersten Hautschichten, sowohl auf positive als auch auf negative Art und Weise. In diesem Artikel bringen wir etwas Licht in diese Thematik, weisen gleichzeitig aber darauf hin, dass im Zweifelsfall immer ein Spezialist zurate gezogen werden sollte.

Wie können sich Verhütungsmittel auf die Haut auswirken?

Entsprechend einer von der Australian family physician durchgeführten Studie können sich hormonelle Verhütungsmittel auf dreierlei Weise auf die Haut auswirken:

  • In den Eierstöcken und der Nebenniere werden weniger Androgene produziert.
  • Die Menge an im Körper zirkulierendem Testosteron wird reduziert, vor allem das bioverfügbare (freie)  Testosteron, was bestimmte Auswirkungen hat.
  • Das Gesamtvorkommen an Östrogenen im Organismus verringert sich, was sich in den Talgdrüsen niederschlägt und Einfluss auf die Talgbildung hat.

Es kann aber auch zu negativen Auswirkungen auf die Haut kommen. So sind Hautflecken eine der unerwünschten Nebenreaktionen, vor allem wenn die Haut der Sonne ausgesetzt ist, ohne dabei durch entsprechende Sonnencremes vor den ultravioletten Strahlen geschützt zu sein.

Entsprechend sind Verhütungsmittel oftmals für Pigmentflecken verantwortlich oder verschlimmern sie, sodass auf Stirn, Wangen und über der Oberlippe unregelmäßige braune Flecken entstehen. Pigmentflecken werden häufig auch mit der Schwangerschaft in Verbindung gebracht; hier sind ebenfalls Hormone die Ursache.

Verhütungsmittel gegen Akne?
 Akne ist eine Hautkrankheit, bei der sich der hormonelle Effekt von Verhütungsmitteln als hilfreich erweisen kann.

Arten von Verhütungsmitteln und ihre Wirkung auf die Haut

Nicht jede Frau hat den gleichen Körper und den gleichen Hormonspiegel, somit sind die möglichen Nebenwirkungen von Verhütungsmitteln schwer vorauszusagen. Einige kommen jedoch so oft vor, dass sie schon als häufige Nebenwirkungen bezeichnet werden.

Orale Verhütungsmittel

Der Hauptgrund, warum in der Pubertät oft Akne auftritt, ist die verstärkte Bildung von männlichen Sexualhormonen bei Heranwachsenden. Das gilt nicht nur für Jungen, sondern auch für Mädchen.

Entzündliche und nicht-entzündliche Formen von Akne können bei Frauen durch Einnehmen der Pille gelindert werden. Die darin enthaltenen weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron wirken abschwächend  auf die Androgene.

Bei den meisten Antibabypillen konnte jedoch keine spezielle Wirkung in der Aknebehandlung nachgewiesen werden. So ist auch zu berücksichtigen, dass es andere Behandlungsmethoden gibt, die keine Hormone enthalten, wodurch die Nebenwirkungen geringer ausfallen.

Hormonspritze (auch Dreimonatsspritze)

Eine Verhütungsspritze hat eine Wirkdauer von bis zu 90 Tagen. Sie wird in den Deltamuskel (in der Oberarmregion) oder im Gesäß gesetzt.

Diese Art Verhütungsmittel, die gespritzt wird, gilt unter den reversiblen Methoden als sehr sicher und wirksam, in Form von kombinierten Hormonen genauso wie bei reinen Gestagen-Präparaten. Hormonspritzen gewinnen zunehmend an Anhängern aufgrund der einfachen Anwendung und dem Vorteil, dass man sich nicht täglich an die Einnahme erinnern muss, wie das bei der Pille ein Problem sein kann.

Die Hormonspritzen bewirken eine Verbesserung des Aknebildes der Haut, die auf die Reduzierung der Aktivität der Talgdrüsen zurückzuführen ist. Der zugrundeliegende Mechanismus ist der gleiche wie bei der Pille.

Spirale

Die Kupferspirale gehört zu den Verhütungsmitteln, die, wie auch Kondome, natürliche Empfängniskontrolle, chirurgische Eingriffe oder Enthaltung, keine Hormone enthalten. Entsprechend wirken sie sich auch nicht auf die Haut aus.

Die Hormonspirale hingegen setzt eine gewisse Menge an Gestagen direkt im Uterus frei, welches von dort aus in den Organismus gelangt. Deshalb kann auch sie sich auf die Talgdrüsenaktivität auswirken.

Hormonimplantat

Die unter die Haut implantierten Hormonstäbchen geben kontinuierlich das Hormon Gestagen ab. Die Stäbchen werden normalerweise in der Oberarmregion unter die Haut gesetzt.

Die Wirkung des Gestagens auf die Haut ist nicht so klar erwiesen wie im Fall des Östrogens. Man kann jedoch sagen, dass die Gestagen ausschüttenden Stäbchen eine Gefäßerweiterung bewirken und somit die Talgproduktion erhöht wird.

Verhütungsring

Bei dieser Verhütungsmethode wird ein Ring aus flexiblem, durchsichtigem Polyethylen oder Vinylacetat, der eine gewisse Menge Östrogen und Gestagen freisetzt, in die Vagina eingeführt. Dadurch wird der Menstruationszyklus dahingehend beeinflusst, dass der Eisprung verhindert wird.

Bei länger andauernder Nutzung dieses Verhütungsmittels konnte eine spürbare Verbesserung von Hautakne festgestellt werden. Auch hier sind es die Hormone, die den Verbesserungseffekt bewirken.

Die Pille danach

Hier handelt es sich um ein Notfallmittel, welches zum Ziel hat, eine Schwangerschaft zu verhindern, nachdem eine Frau ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte oder das benutzte Verhütungsmittel versagt hat. Im Gegensatz zu allen anderen Verhütungsmitteln kommt es nicht vor, sondern erst nach dem Sexualakt zum Einsatz.

Da diese Pille einen hohen Gestagengehalt hat, unterscheiden sich die Auswirkungen. Beim Abbau im Körper können Androgene freigesetzt werden, was zu Akneschüben und vermehrter Talgbildung führen kann.

Spirale Verhütungsmittel

Nur die Hormonspirale kann sich auf das Hautbild auswirken, nicht die traditionelle Kupferspirale.

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Verhütungsmittel einnehmen, damit sich die Haut verbessert?

Laut einer Studie des Journal of the American Academy of Dermatology sind orale Verhütungsmittel in ihrer Langzeitwirkung hinsichtlich Aknebildung vergleichbar mit Antibiotika. Während bei Letzteren nach 3 Monaten ein Effekt eintritt, wird im Fall von hormonellen Verhütungsmitteln nach 6 Monaten das durch Akne geschädigte Hautbild verbessert. Dies zeugt vom großen Potential und dem möglichen Anwendungsbereich in der Dermatologie.

So können Verhütungsmittel die bessere Alternative zur langfristigen spezifischen Behandlung von Hautakne bei Frauen darstellen. Im Rahmen der Einnahme zur Empfängnisverhütung kann man so diesen Nebeneffekt nutzen.

Wenn du denkst, dass das für dich nicht das geeignete Mittel ist, sprich mit deinem Dermatologen darüber. Dort können die Ausprägung und die möglichen Risiken der Akne in deinem Fall abgewogen werden, um so die richtige Entscheidung zu treffen.

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