Was ist operante Konditionierung und wie funktioniert sie?

Die operante Konditionierung ist eine Lerntheorie, aus der verschiedene Techniken zur Veränderung des menschlichen Verhaltens abgeleitet werden. Sie ist oft nützlich bei der Behandlung von Phobien und Süchten. Hier erfährst du alles Wissenswerte darüber.
Was ist operante Konditionierung und wie funktioniert sie?

Letzte Aktualisierung: 19. März 2022

Die operante Konditionierung ist sowohl eine Lerntheorie als auch eine Technik zur Verhaltensänderung. Sie findet vielfältige Anwendung, von der Überzeugungsarbeit in der Werbung bis hin zur Behandlung von Phobien und Süchten.

Die operante Konditionierung ist auch als instrumentelle Konditionierung oder Skinnersche Konditionierung bekannt. Im Allgemeinen dient sie dazu, bestimmte Verhaltensweisen durch die Einführung positiver oder negativer Konsequenzen zu verstärken oder zu verringern.

Sie entstand im Rahmen der behavioristischen Schule. Die Bezeichnung “operante Konditionierung” dient der Unterscheidung zur “klassischen Konditionierung”, die ihr vorausging.

In diesem Artikel erfährst du alles, was du über diese Art der Verhaltenskonditionierung wissen musst.

Was ist operante Konditionierung?

Operante Konditionierung ist eine Lernmethode. Sie basiert auf dem Zusammenhang zwischen einem bestimmten Verhalten und der Einführung von positiven oder negativen Konsequenzen. Wenn die Konsequenz positiv ist, erfolgt eine Verstärkung des Verhaltens. Ist die Konsequenz hingegen negativ, wird es verringert oder beseitigt.

Das Ziel dieses Ansatzes besteht darin, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen oder zu verringern, dass ein Verhalten erneut auftritt. Wenn der/die Betreffende eine Belohnung für sein/ihr Verhalten bekommt, erhöht sich die Tendenz einer Person, dieses Verhalten zu wiederholen. Erfolgt hingegen eine Bestrafung, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person das Verhalten nicht mehr wiederholt.

Aus dieser Perspektive gibt es bei der operanten Konditionierung je nach verfolgter Zielsetzung verschiedene Reaktionsarten. Dazu gehören nicht nur Belohnung und Bestrafung, sondern auch der Wegfall von Bestrafung oder Belohnung.

Wie funktioniert operante Konditionierung?

Die operante Konditionierung zielt darauf ab, ein Verhalten zu verändern. Wenn jemand ein Verhalten an den Tag legt, das er/sie beibehalten oder verstärken sollte, besteht die Reaktion darin, etwas einzuführen, das dieses Verhalten verstärkt, z. B. eine Belohnung.

Wenn die Person ein Verhalten abstellen soll, erfolgt eine Bestrafung oder der Entzug einer Belohnung. Auf diese Weise lassen sich Verhaltensweisen, auf die eine Belohnung folgt, verstärken und solche, auf die eine Bestrafung folgt, verhindern oder abstellen.

Operante Konditionierung - junger Mann spricht mit einer Therapeutin

Die Elemente der operanten Konditionierung

Bei der operanten Konditionierung gibt es folgende positive und negative Faktoren oder Elemente, die als Reaktion auf ein Verhalten ins Spiel kommen:

  • Positive Verstärkung: Wenn nach einem Verhalten eine Belohnung erfolgt. Die positive Verstärkung erhöht die Häufigkeit dieses Verhaltens. Ein Glückwunsch, ein Preis oder eine Belohnung sind Beispiele für einen positiven Verstärker.
  • Negative Verstärkung: Wenn ein aversiver Reiz nach dem Verhalten entfernt wird. Außerdem wird das Verhalten dadurch gefördert. Beispiele für negative Verstärker sind, die andere Person nicht mehr zu beschimpfen oder ihr zu erlauben, früher als sonst zu gehen.
  • Positive Bestrafung: Wenn auf ein bestimmtes Verhalten eine Bestrafung erfolgt. Das schreckt von diesem Verhalten ab. Schimpfen oder zusätzliche Aufgaben sind Beispiele für positive Bestrafung.
  • Negative Bestrafung: Wenn nach einem bestimmten Verhalten eine Belohnung gestrichen wird. Beispiele dafür sind, nicht zu reden, nicht zu antworten oder nicht zu interagieren.

Konditionierungsprogramme

Konditionierungsprogramme haben mit der Häufigkeit oder Intensität zu tun, mit der Belohnungen und Bestrafungen zum Einsatz kommen. Das hängt von der Wirkung ab, die du erreichen willst.

