Verhütung nur mit Gestagen: Vorteile und Nebenwirkungen

Der Hauptunterschied zwischen der reinen Gestagenpille und anderen oralen Verhütungsmitteln besteht darin, dass erstere kein Östrogen enthält. Diese Art der Verhütung ist für Frauen von Vorteil, die diesen Inhaltsstoff aus verschiedenen Gründen vermeiden wollen, beispielsweise weil sie glauben, dass er ihre Gesundheit beeinträchtigen würde.
Verhütung nur mit Gestagen: Vorteile und Nebenwirkungen

Letzte Aktualisierung: 02. Juni 2021

Die Minipille ist ein orales Verhütungsmittel, das eine geringere Hormondosis als die herkömmliche Antibabypille enthält. Sie ist auch als reine Gestagenpille bekannt, da sie kein Östrogen enthält, wie andere Pillen, die zur Verhütung eingesetzt werden.

Es handelt sich um eine kleine Pille, die, wenn sie korrekt angewendet wird, eine Schwangerschaft mit bis zu 99%-iger Wirksamkeit verhindern kann. Allerdings ist es nicht immer ganz einfach, einen solchen Grad an Perfektion bei der Einnahme zu erreichen. Daher liegt der normale Wirkungsgrad der Minipille bei 91 %.

Wie funktioniert die Verhütung mit Gestagenen?

Verhütung nur mit Gestagen - Frau betrachtet Pillenpackung
Die Minipille unterdrückt den Eisprung mit einer geringeren Hormondosis als herkömmliche Verhütungsmittel.

Wie andere orale Kontrazeptiva verhindert auch die Minipille den Eisprung. Dies bedeutet, dass die Verhütung mit der reinen Gestagenpille darauf beruht, dass sie die Freisetzung von Eizellen verhindert. Wenn keine Eizellen vorhanden sind, kann natürlich auch keine Schwangerschaft entstehen.

Allerdings ist die Minipille bei der Unterdrückung des Eisprungs weniger wirksam als herkömmliche Verhütungsmittel. Dennoch gibt es zwei weitere Effekte, die diesen Mangel nicht nur ausgleichen, sondern auch ihre Wirksamkeit bei der Empfängnisverhütung erhöhen.

Diese Effekte sind wie folgt:

  • Die Minipille bewirkt, dass der Schleim im Gebärmutterhals sehr dick wird. Infolgedessen wird es für das Sperma sehr schwierig, diesen Schleim zu durchdringen und die Eileiter zu erreichen, um die Eizelle zu befruchten.
  • Gleichzeitig verdünnt sie die Gebärmutterschleimhaut. Das bedeutet, dass, selbst wenn die Spermien die Eizelle befruchten würden, die Einnistung in der Gebärmutter sehr schwierig wäre. Dies wiederum verringert die Wahrscheinlichkeit, dass sich daraus eine Schwangerschaft entwickeln würde.

Für wen wird die Verhütung mit der reinen Gestagenpille empfohlen?

Bis auf wenige Ausnahmen kann die Minipille von jeder Frau angewendet werden. Oft wird sie vor allem von stillenden Müttern eingenommen, da nach wie vor die Annahme vorherrscht, dass traditionelle Verhütungsmittel die Produktion von Muttermilch hemmen würden. Allerdings gibt es hierfür keine Belege.

Wenn eine Frau bereits Blutgerinnsel in den Beinen oder der Lunge hatte, wird der Gynäkologe normalerweise die Einnahme der Minipille empfehlen. Darüber hinaus erfolgt diese Empfehlung in der Regel auch für jene Frauen, bei denen ein erhöhtes Risiko besteht, solche Blutgerinnsel zu entwickeln, auch wenn diese bisher noch nicht aufgetreten sind.

Außerdem sind einige Frauen aufgrund der möglichen Nebenwirkungen östrogenhaltiger Verhütungsmittel eher vorsichtig mit deren Einnahme. Auch in diesen Fällen könnte die Minipille eine geeignete Alternative sein. Des Weiteren kann sie verschrieben werden, wenn eine Frau eine Dermatitis hat, die mit dem Menstruationszyklus in Zusammenhang steht.

Wie erfolgt die Einnahme der Minipille?

Idealerweise beginnst du mit der Einnahme der Pille am ersten Tag deiner Periode, da dies eine größere empfängnisverhütende Wirkung hat. Wenn du bisher herkömmliche orale Kontrazeptiva eingenommen hast, erfolgt der Wechsel ohne Unterbrechung der täglichen Einnahme. Das bedeutet, dass du am Tag nach der Einnahme der letzten herkömmlichen Pille mit der Minipille fortfahren kannst. Allerdings solltest du verschiedene Aspekte beachten, um die Wirksamkeit der Minipille sicherzustellen:

  • Zunächst einmal solltest du die Pille jeden Tag zur gleichen Zeit einnehmen. Wenn dies nicht möglich ist, sollte der zeitliche Abstand nicht mehr als drei Stunden betragen.
  • Darüber hinaus ist es sehr wichtig, dass du die Einnahme nie unterbrichst. Daher solltest du stets darauf achten, dass du rechtzeitig ein neues Rezept hast, um dies zu verhindern.
  • Wenn du nicht am ersten Tag deiner Periode mit der Einnahme der Pille beginnen kannst, solltest du in den folgenden sieben Tagen beim Geschlechtsverkehr Kondome verwenden.
  • Stillende Frauen können die Minipille ab der sechsten Woche nach der Entbindung einnehmen.
  • Wenn du bisher ein injizierbares Verhütungsmittel verwendet hast, solltest du mit der Einnahme der Minipille an dem Tag beginnen, an dem deine nächste Injektion verabreicht werden sollte.

