Selbstkontrolle muss gelernt werden

· 2 Dezember, 2016
Selbstkontrolle ist ein Mechanismus, um Wünsche zu verwirklichen, was jedoch Geduld verlangt. Wir wissen, dass wir das Ziel erreichen können, die Frage ist jedoch, ob es sich lohnt.

Die Selbstkontrolle zählt zu den wichtigsten psychologischen Fähigkeiten. Emotionaler Ausgleich und Stabilität, um Impulse zu kontrollieren, verhelfen uns ganz offensichtlich zu einem größeren Wohlbefinden.

Wir laden dich heute ein, mit uns darüber nachzudenken.

Du hast einen Apfel und ein Stück Schokoladekuchen vor dir und hast dir ganz fest vorgenommen, deine Diät einzuhalten und nicht zu sündigen… doch kannst du der Versuchung tatsächlich widerstehen?

Jeder kennt diese oder ähnliche Situationen, in denen Selbstkontrolle gefragt ist. Ein langfristiges Ziel (zum Beispiel Abnehmen) steht oft im Konflikt mit anderen, unmittelbaren Genüssen (Schokoladekuchen).

Wenn man es in diesen Siutationen schafft, die Impulse zu kontrollieren und auf einen momentanen Genuss zu verzichten, kann man Ziele erreichen und die Motivation bis dahin nähren. 

Dies ist ausschlaggebend in unzähligen Lebenssituationen.

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Warum verlieren wir die Kontrolle?

Du möchtest unbedingt ein paar Kilo abnehmen, verfällst aber trotzdem immer wieder der Versuchung?

Warum passiert uns das?
Bei der Selbstkontrolle spielen zwei psychologische Mechanismen eine Rolle: das reflexive und das impulsive System.
  • Das impulsive System sucht die Umgebung auf Reize oder Elemente ab, die ein Lustgefühl erzeugen (beispielsweise der Schokoladekuchen).

Die Stärke dieser Impulse ist nicht immer und nicht bei jedem gleich, sie hängt von zahlreichen Umständen ab. Man empfiehlt deshalb zum Beispiel, nicht einkaufen zu gehen, wenn man gerade Hunger hat.

  • Das reflexive System plant und analysiert die Konsequenzen einer Handlung. 

Darüber nachzudenken, was man tun wird, benötigt viele Ressourcen und die Fähigkeit des Selbstmanagements – das ist zwar anstrengend, jedoch rentabel.

Wenn du Konstanz zeigst, wird der Besuch im Fitnesscenter zur Gewohnheit und die Frage ob oder ob nicht, wenn du gerade faul auf der Couch sitzt, stellt sich gar nicht. 

Vergiss nicht, dass 21 Tage notwendig sind, um eine Gewohnheit anzunehmen, das heißt ein bestimmtes Verhalten zu integrieren.

Lesetipp: 8 einfache Gewohnheiten, die für gute Laune sorgen

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Belohnungsaufschub und der Erfolg des Lebens

Das beste Beispiel, um die Wichtigkeit der Fähigkeit, Lust aufzuschieben und Frust zu tolerieren, zu betonen, finden wir in der Kindheit.

Jeder weiß, dass es für ein Kind schwierig ist, nicht mit dem Ball im geschlossenen Raum zu spielen oder eine Süßigkeit nicht zu essen, wenn gerade niemand da ist, um es zu überwachen (manchmal essen Kinder die Süßigkeit sogar unbewusst, auch wenn sie wissen, dass sie beobachtet werden).

Der bekannte Psychologe Walter Mischel führte eine Studie über den Belohnungsaufschub durch, die als Marshmallow-Test bekannt wurde.

Dabei müssen Kinder ihren Impuls kontrollieren, eine Süßigkeit zu essen, damit sie mehr davon bekommen.

Anhand von dieser Studie konnte eine Beziehung zwischen Selbstkontrolle und Erfolg im Leben festgestellt werden, denn man geht davon aus, dass die Kontrolle ein wichtiger Schlüssel für eine erfolgreiche Entwicklung ist.

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8 Schlüssel zur Entwicklung der Selbstkontrolle

Selbstkontrolle muss man lernen. Dabei ist es sehr hilfreich zu wissen, was jene Personen gemeinsam haben, die es schaffen, sich das Rauchen abzugewöhnen, eine Abnehmkur durchzuhalten oder für einen Marathon zu trainieren.

  1. Sie sind sich Risiken und negativen Konsequenzen bewusst, die gewisse Verhaltensweisen bewirken können. Das heißt, dass sie Regeln wie „wenn…dann“ aufstellen, was ihnen hilft, durch die Vorwegnahme nicht so schnell vom Weg abzukommen.
  2. Sie verstärken ihr persönliches Versprechen, indem sie nahestehenden Mitmenschen über ihre Ziele und Aktionspläne erzählen.
  3. Sie setzen ihre abstrakten Ziele in kleinen Etappen oder Aufgaben um, die sie erfüllen müssen.
  4. Sie freuen sich über Teilerfolge und erreichte Ziele, die sie feiern.
  5. Sie verändern ihre Impulse, indem sie eine Beziehung zwischen der äußeren Versuchung und anderen Dingen herstellen.
  6. Sie trainieren ihr Gedächtnis, um die Ziele und Motivation stets gegenwärtig zu haben.
  7. Sie denken über Situationen nach, die für die Erreichung ihrer Ziele ein Risiko darstellen könnten.
  8. Sie gönnen sich Pausen und Erholung, um ihre mentalen Ressourcen und ihre Motivation erneuern zu können.

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Der Weg der Selbstkontrolle besteht darin, zu lernen Versuchungen zu widerstehen und Stärken zu nutzen.

Jedes Mal, wenn du zwischen einem unmittelbaren Wunsch oder einem langfristigen Ziel entscheiden musst, kannst du dir vorstellen, wie dein reflexives und dein impulsives System miteinander kämpfen. 

Welcher Sieg lohnt sich wohl eher?