Niedrige Kreatinin-Konzentration im Harn: Behandlungsmöglichkeiten

23 Februar, 2020
Niedrige Kreatinin-Werte im Harn weisen auf eine Krankheit hin, werden jedoch oft nicht immer frühzeitig erkannt. Sollte sich dahinter eine Niereninsuffizienz verstecken, ist der sofortige Beginn einer entsprechenden Therapie erforderlich. 

Eine zu niedrige Kreatinin-Konzentration wird meist nicht sofort erkannt. Oft untersuchen Ärzte diese Werte nur bei Personen, bei denen es bereits Anzeichen für eine Nierenerkrankung gibt.

Kreatinin ist ein biochemischer Parameter, der im Blut und im Harn vorhanden ist und in der Medizin wichtige Auskunft über die Nierenfunktion gibt. Für Nephrologen gehört die Untersuchung der Kreatinin-Konzentration des Harns oder Blutes ihrer Patienten zur Routine. 

In Wahrheit handelt es sich um ein Stoffwechselprodukt des Kreatins aus den Muskeln. Kreatin spielt bei Muskelkontraktionen eine wichtige Rolle, doch das Abbauprodukt Kreatinin hat soweit bekannt keine nennenswerten Funktionen. Es wird normalerweise über die Nieren und den Harn ausgeschieden.

Die Konzentration des Kreatinins kann deshalb im Blut und im Urin untersucht werden. Zuerst gelangt das Abbauprodukt ins Blut und wird dann über die Nieren in den Harn geleitet, um so ausgeschieden zu werden. 

Meist untersucht der Hausarzt nur die Konzentration im Blut, doch wenn der Verdacht auf eine Nierenkrankheit vorliegt, ist auch eine Untersuchung des Harns notwendig. Zu diesem Zweck kommt meist eine Methode zum Einsatz, die als Kreatinin-Clearance bezeichnet wird.

Der Vergleich zwischen den Kreatinin-Werten im Blut und im Urin kann auf konkrete Abnormalitäten hinweisen. Wenn die Konzentration im Harn gering, im Blut jedoch hoch ist, liegt der Verdacht auf eine Niereninsuffizienz vor. 

Kreatinin-Clearance

Die Kreatinin-Clearance ermöglicht es zu ermitteln, wie schnell die Nieren harnpflichtige Substanzen wie Kreatinin ausscheiden. Es geht also darum festzustellen, wie viel Kreatinin die Nieren aus dem Blut filtern.

Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten, sind Blut- und Urinproben erforderlich. Der Harn wird für die Messung über den ganzen Tag gesammelt, denn der Sammelurin über 24 Stunden hat die höchste Aussagekraft. Danach sendet der Arzt den Sammelurin ins Labor, um ihn entsprechend untersuchen zu lassen.

Im Labor berechnet der Biochemiker die Filtrationsrate der Nierenglomeruli (gomeruläre Filtrationsrate oder kurz GFR) anhand einer mathematischen Formel. Daraus resultiert die Filtrationsfähigkeit der Nieren. 

Die Werte drücken aus, wie viel Milliliter Blut pro Minute gefiltert werden. Folgende Konzentrationen betrachtet man als normal:

  • Bei Männern: zwischen 97 und 137 mL/min
  • Bei Frauen: zwischen 88 und 128 mL/min
Kreatinin-Werte im Harn
Anhand der Analyse des Sammelurins kann man im Labor die Kreatinin-Konzentration ermitteln.

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Ursachen für eine niedrige Kreatinin-Konzentration

Wenn durch die erwähnte Analyse niedrige Kreatinin-Konzentrationen im Harn festgestellt werden, liegt der Verdacht auf folgende Krankheiten vor:

  • NiereninsuffizienzEs handelt sich um ein schwerwiegendes Problem des Harnapparats. Die Nieren erfüllen ihre grundlegende Funktion (Filterung des Blutes) nicht mehr zufriedenstellend. Dadurch sammeln sich Schadstoffe im Blut an. Eine unmittelbare vollständige Untersuchung durch einen Nephrologen ist in diesem Fall erforderlich, um anschließend die entsprechende Behandlung einzuleiten.
  • Verlust der Muskelmasse: Bei zu niedrigen Kreatinin-Werten im Harn und im Blut ist der Verlust der Muskelmasse möglich. Da der Stoffwechsel des Muskels unzureichend arbeitet, sind die Kreatinin-Konzentrationen gering. Dies ist häufig bei älteren Menschen der Fall und auch nach einem sehr schnellen Gewichtsverlust.
  • Ernährung: Menschen, die zu wenig proteinhaltige Lebensmittel verzehren, mangelt es an grundlegenden Baustoffen für die Muskeln. Dadurch verringert sich der Muskelstoffwechsel und auch die Kreatinin-Werte fallen ab.
  • Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft kann sich die Nierenfunktion verändern. In der Regel verringert sich die physiologische Bildung von Kreatinin. Doch es könnte sich auch um ein ernstes Anzeichen für eine Harnwegsinfektion handeln, oder um einen Hinweis auf einen veränderten Blutdruck, der durch Präeklampsie oder Eklampsie ausgelöst wird.
  • Autoimmunkrankheiten: Verschiedene Autoimmunkrankheiten greifen die Muskeln und Nieren an. So zum Beispiel Myasthenia gravis und einige Muskeldystrophien. Meist erkennt der Arzt diese Krankheiten anhand von anderen Parametern, bevor die Kreatinin-Konzentration überprüft wird.
Ursachen für eine niedrige Kreatinin-Konzentration
Niereninsuffizienz ist eine mögliche Ursache für niedrige Kreatinin-Werte. Doch auch andere Gesundheitsprobleme können dazu führen.

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Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung hängt ausschließlich von den zugrunde liegenden Ursachen ab. Eine Niereninsuffizienz, eine unzureichende Ernährung oder die Schwangerschaft als Auslöser für eine zu niedrige Kreatinin-Konzentration erfordern logischerweise völlig unterschiedliche Therapien.

Bei einer möglichen Niereninsuffizienz ist eine Untersuchung durch den Nephrologen erforderlich. Verschiedene Krankheit, die eine Niereninsuffizienz auslösen können, erfordern eine medikamentöse Behandlung und eine spezifische Pflege. In anderen Fällen ist die Dialyse unumgänglich.

Bei schwangeren Frauen besteht ein ernstes Risiko. Die behandelnden Ärzte verwenden in diesem Fall Arzneimittel zur Behandlung der Nierenstörungen, die während der Schwangerschaft erlaubt sind. Sollte es sich um eine Eklampsie handeln, ist ein Krankenhausaufenthalt nötig, um spezifische Parameter zu kontrollieren.

Wenn eine proteinarme Ernährung der Auslöser für die niedrigen Kreatinin-Werte ist, oder wenn ein Verlust der Muskelmasse vorliegt, ist eine entsprechende Ernährungsumstellung grundlegend. Ein Ernährungsberater erstellt in diesem Fall einen entsprechenden Ernährungsplan mit der adäquaten Menge an Protein und empfiehlt spezifische Übungen, um die Muskeln wieder aufzubauen.

Die Untersuchung der Kreatinin-Konzentration ist für die Diagnose bestimmter Krankheiten sehr aufschlussreich. Falls dein Arzt Abweichungen feststellt, solltest du dich genau an seine Anweisungen halten, um ernste Komplikationen zu vermeiden. 

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