Was solltest du unternehmen, wenn du die Einnahme vergessen hast?

Wenn du vergessen hast, deine Pille zur üblichen Zeit einzunehmen, solltest du dies unverzüglich nachholen. Idealerweise solltest du die Minipille immer bei dir tragen, damit du sie jederzeit einnehmen kannst, auch wenn du außer Haus bist.

Wenn mehr als drei Stunden seit der geplanten Einnahme der Pille vergangen sind, solltest du sie am besten ebenfalls so schnell wie möglich einnehmen. Darüber hinaus musst du in diesem Fall in den folgenden zwei Tagen beim Geschlechtsverkehr ein Kondom benutzen. Wenn du die Einnahme der Pille vergessen hast und der normale Termin dafür mehr als 12 Stunden zurückliegt, musst du in den folgenden sieben Tagen ein Kondom beim Geschlechtsverkehr verwenden.

Verhütung nur mit Gestagen - Frau hat die Pille vergessen
Wenn du eine Pille vergessen hast, musst du die Minipille mit der Verwendung eines Kondoms kombinieren.

Vorteile der Verhütung mit der reinen Gestagenpille

Der Hauptvorteil der Minipille besteht darin, dass sie im Gegensatz zu anderen oralen Kontrazeptiva kein Östrogen enthält. Daher ist sie ideal für Frauen, die diese Hormone aufgrund von persönlicher Präferenz oder aufgrund von Gesundheitsproblemen nicht einnehmen möchten.

Weitere Vorteile dieser Art der Verhütung sind folgende:

  • Die Minipille ist effektiver als Barrieremethoden wie Kondome und Diaphragmen.
  • Außerdem verursacht sie in der Regel weniger Nebenwirkungen als herkömmliche orale Kontrazeptiva.
  • Sie ist auch während des Stillens sicher in der Anwendung.
  • Darüber hinaus ist keine Unterbrechung des Geschlechtsverkehrs erforderlich, um sie anzuwenden.
  • Bei manchen Frauen führt die Einnahme zudem zu einem regelmäßigeren, kürzeren, leichteren und weniger schmerzhaften Menstruationszyklus.
  • Da es sich um eine temporäre Verhütungsmethode handelt, kannst du die Minipille jederzeit absetzen und sie hat keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit.

Hier findest du weitere Informationen:

Die 9 häufigsten Nebenwirkungen der Pille

Nachteile der Minipille

Dennoch hat die Verhütung mit der Minipille auch einige Nachteile.

Zuerst einmal benötigst du viel Disziplin bei der Einnahme. Wenn du eine Wirksamkeit von 99 % erreichen möchtest, musst du sie jeden Tag zur gleichen Zeit einnehmen, was für einige Frauen eine große Herausforderung darstellen kann.

Nachfolgend findest du noch weitere Nachteile:

  • Bei einigen Frauen kann es zu unregelmäßigen Menstruationsblutungen kommen. Mit anderen Worten, es kann zu einem Ausbleiben der Periode oder möglicherweise zu Zwischenblutungen kommen.
  • Darüber hinaus könnten Stimmungsschwankungen auftreten. Einige Frauen verlieren das Interesse an Sex.
  • Des Weiteren kann auch die Minipille in einigen Fällen zu einer Gewichtszunahme führen.
  • Sie schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Wenn du dir nicht sicher bist, ob dein Sexualpartner gesund ist, ist es daher am besten, dass du neben der Pille beim Geschlechtsverkehr auch ein Kondom benutzt.
  • Einige Frauen bekommen durch die Einnahme der Minipille Kopfschmerzen und/oder leiden an Übelkeit.

Kontraindikationen und Nebenwirkungen der Verhütung mit der Minipille

Die Versagerquote der Minipille ist etwas höher als die der klassischen oralen Kontrazeptiva. Schätzungsweise 13 von 100 Frauen, die diese Methode der Verhütung anwenden, werden pro Jahr schwanger.

Darüber hinaus besteht ein etwas höheres Risiko für eine Eileiterschwangerschaft (ektopische Schwangerschaft), also eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter, wenn du die Minipille einnimmst und schwanger wirst. Allerdings konnte kein Zusammenhang zwischen dieser Verhütungsmethode und Geburtsfehlern bei Neugeborenen nachgewiesen werden.

Von der Anwendung der Minipille wird Frauen abgeraten, die die folgenden Kriterien erfüllen:

  • Brustkrebserkrankung
  • Gebärmutterblutungen ohne bekannte Ursache
  • Das Vorliegen einer Lebererkrankung
  • Einnahme von Medikamenten gegen Krampfanfälle, HIV/AIDS oder Tuberkulose
  • Probleme bei der regelmäßigen täglichen Einnahme zum jeweils gleichen Zeitpunkt

Verhütung mit der Minipille: Ja oder nein?

Diese Verhütungsmethode wird umso effektiver, je disziplinierter du bei der Einnahme bist. Bei Frauen, die die Pille jeden Tag zur gleichen Zeit einnehmen und dies nie vergessen, kommt es nur zu einer Schwangerschaft in 100 Fällen.

Wenn du mit der Einnahme der Minipille beginnst und Nebenwirkungen oder gesundheitliche Probleme bemerkst, solltest du am besten so schnell wie möglich deinen Arzt aufsuchen. Vermutlich ist diese Methode dann nicht die richtige für dich.

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