Insgesamt gibt es fünf mögliche Konditionierungsprogramme:

  1. Kontinuierliche Konditionierung: Jedes Mal, wenn das Verhalten auftritt, folgt darauf eine Konsequenz.
  2. Konditionierung in einem festen Verhältnis: Die Belohnung erfolgt erst, wenn das Verhalten eine bestimmte Anzahl von Malen aufgetreten ist.
  3. Feste Intervallkonditionierung: Die Belohnung erfolgt, wenn das Verhalten innerhalb eines bestimmten Zeitraums auftritt.
  4. Konditionierung mit variabler Rate: Die Verstärkung erfolgt zufällig nach einer unbestimmten Anzahl von wiederholten Verhaltensweisen.
  5. Variable Intervallkonditionierung: Die Verstärkung erfolgt zufällig nach einem unbestimmten Zeitraum.

Verschiedene Techniken der operanten Konditionierung

Bei der operanten Konditionierung gibt es mehrere Techniken, um das Verhalten auf unterschiedliche Weise zu verändern. Die wichtigsten sind die folgenden.

Operante Konditionierung zur Förderung eines Verhaltens

Die am häufigsten verwendeten Techniken zur Förderung von Verhaltensweisen durch den Einsatz positiver Verstärker sind die folgenden:

  • Anregung: Dazu gehören Anweisungen, körperliche Führung und Modellierung. Sie gibt die Rahmenbedingungen vor, damit jemand lernt, wie er eine Handlung ausführt. Zum Beispiel, indem man den besten Schüler der Klasse belohnt, damit andere ihn nachahmen.
  • Modellieren: Es erfolgt eine schrittweise Verhaltensänderung, bis das erwartete Verhalten erreicht ist. Nur Fortschritte führen zu einer Belohnung.
  • Fading: Hilfsmittel oder Impulsgeber werden allmählich zurückgezogen. Das Ziel ist, dass die Person das Verhalten selbständig erlernt. Fortschritte und Autonomie werden belohnt.
  • Verkettung: Das Verhalten wird in verschiedene Teile aufgeteilt. Die Person muss diese Teile nacheinander erlernen, bis sie das Verhalten vollständig beherrscht. Jeder Teilaspekt muss den vorherigen verstärken.
  • Verstärkungsprogramme: Die Überkorrektur kann kontinuierlich, anlassbezogen oder in Intervallen erfolgen.

Operante Konditionierung zur Reduzierung oder Beseitigung bestimmter Verhaltensweisen

Die gebräuchlichsten Techniken zur Reduzierung oder Beseitigung von Verhaltensweisen führen oft unangenehme Elemente ein. Wann immer möglich, sollten weniger aversive Verfahren zum Einsatz kommen.

Die wichtigsten Techniken sind die folgenden:

  • Extinktion: Ein Verhalten, das zuvor verstärkt wurde, wird nicht mehr belohnt. Zum Beispiel durch das Ignorieren eines Kindes, das einen Wutanfall bekommt.
  • Unterlassungstraining: Als Reaktion auf ein unangemessenes Verhalten wird dem Kind etwas Angenehmes vorenthalten. Zum Beispiel hindert man ein Kind daran, fernzusehen, wenn es sich falsch verhält.
  • Programme mit differenzierter Verstärkung: Einige Verhaltensweisen werden reduziert, während die Belohnung für andere erhöht wird. Zum Beispiel erhält ein Kind eine Belohnung, wenn es sich gesund ernährt.
  • Reaktionskosten: Der Entzug einer Belohnung ist ein gutes Beispiel dafür. Zum Beispiel durch das Vorenthalten eines Spielzeugs, das ein Kind als Geschenk erhalten hat.
  • Auszeit: Dabei erfolgt die Isolation einer Person in einer Umgebung, die keine Anreize bietet.
  • Sättigung: Das Verhalten wird so oft wiederholt oder der Anreiz wird so oft gegeben, bis er nicht mehr erwünscht ist.
  • Überkorrektur: Gilt auch als positive Bestrafung. Das Kind muss beispielsweise das Spielzeug, das es weggeworfen hat, aufheben und das Zimmer aufräumen.
operante Konditionierung - weinender Junge

Die operante Konditionierung und ihre Einsatzbereiche

Die operante Konditionierung kommt in vielen Bereichen zum Einsatz. Die obigen Beispiele verdeutlichen ihre Einsatzbereiche in der Kindererziehung. Darüber hinaus ist sie aber auch in der Welt der Bildung und der Arbeit nützlich. In der Werbung sind Angebote und Rabatte ein Beispiel dafür. In der Therapie kommt die operante Konditionierung zum Einsatz, um Menschen bei der Überwindung von Phobien und Süchten zu helfen. Verschiedene Strategien dienen zur Beseitigung irrationaler Ängste oder zwanghafter Verhaltensweisen.

Allerdings hat dieser Ansatz durchaus auch seine Kritiker. Manche sind der Meinung, dass die Beeinflussung des menschlichen Verhaltens durch äußere Eingriffe eine Einschränkung der Freiheit darstellt. Außerdem können dadurch Verhaltensweisen hervorgerufen werden, die nur einigen wenigen zugute kommen.

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