Postpartale Harninkontinenz: Warum tritt sie auf und wie kann man sie behandeln?

Die postpartale Harninkontinenz ist ein immer häufiger auftretendes Problem, das durch geeignete Präventionsmaßnahmen gelöst werden kann. Hier erfährst du alles Wissenswerte.
Postpartale Harninkontinenz: Warum tritt sie auf und wie kann man sie behandeln?

Letzte Aktualisierung: 15. April 2022

Postpartale Harninkontinenz ist ein Problem, das die Lebensqualität einer Frau stark beeinträchtigt. Schätzungen zufolge sind zwischen 36 und 58 % der Frauen nach der Geburt davon betroffen. Die Beschwerden können sich in verschiedenen Ausprägungen zeigen.

Das Beunruhigendste ist, dass postpartale Harninkontinenz sich ohne rechtzeitige und wirksame Behandlung im Laufe der Zeit zu einer chronischen Erkrankung entwickeln kann. Dadurch wird das soziale, psychologische und sexuelle Leben der betroffenen Frauen beeinträchtigt. Aber warum passiert das?

Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen der vaginalen Geburt und dem Auftreten dieser Krankheit. Allerdings besteht die Möglichkeit, die Risiken mit einigen vorbeugenden Maßnahmen zu verringern. Werfen wir einen genaueren Blick auf diese Erkrankung und was man dagegen unternehmen kann.

Postpartale Harninkontinenz: Was du wissen solltest

Unter postpartaler Harninkontinenz versteht man den unfreiwilligen Urinverlust nach der Geburt. Dieses Problem ist zwar sehr häufig, wird aber oft nicht richtig behandelt. Im Allgemeinen können die folgenden Arten auftreten:

  • Harninkontinenz aufgrund von Stress. Dies ist die häufigste Form der postpartalen Harninkontinenz. Der Urin läuft aus, wenn du dich anstrengst, zum Beispiel beim Niesen, Husten, Lachen oder während des Sports.
  • Dranginkontinenz tritt auf, wenn die Blasenmuskulatur überaktiv ist. Dies löst einen dringenden Harndrang aus, aber normalerweise tritt Urin aus, bevor du die Toilette erreichst.
  • Gemischte Inkontinenz. Dies ist eine Kombination aus den beiden vorgenannten Formen und sie tritt meist in der Zeit nach der Geburt auf.
  • Überlaufinkontinenz. Bei dieser Form ist die Blasenmuskulatur schwach und zieht sich daher nicht normal zusammen. Dies führt zum Auslaufen von Urin.
Postpartale Harninkontinenz - Frau fasst sich an den Unterleib
Unfreiwilliger Urinverlust ist unangenehm und kann soziale, psychologische und sexuelle Auswirkungen haben.

Die Hauptursachen für postpartale Harninkontinenz

Postpartale Harninkontinenz tritt häufiger bei Frauen auf, die auch während der Schwangerschaft unfreiwilligen Urinverlust hatten. Allerdings ist dies nicht immer der Fall. Es wurde festgestellt, dass die Hauptursachen für diese Erkrankung die folgenden sind.

Körperliche Ursachen

Während der Schwangerschaft kommt es zu einer erhöhten Produktion von Relaxin, einem Hormon, das von den Eierstöcken und der Plazenta produziert wird, um die Geburt zu erleichtern. Aus demselben Grund nimmt auch die Kollagenproduktion ab.

Dies führt zu erheblichen Veränderungen im Gewebe des Beckenbodens, wodurch dieser geschwächt wird. Infolgedessen kommt es zu einer mechanische Dysfunktion in diesem Bereich, die häufig eine postpartale Harninkontinenz nach sich zieht.

Traumatische Ursachen

Manchmal verursacht die Geburt auch Verletzungen des Beckenbodens. Je mehr Pressvorgänge durchgeführt werden, desto größer ist das Risiko einer Verletzung. Außerdem ist das Risiko umso höher, je länger die Entbindung dauert.

Wenn die Beckenmuskulatur während dieses Prozesses nicht geschützt wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Bereich Verletzungen erleidet und Folgen wie Inkontinenz auftreten.

Die Entbindung

Es ist eine Tatsache, dass eine vaginale Entbindung das Risiko einer postpartalen Harninkontinenz erhöht. Insbesondere, wenn es während des Geburtsvorgangs durch den Einsatz von Instrumenten zu Rissen oder Verletzungen des Beckenbodens kommt.

Kaiserschnitte verringern dieses Risiko nur teilweise. Allerdings erhöht sich hierbei das Risiko von Blasenverletzungen.

Lies auch diesen Artikel: Kaiserschnitt oder natürliche Geburt?

