Wie man Kindern Ängste nehmen kann

31 März, 2020
Ist dein Kind schlecht gelaunt und wütend? Leidet es häufig unter Kopf- oder Bauchschmerzen? Hierbei könnte es sich um Angstsymptome handeln. Erfahre hier mehr darüber.

Angst ist eine normale menschliche Reaktion angesichts einer empfundenen Gefahr oder Bedrohung. Bei übertriebenen Angstreaktionen  sprechen wir von Angststörungen. Wie können wir nun also Kinder dabei unterstützen, ihre Ängste in den Griff zu bekommen?

Wir wollen hierbei untersuchen, was genau kindliche Angst meint, welches die Symptome sind und welches die besten Ratschläge, wenn es darum geht, den Kindern zu helfen, ihre Ängste zu überwinden, damit diese nicht in eine psychische Störung münden.

Was genau sind Ängste?

Unsicherheit Einnässen Kinder

Furcht ist eine natürliche menschliche Reaktion auf Dinge, die Angst machen.

Angst ist ein Grundgefühl, das jeder von uns schon einmal erlebt hat. Erinnerst du dich, wie du dich gefühlt hast, als deine Abschlussprüfung an der Uni anstand? Oder als du das Vorstellungsgespräch hattest bei dem Job, den du so unbedingt wolltest? Du weißt also, was Angst bedeutet, oder?

Kinder beginnen sich mit ca. zwei oder drei Jahren zum ersten Mal zu fürchten, was dazu führen kann, dass sie Ängste entwickeln: „Wohnt ein Monster unter meinem Bett?“, „Was, wenn meine Eltern sterben?“ und: „Wenn ein Einbrecher kommt?“

Selbst so einfache Dinge wie Fahrradfahren können Ängste erzeugen; schließlich könnte man hinfallen und das macht Angst. Problematisch wird es allerdings erst, wenn dieses Gefühl überhand nimmt und so unverhältnismäßig ist, dass es zu einer Angststörung wird.

Ängste beim Kind

hochsensibles Kind

Ängste machen sich bei deinem Kind sowohl körperlich als auch seelisch bemerkbar.

Wenn Kinder ihre Ängste auf sehr intensive Weise erleben und nicht selbst in den Griff bekommen, können diese zwangsweise zu unfreiwilligen Weggefährten werden. Lasst uns hier einen Blick auf mögliche Angstsymptome bei Kindern werfen:

  1. Häufige Kopf- oder Bauchschmerzen ohne medizinische Indikation
  2. Muskelverspannungen, Zittrigkeit und Schweißausbrüche
  3. Schlafprobleme:  Hierbei kann es sich sowohl um Einschlafschwierigkeiten (Schlaflosigkeit) oder um Probleme, die Nacht durchzuschlafen, handeln.
  4. Durch häufiges Weinen zu Tage tretende Überempfindlichkeit und offensichtliche Ängste
  5. Scheinbar unbegründete Wut oder Verstimmung
  6. Schlechte Laune
  7. Sehr ausgeprägte Angst, Fehler zu machen
  8. Panikattacken
  9. Phobien und übertriebene Ängste: Das Kind hat große Angst vor einem bestimmten Tier oder einem Naturereignis wie zum Beispiel einem Hurrikan.
  10. Die Befürchtung, nicht geliebt zu werden
  11. Häufige Unruhe und Nervosität
  12. Das Kind möchte nicht zur Schule gehen und auch nicht dort essen, geschweige denn die Schultoilette benutzen.
  13. Das Kind braucht ständige Bestätigung durch seine Eltern.
  14. Es fragt fortwährend: „Was passiert, wenn…?“
  15. Das Kind hat das Gefühl, etwas nicht zu können, obwohl es das überhaupt noch nicht versucht hat.

Wie man sieht, können sich die Symptome mit anderen Pathologien, wie zum Beispiel dem Schulabsentismus, überlagern. Wenn du denkst, dass dein Kind unter chronischen Ängsten leidet, zögere nicht, den Arzt zu konsultieren. Dieser wird den Zustand des Kindes am besten einschätzen und die entsprechende Diagnose stellen können.

