Psychodynamische Therapie: Was ist das und wann ist sie empfehlenswert?

Die psychodynamische Therapie nutzt verschiedene Instrumente, um Patienten zu helfen. Wir sagen dir im Detail, woraus sie besteht und wann sie empfehlenswert ist.
Psychodynamische Therapie: Was ist das und wann ist sie empfehlenswert?

Letzte Aktualisierung: 12. März 2022

Vielleicht hast du etwas darüber in der Schule gelernt, selbst schon einmal eine Therapie gemacht oder dich aus anderen Quellen darüber informiert. Fast jeder weiß, worum es bei der Psychoanalyse geht und wer Sigmund Freud ist. Aber viele wissen nicht, was eine psychodynamische Therapie ist und was sich dahinter verbirgt.

Wie eine Veröffentlichung im American Journal of Psychiatry erklärt, wird diese Therapieform bei der Behandlung einiger psychischer Störungen eingesetzt. Aber was genau ist die psychodynamische Therapie und in welchen Fällen ist sie angezeigt? Hier findest du eine ausführliche Erklärung.

Psychodynamische Therapie: Definition und Ursprünge

Der Begriff “psychodynamische Therapie” findet sich in der Interaktion und dem Zusammenspiel zwischen dem bewussten und dem unbewussten Verstand. Das heißt, einige der Symptome und Ursachen für das Unbehagen von Menschen liegen nicht an der Oberfläche, sondern auf einer tieferen Ebene.

Wie der Name schon sagt, liegt der Schwerpunkt auf Bewegung oder Fluktuation. Das bedeutet, dass sich die Menschen in ihrem Kampf um die Erreichung ihrer Ziele in einem Spannungsfeld befinden. Zwischen Zufriedenheit und Unzufriedenheit, Autonomie und Abhängigkeit usw.

Die wichtigsten Grundlagen

Die psychodynamische Therapie besteht aus einer Reihe von Theorien, deren bekannteste Vertreter Freud, Erikson und Carl Jung sind. Einige ihrer zentralen Prämissen sind die folgenden:

  • Existenz des Unbewussten oder des Unterbewusstseins: Es gibt Inhalte und Prozesse, zu denen wir nicht ohne Weiteres Zugang haben. Sie sind latent im Unterbewusstsein vorhanden und beeinflussen unser Leben. Es gibt einen Sinn, den es zu enträtseln gilt.
  • Psychische Konflikte: Sie entstehen u.a. durch Ängste, Wünsche und Fantasien. Angesichts dieser Konflikte treten oft Abwehrmechanismen auf, wie zum Beispiel Verdrängung.
  • Die Erfahrungen in der Kindheit haben einen großen Einfluss auf unser ganzes Leben. Viele Lernerfahrungen und Konflikte haben dort ihren Ursprung. Deshalb gehen wir nach diesen Theorien oft “zurück und vor” oder kehren immer wieder in die frühe Kindheit zurück. Das liegt daran, dass die Persönlichkeit in der Kindheit auf maßgebliche Weise geformt wird, vor allem wenn es um den Kontakt mit unseren primären Bezugspersonen geht.
  • Ein weiterer Schlüssel zur psychodynamischen Therapie hat mit der Beziehung zwischen Analytiker und Klient zu tun. Hier sind die Konzepte der Übertragung und Gegenübertragung der Schlüssel, um zu verdeutlichen, was passiert. Aus dieser Verbindung, die in den Begegnungen hergestellt wird, lassen sich Muster, Beziehungen oder Hinweise erkennen, die Aufschluss über vergangene Erfahrungen geben. Das heißt, dass bestimmte Aspekte früherer Beziehungen oder Modelle in der aktuellen Beziehung wieder auftauchen.
  • Die Symptome sind Kompromisslösungen. Das heißt, eine Vereinbarung zwischen dem, was wir uns wünschen und dem, was wir tun können. Zum Beispiel zwischen den Wünschen und dem, was das Unbewusste will, und dem, was das Über-Ich uns als richtig vorgibt.
Psychodynamische Therapie - Therapeutin und Klientin im Gespräch

Die Highlights der psychodynamischen Theorien

Die Beiträge der psychoanalytischen Theorie Freuds wurden auf andere Theorien übertragen. Einige von ihnen sind die folgenden:

  • Psychologie des Ichs
  • Objektbeziehungstheorie
  • Bindungstheorie
  • Psychologie des Selbst
  • Zwischenmenschliche Psychologie
  • Beziehungspsychoanalyse

Im Folgenden werden wir einige von ihnen und ihre Beiträge zum Verständnis der Theorien, die die psychodynamische Therapie ausmachen, darstellen.

Psychoanalytische Therapie

Auf der einen Seite haben wir Sigmund Freud mit der psychoanalytischen Therapie, der zu verschiedenen Zeiten mit Modellen arbeitete, die er bereicherte und übertraf. So schlug er im Rahmen des topografischen Modells die Existenz unbewusster und bewusster Kräfte vor.

Dann schlug er das strukturelle Modell vor, in dem er das “Es”, das “Ich” und das “Über-Ich” als drei verschiedene Instanzen darstellt.

