Nächtliches Bettnässen: Was tun?

15 Februar, 2020
Nächtliches Bettnässen ist gerade bei Kindern sehr häufig. Doch auch Erwachsene sind manchmal davon betroffen. Dabei kann dieses Problem über unterschiedlich lange Zeitspannen andauern. Hier erfährst du, was du tun kannst.

Während der frühen Kindheit (also bis zum Alter von etwa 5 Jahren) ist nächtliches Bettnässen eine unangenehme, aber doch recht normale Sache. In dieser Phase kann es auch tagsüber zu Harninkontinenz kommen. Doch kann es sein, dass das Problem darüber hinaus bestehen bleibt (also chronisch wird) und nur nachts auftritt. Dann kann nächtliches Bettnässen für jeden Betroffenen, seien es Kinder oder Erwachsene, eine echte Belastung darstellen.

Im Folgenden erzählen wir dir mehr über dieses Problem und alles, was damit zusammenhängt. Also lies einfach hier weiter!

Was ist nächtliches Bettnässen eigentlich genau?

Der medizinische Fachbegriff für das regelmäßige Einnässen von Kindern, bei denen dies eigentlich nicht mehr passieren sollte, ist Enuresis. Dabei ist dies ein unfreiwilliger Vorgang. Dazu kann es tagsüber kommen, was aber seltener ist. Denn in den meisten Fällen passieren diese „Unglücke“ nachts.

Dabei handelt es sich um ein Problem, das bei Kleinkindern sehr häufig ist. Es betrifft 12 % der Sechsjährigen und 7 % der Zehnjährigen. Außerdem tritt es häufiger bei Jungen auf. Und die gute Nachricht: Das nächtliche Bettnässen verschwindet in der Regel spätestens in der Pubertät.

Dennoch gibt es einen kleinen Prozentsatz, bei dem das unwillkürliche Einnässen anhält und auch noch bei über 20-Jährigen auftritt. Dann liegt die Ursache meist bei verschiedenen sozialen und psychologischen Problemen der Betroffenen.

Zu diesem unwillkürlichen Urinieren kommt es in bestimmten Entwicklungsstadien von Kindern, das ist ganz normal. Denn die meisten der Kleinen sind vor dem 3. Lebensjahr nicht in der Lage, ihre Blase und ihren Schließmuskel zu kontrollieren.

Daher wird die Enuresis in dieser Phase auch nicht als Krankheit angesehen. Denn es handelt sich um einen normalen physiologischen Zustand. Dieser ist einfach auf noch nicht vollständig abgeschlossene Reifungsprozesse zurückzuführen.

Darstellung einer Blasenentzündung bei einer Frau

Ab diesem Alter lernen die Kinder jedoch, das Wasserlassen zu beherrschen und sie merken, wann ihre Blase voll ist. Dann können sie sie kontrolliert entleeren. Doch nachts gestaltet sich die Sache schwieriger. Es dauert manchmal länger, bis das nächtliche Bettnässen ganz aufhört.

So kann es bei Kindern bis zum Alter von 6 Jahren sehr häufig vorkommen, dass sie nachts noch unabsichtlich ins Bett machen.

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Wann gilt nächtliches Bettnässen als Erkrankung?

Derzeit besteht keine Einigkeit darüber, ab wann das unwillkürliche Einnässen als Erkrankung angesehen wird. Dabei geht es unter anderem um die Frage, wie häufig es zu diesem Problem kommt.

So reichen die Kriterien für eine Diagnose von Enuresis bei einem Kind recht weit: Mal spricht man von zwei Nächten pro Woche, in denen das Bett nass wird. Dann wieder von nur einer Nacht pro Woche, oder von 4 Nächten pro Monat. Daher ist es für eine korrekte Diagnose sowie eine angemessene Behandlung notwendig, jeden Fall individuell zu beurteilen.

