Wie funktioniert das Belohnungssystem im Gehirn?

10 Dezember, 2019
Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass das Belohnungszentrum durch bestimmte Drogen, wie Kokain oder Heroin, aktiviert wird. 

Das Belohnungssystem ist ein sehr interessanter und komplexer Mechanismus unseres Gehirns. Es ermöglicht es uns, bestimmte Situationen mit einem Lustgefühl zu verbinden, um so unsere Anpassungsfähigkeit und damit die Überlebenschancen zu verbessern.

Wenn ein angenehmes Gefühl mit einer Tätigkeit assoziiert wird, wird gleichzeitig der Lernprozess stimuliert. Wenn beispielsweise das Belohnungssystem ein sexuelles Verhältnis mit Genuss assoziiert, möchte es diese Situation wiederholen. So sichert sich unsere Spezies das Überleben.

Dieser Kreislauf umfasst viele Gehirnbereiche, was das Studium kompliziert macht. Das Belohnungszentrum funktioniert auf multifaktorielle Weise, und zwar nicht nur bei grundlegenden Aktivitäten, wie Essen oder Sex.

Es übernimmt in unserem Leben wesentliche Funktionen und spielt auch bei Drogenabhängigkeit oder bei erfreulichen Aktivitäten, wie Sport, eine bedeutende Rolle. Wir erklären dir deshalb in unserem heutigen Artikel etwas genauer, wie das Belohnungszentrum funktioniert.

Das Belohnungssystem: Welche Gehirnstrukturen spielen dabei eine Rolle?

Das Belohnungssystem: Welche Gehirnstrukturen spielen dabei eine Rolle?
Das Belohnungssystem übernimmt in unserem Leben wesentliche Funktionen und spielt auch bei Drogenabhängigkeit oder bei erfreulichen Aktivitäten, wie Sport, eine bedeutende Rolle. 

Das Belohnungszentrum befindet sich im Gehirn, ist jedoch nicht in einem spezifischen Bereich zu finden. Wie bei den meisten Funktionen sind verschiedene Gehirnareale beteiligt, die eine Art Schaltkreis bilden. 

Genaue Kenntnisse über diese komplexen Bereich sind sehr wichtig, um dieses vielschichtige System zu verstehen. Es konnte nachgewiesen werden, dass folgende Bereiche im Belohnungssystem eine wichtige Rolle spielen: 

  • Area tegmentalis
  • Nucleus accumbens, der Teil der Basalganglien formt
  • Hypothalamus und Hippocampus
  • Amygdala
  • Präfrontale Gehirnrinde
  • Globus pallidus
  • Hypophyse

Kurz und vereinfacht zusammengefasst befindet sich der Großteil des Belohnungssystems im Mesolimbischen SystemDer Neurotransmitter Dopamin ermöglicht die Aktivierung dieses Schaltkreises. 

Wann wird das Belohnungssystem aktiviert?

Wie bereits erwähnt, ist das Belohnungssystem in Wahrheit eine adaptative Funktion. Es steht deshalb vor allem mit grundlegenden Bedürfnissen im Zusammenhang, die uns das Überleben als Individuum und als Spezies ermöglichen.

Das heißt, dass dieses System in erster Linie für Aspekte wie Essen, Trinken und sexuelle Verhältnisse zuständig ist. Der Geschmack des Essens führt zu Wohlbefinden und Genuss, so wie das auch beim Trinken von Wasser oder bei Sex der Fall ist. Damit wird der Lernprozess stimuliert und die Wiederholung dieser Aktionen garantiert.

Doch dies sind nicht die einzigen Funktionen, welche das Belohnungszentrum motivieren. Wir können zum Beispiel auch im Spiel, beim Sport und natürlich auch bei Drogen Genuss empfinden. Zahlreiche Studien haben belegt, dass der Belohnungsmechanismus bei der Einnahme von Kokain oder anderen Suchtmitteln aktiviert wird.

Dies macht uns auf die Risiken aufmerksam, die mit dem Belohnungssytem einhergehen. Abhängigkeit ist die negative Seite dieses wunderbaren Anpassungsmechanismus. 

Drogen und Belohnungssytem
Abhängigkeit ist die negative Seite des für das Überleben der Menschheit so wichtigen Belohungssystems.

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Wie wirken Drogen auf das Belohnungssystem?

Anfangs ist die Tatsache, Drogen wie Kokain oder Heroin zu konsumieren, eine freiwillige Handlung. Meist sind Neugier und spezifische gesellschaftliche Situationen für den ersten Schritt verantwortlich. Doch wer eine Droge einmal probiert, aktiviert damit sein Belohnungszentrum. Dadurch entsteht das intensive Gefühl von Genuss, das wiederum bewirkt, dass die betroffene Person mehr von dieser Droge einzunehmen wünscht, um diesen Augenblick des Wohlbefindens erneut zu experimentieren.

Bei einer starken Abhängigkeit kann sich das Belohnungssystem verändern. So spürt eine heroinabhängige Person zum Beispiel kaum mehr Genuss bei anderen Aktivitäten, die nichts mit der Droge zu tun haben. Die restlichen Befriedigungen werden „abgeschaltet“ und nur Heroin kann das ersehnte Wohlbefinden erzeugen.

Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass dies nicht nur bei einer Droge der Fall sein kann. Viele Menschen sind nicht auf die Einnahme von Substanzen angewiesen, sondern von anderen Aktivitäten abhängigEs kann sich beispielsweise um eine Spielsucht handeln, die allerdings dieselben Belohnungsmechanismen aktiviert und praktisch auf dieselbe Weise funktioniert.

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Abschließende Bemerkung

Das Belohnungssystem ist ein sehr komplexer Gehirnmechanismus. Es ermöglicht es uns, uns anzupassen und als Individuum und Spezies zu überleben. Doch auch die negativen Aspekte dürfen dabei nicht vergessen werden. Denn das Belohnungszentrum spielt unter anderem beim Suchtverhalten eine bedeutende Rolle.

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