  • Das “Es” enthält unbewusste Aspekte, da es das Reservoir aller Impulse und Triebe ist.
  • Das “Über-Ich” ist die Autorität, die Regeln und die moralischen Werte.
  • Das “Ich” zeichnet sich durch seine vermittelnde Rolle zwischen den beiden vorangegangenen Instanzen aus, indem es den “Realitätsanteil” und die Ausführung bereitstellt.

Dieses Modell koexistierte mit dem strukturellen Modell, da das “Es” unbewusste Elemente hat, während das “Über-Ich” und das “Ich” beide Komponenten haben.

Psychotherapie des “Ichs”

Später trat die “Psychotherapie des Ichs” stärker in Erscheinung mit dem Ziel, diese Instanz zu begünstigen und ihr Ressourcen zur Konfliktlösung zur Verfügung zu stellen. Hier finden wir Figuren wie Erikson, der die psychosexuelle Entwicklungstheorie vertieft. Allerdings macht er nicht bei der Kindheit halt, sondern bezieht den Lebenszyklus mit ein.

Er schlägt auch Leistungen für die Entwicklung vor. Der Einzelne muss bestimmte Herausforderungen oder Aufgaben bewältigen, wenn er von einer Stufe zur nächsten wechselt. Außerdem misst der Autor dem Einfluss von Kontext und Gesellschaft als Variablen, die das psychische Leben des Einzelnen beeinflussen, enorme Bedeutung bei.

Darüber hinaus findet sich Anna Freud, für die Konflikte auf den Einsatz primitiver Abwehrmechanismen anstelle von reifen Abwehrmechanismen zurückzuführen sind. Sie identifizierte auch mehr Abwehrmechanismen als die von Freud vorgeschlagenen.

Objektbeziehungstheorie

Die Objektbeziehungstheorie besagt, dass die Persönlichkeitsentwicklung von der Qualität der Beziehungen beeinflusst wird, die die Person zu ihrem “Objekt” der Zuneigung oder Liebe hat. Diese können extern oder intern sein (verinnerlichte Bilder von externen Objekten). Hier finden wir Vertreter wie Melanie Klein oder Winicott.

Bindungstheorien

Diese Theorien wurden aus den Bindungstheorien, deren Hauptvertreter J. Bowlby ist, neu entwickelt. Auch hier wird die Persönlichkeit durch die Beziehung zur primären Bezugsperson geprägt. Er definierte die folgenden Arten von Bindung:

  • Sicher
  • Unsicher
  • Ambivalent

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Methoden und Ziele der psychodynamischen Therapie

Die psychodynamische Therapie hat verschiedene Methoden, je nachdem, mit welchen Theorien sie arbeitet. Die am häufigsten verwendeten sind die folgenden:

  • Freie Assoziation: Der Patient erzählt in einer entspannten und ruhigen Atmosphäre das Erste, was ihm in den Sinn kommt. Die Grundlage dieser Technik ist, dass die Person allmählich zu dem Thema kommt, das sie beunruhigt.
  • Übertragung und Gegenübertragung: Beziehen sich auf die Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Patienten, eine Verbindung, in der Aspekte anderer Beziehungen wiederholt oder wieder aufgegriffen werden, insbesondere aus der Kindheit.
  • Arbeit mit Widerständen: Im Laufe der Therapie tauchen Hindernisse auf, um bestimmte Situationen zu “entblockieren”. Der Therapeut “fordert” oder “drängt” den Patienten ein wenig mehr, um an diesen Blockaden zu arbeiten und zum Kern vorzudringen.

Wann eine psychodynamische Therapie hilfreich sein kann

Die psychodynamische Therapie konzentriert sich auf die Arbeit an verschiedenen Themen. Einige von ihnen sind die folgenden:

  • Sie kann die Selbsterkenntnis fördern, beginnend mit dem Verständnis, wie wir wirklich sind und wie wir uns wirklich verhalten, um den Ursprung vieler unserer Einschränkungen zu verstehen. Sie ermöglicht es uns, die Gegenwart zu erhellen und gleichzeitig die Vergangenheit aufzuarbeiten.
  • Des Weiteren kann sie uns helfen, qualitativ hochwertige Bindungen und Beziehungen aufzubauen.
  • Außerdem kann sie uns helfen, unsere Gefühle zu verstehen und zu erkennen.
  • Darüber hinaus können wir lernen, ungesunde Verhaltensmuster, die dysfunktional sind oder unser tägliches Funktionieren beeinträchtigen, nicht mehr zu wiederholen.
  • Die psychodynamische Therapie kann uns zudem helfen, unsere inneren Konflikte abzubauen und diese zu bewältigen.

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Psychodynamische Therapie - Patientin und Therapeut

Das Wichtigste ist, dass man sich wohlfühlt

Abgesehen von den verschiedenen Ansätzen und Arbeitsinstrumenten ist das Wichtigste zu Beginn einer Therapie, dass sich der/die Patient/in in seinem therapeutischen Raum wohlfühlt.

Um dies zu erreichen, ist es eine gute Idee, die/den jeweilige/n Therapeutin/Therapeuten zu fragen, wie sie/er arbeitet, und darauf zu achten, wie man sich dabei fühlt. Manchmal ist es notwendig, um eine Überweisung zu bitten oder sich nach einem anderen Therapeuten umzusehen. Nicht alle Menschen erleben dieselben Therapien auf dieselbe Weise. Deshalb ist es sehr ratsam, sich im Vorfeld zu informieren.

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