Klar ist: Die Behandlung und Kriterien sind bei Kindern unter 5 Jahren nicht die gleichen wie bei Jugendlichen. Denn bei ersteren gilt nächtliches Bettnässen als recht normal. Bei Jugendlichen hingegen kann schon ein einziger Vorfall dieser Art Anlass zu Besorgnis geben.

Ursachen für nächtliches Bettnässen

Meistens ist das Problem allein darauf zurückzuführen, dass das Kind im Schlaf nicht genügend Kontrolle über seine Blase hat. Es merkt dann einfach nicht, dass diese voll ist und entleert sie unwillkürlich.

Nur in einem geringen Prozentsatz der Fälle hängt das Einnässen mit anderen gesundheitlichen Problemen zusammen. So zum Beispiel mit Diabetes, oder Erkrankungen im Harnwegssystem. In diesen Fällen tritt das unwillkürliche Einnässen auch tagsüber auf und dann ist die entsprechende Behandlung eine andere.

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Wie kann man das unwillkürliche Einnässen in der Nacht behandeln?

In vielen Fällen ist im Grunde überhaupt keine Behandlung nötig. Denn wenn das nächtliche Bettnässen bei Kindern unter 5 Jahren auftritt, betrachtet man es als ein ganz normales und vorübergehendes Problem, das sich mit dem Wachstum des Kindes ganz von selbst ergibt.

Nichtsdestotrotz gibt ein paar Dinge, die Mutter und Vater tun können, um dem Kind zu helfen und die Häufigkeit des nächtlichen Einnässens zu verringern. Bei diesen Ratschlägen geht es vor allem darum, sowohl den Eltern als auch dem Kind die Ursache des Problems zu erklären und dieses dadurch zu verringern.

Einige Tipps, die dir nützlich sein können:

  • Zunächst ist es wichtig, dass du deinem Kind erklärst, dass es sich für das Einnässen nicht schämen muss. Es sollte verstehen, dass es keine „Schuld“ daran hat und es sich um etwas ganz Normales handelt. Weil sein Körper noch nicht so weit entwickelt ist, die Harnblase richtig zu kontrollieren.
  • Auch solltest du dein Kind deswegen nicht ausschimpfen, oder ihm das Gefühl geben, das Missgeschick müsste ihm peinlich sein.
  • Außerdem solltest du dein Kleines nachts nicht extra aufwecken, damit es pinkelt. Auch solltest du nicht veranlassen, dass es weniger Flüssigkeit zu sich nimmt.
  • Aber du kannst eine Art „Pinkelplan“ aufstellen. Denn das kann dem Kind dabei helfen, die Kontrolle über das Wasserlassen zu erlangen.
  • Und du kannst deinem Kind erklären, dass es tagsüber mehr trinken soll. Aber gegen Abend dann weniger Flüssigkeit zu sich nehmen sollte.
  • Auf eine Verwendung von Windeln ist eher zu verzichten. Denn das könnte das Kind verwirren und es eher in dem Lernprozess, sein Wasserlassen zu kontrollieren, behindern.

Zu einer Behandlung mit Medikamenten greift man in der Regel nur in ganz besonderen Fällen. Die dabei verwendeten Arzneistoffe zielen darauf ab, den Harndrang zu verringern (Antidiuretika), oder darauf, den Schlaf zu kontrollieren.

Zusammenfassend lässt sich also Folgendes sagen: Nächtliches Bettnässen bei Kleinkindern kommt zwar häufig vor. Dennoch ist es wichtig, dem Problem genügend Aufmerksamkeit zu schenken.

Um es zu lösen, gibt es zum einen Verhaltenstherapien. Aber auch die ständige Unterstützung durch die Familie ist entscheidend, um diese Phase zu überwinden. Darüber hinaus ist es wichtig, jeden einzelnen Fall von einem Fachmann untersuchen zu lassen. Denn dieser kann feststellen, ob sich hinter dem nächtlichen Einnässen andere Probleme verbergen.

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