Andere Variablen

Es gibt noch weitere Faktoren, die das Risiko einer postpartalen Harninkontinenz erhöhen. Dazu gehören die folgenden:

  • Die Anzahl der Entbindungen. Je höher die Anzahl der Entbindungen, desto größer ist das Risiko.
  • Das Gewicht des Babys. Je größer das Baby ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Beckenboden verletzt wird und Schäden entstehen, die zu Inkontinenz führen.
  • Der Body-Mass-Index. Übergewicht und Adipositas bei der Mutter erhöhen das Risiko für postpartale Harninkontinenz.
  • Das Alter der Mutter. Dieses Problem tritt häufiger bei Frauen unter 25 und über 30 Jahren auf.
  • Schwangerschaftsdiabetes. Wenn eine Frau an dieser Erkrankung gelitten hat, tritt häufiger eine postpartale Harninkontinenz auf.
  • Nikotinkonsum. Von dieser Art der Inkontinenz sind mehr Frauen betroffen, die rauchen.
  • Aufprallsportarten. Frauen, die diese Sportarten ausüben, haben zum Zeitpunkt der Entbindung tendenziell einen schwächeren Beckenboden. Dies erhöht das Risiko.

Behandlung der postpartalen Harninkontinenz

In den meisten Fällen klingt die postpartale Harninkontinenz spontan innerhalb von fünf bis sechs Wochen nach der Geburt ab. Wenn das nicht der Fall ist, solltest du eine/n Ärztin/Arzt aufsuchen und dich frühzeitig behandeln lassen. Die Alternativen sind wie folgt:

  • Kinesiotherapie. Hierbei handelt es sich um ein Rehabilitationsprogramm mit Übungen zur Stärkung des Beckenbodens, die auf Kontraktion und Entspannung der Muskeln in diesem Bereich basieren. Es dauert zwischen drei und sechs Monaten. Diese Therapie ist bis zu 50 % wirksam.
  • Biofeedback besteht darin, sich bewusst an die Durchführung von Kegel-Übungen zu gewöhnen, die den Beckenboden stärken. Sie sollten mehrmals am Tag durchgeführt werden.
  • Elektrische Stimulation. Sie wird mit Hilfe einer vaginalen oder analen Sonde durchgeführt. Diese Sonde hat Elektroden, die elektrische Impulse übertragen und eine passive Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur bewirken.
  • Chirurgischer Eingriff. Dieser wird durchgeführt, wenn alle anderen Optionen nicht erfolgreich sind und der Fall schwerwiegend ist.
Postpartale Harninkontinenz - Frau macht Beckenbodenübungen
Kegel-Übungen helfen, den Beckenboden zu stärken, um die Harninkontinenz zu bekämpfen.

Vorbeugung von Harninkontinenz

Vorbeugende Maßnahmen sind am besten geeignet, um die Folgen der postpartalen Inkontinenz zu vermeiden. Die Empfehlungen lauten wie folgt:

  • Führe Kegel-Übungen durch. Sie stärken den Beckenboden. Allerdings solltest du sie nicht ohne die Zustimmung eines/r Arztes/Ärztin durchführen. In manchen Fällen können sie für die Schwangerschaft kontraproduktiv sein.
  • Nachsorge. Der Zustand des Beckenbodens sollte vor, während und nach der Schwangerschaft überprüft werden. So lassen sich eventuelle Anomalien frühzeitig erkennen.
  • Kräftige den Musculus transversus abdominis. Der querverlaufende Bauchmuskel stützt das Gewicht der Gebärmutter. Daher spielt er eine sehr wichtige Rolle bei der Vorbeugung von postpartaler Harninkontinenz. Dein/e Arzt/Ärztin sollte dir sagen, wie du ihn stärken kannst.
  • Achte auf deine Haltung. Das gilt sowohl für die Schwangerschaft als auch für die Zeit nach der Geburt.
  • Behalte ein gesundes Gewicht bei. Das bedeutet, dass du während der Schwangerschaft auf dein Gewicht achten solltest. Außerdem solltest du nach der Entbindung so schnell wie möglich zu deinem Normalgewicht zurückkehren.
  • Vermeide Geschlechtsverkehr direkt nach der Entbindung. Es empfiehlt sich, in den ersten sechs Wochen nach der Entbindung auf Sex zu verzichten.
  • Wenn du irgendwelche Beschwerden hast, solltest du dich umgehend an deine/n Ärztin/Arzt wenden.

Abschließende Empfehlungen

Postpartale Harninkontinenz ist zu einem häufigen Problem bei Frauen geworden. Tatsächlich gelten Schwangerschaft und Geburt als zwei Risikofaktoren für die Entwicklung dieses Problems. Daher ist es ratsam, den Beckenboden vor der Schwangerschaft zu trainieren.

Wenn dieses Problem nach der Geburt auftritt, solltest du auf jeden Fall rechtzeitig deine/n Ärztin/Arzt oder Gynäkologin/Gynäkologen aufsuchen. Sie/er wird die beste Behandlung festlegen, um zu verhindern, dass dadurch dein allgemeines Wohlbefinden beeinträchtigt wird.

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