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Ursachen für Ängste

Angstzustände liegen dann vor, wenn alltägliche Angstreaktionen zu einer Angststörung werden, was sich unter anderem durch folgende Anzeichen bemerkbar macht:

  • Phobien: das Kind empfindet eine unbeschreiblich große und als irrational einzuordnende Angst vor bestimmten Dingen, Tieren oder Situationen, wie zum Beispiel Insekten oder Arztbesuchen.
  • Trennungs- bzw. Verlustängste: Das Kind hat große Angst davor, sich von seinen Eltern zu trennen.
  • Soziale Angststörung: Das Kind wird panisch, wenn es unter viele Leute gehen muss, wie zum Beispiel in die Schule oder zum Einkaufszentrum.
  • Panikstörung: Das Kind hat Schweißausbrüche und es leidet unter Schwindel, Zittern, Atemnot und Herzrasen angesichts einer Situation, die Panik in ihm auslöst.
  • Allgemeine Ängste: Die Sorgen des Kindes betreffen sein gesamtes Umfeld.

Wie man Ängsten bei Kindern vorbeugen kann

1. Hilf deinem Kind, der Angst ins Gesicht zu sehen

Mädchen ohne Ängste

Man darf der Angst nicht aus dem Weg gehen, sondern muss lernen, damit umzugehen.

Spontan reagieren sicher viele Eltern in der Art und Weise, dass sie versuchen, Situationen und Aktivitäten, die dem Kind Angst machen, zu vermeiden. Damit ist man jedoch falsch beraten! Dein Kind muss lernen, der Angst ins Gesicht zu sehen; andernfalls weicht man dem Problem nur aus und verlängert es so und damit auch die Angst.

2. Mit gutem Beispiel vorangehen

Kinder nehmen sich ihre Eltern zum Vorbild und orientieren sich an ihnen, um mit verschiedenen Situationen umgehen zu lernen. Zeig deinem Kind, dass du mit deinen Gefühlen klar kommst, auch in Situationen, die dir Angst machen. Sei der Spiegel, indem dein Kind sich sehen kann!

3. Sprich mit deinem Kind, um Ängste zu lindern

Wenn du weißt, dass ihr in eine Situation kommt, die deinem Kind Angst macht, sprich vorher mit ihm darüber. Es ist ein Unterschied, ob man unvorbereitet mit seinen Ängsten konfrontiert wird oder ob man sich darauf einstellen kann. Zu wissen, was es erwartet, kann dem Kind helfen, die Angst nicht zu groß werden zu lassen.

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4. Zeige deine Gefühle

Kindheit ohne Ängste

Gib dem Kind deine ganze Liebe ohne jegliche Erwartungshaltungen.

Zur Bekämpfung der Angst braucht es von Seiten der Eltern Empathie, das heißt, man muss dem Kind zuhören, ohne zu urteilen. Damit dein Kind dir vertrauen kann, öffne ihm dein Herz und zeige ihm, wie es dir geht. Wenn du deine Gefühle mit ihm teilst, erhöht sich die Chance, dass es das Gleiche mit dir tut.

5. Beglückwünsche es

Geh mit deinem Kind gemeinsam den Weg zur Bekämpfung seiner Angst und beglückwünsche es für jeden kleinen Schritt, den es in Richtung Angstüberwindung tut.

6. Demonstriere ihm deine Liebe und Unterstützung

Deine Unterstützung und deine Liebe sind  bedingungslos… Sorge dafür, dass dein Kind das merkt! Es gibt nichts Wichtigeres für dein Kind, als zu wissen, dass du immer für es da bist, komme, was da wolle.

7. Korrigiere das Kind in seinem Tun, nicht im Sein

Mutter hilft bei Aufgaben und lindert Ängste

Begleite dein Kind auf seinem Weg durch die Angst und hilf ihm, sie zu bekämpfen

Es ist in Ordnung, wenn das Kind Fehler macht, es zu korrigieren, jedoch ohne es dabei in seinem Wesen in Frage zu stellen. Man darf und soll sogar das Kind in seinen Handlungen reflektieren und wenn nötig auch kritisieren, ohne dabei die Angst als einen Persönlichkeitsanteil des Kindes zu sehen.

8. Suche dir professionelle Hilfe

Wenn sich die Ängste bei deinem Kind in solchem Maße verstärken, dass ein normales Leben unmöglich wird, zögere nicht, mit ihm zum Arzt zu gehen. Der Kinderpsychologe wird deinem Kind helfen, sich seinen Ängsten zu stellen, und dabei auch den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Ängste bei Kindern sind nichts Ungewöhnliches und kommen häufiger vor, als du denkst. Genau wie wir fühlen sich Kinder manchmal durch ihre Umwelt bedroht. Alles Ungewisse macht einem Angst, das kennen wir selbst, weil wir das auch durchgemacht haben. Das Wichtige ist, diese Angst zu kanalisieren und so zu verhindern, dass sie sich unser bemächtigt.

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