Montessori-Techniken, um Wut und Nervosität von Kindern zu kanalisieren

5 Juli, 2016
Für die Erfinderin und Verbreiterin der Montessori-Methode müssen Emotion und Sozialisation Hand in Hand gehen. Eltern spielen eine grundlegende Rolle in der Entwicklung der Kinder

Es stimmt, dass die Pädagogik von Montessori immer schon von vielen bewundert aber auch kritisiert worden ist.

Sie ist dennoch eine interessante Herangehensweise, aus der man Nutzen ziehen kann – nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch in der Familie und in der täglichen Erziehung der eigenen Kinder.

In diesem Artikel geht es um Wut und plötzlich auftretende Nervosität bei den Kleinsten, die so kompliziert zu kanalisieren und in Bahnen zu lenken oder gar zu verstehen sind.

Eines der nützlichsten Konzepte von Maria Montessori ist jenes der „Sensiblen Perioden“. Kinder sind von Geburt an bis zum sechsten Lebensjahr in einer Phase, die als „Gelegenheitsfenster“ bekannt ist.

Dabei handelt es sich um jene Zeiträume, in denen die angeborene Fähigkeit zum Lernen und zum Erlangen bestimmter Kompetenzen und Fertigkeiten besonders ausgeprägt ist.

Es ist der Zeitpunkt, der die beste Gelegenheit bietet, dem Kind beizubringen, die komplexe Welt der Gefühle zu kanalisieren und und zu verstehen, die manchmal überwältigend ist.

Wir stellen dir heute ein paar einfache Strategien hierfür vor.

Montessori-Pädagogik, um Zorn und Wut bei Kindern in Bahnen zu lenken

Es ist mehr oder weniger bekannt, auf welche Weise in den Montessori-Schulen die Erziehung und der Unterricht der Kinder erfolgt.

Es wird vor allem versucht, die Autonomie der Kinder zu stärken. Sie sind selbst für ihr Lernen verantwortlich motiviert durch ihre Neugier und die Interaktion mit ihrer Umgebung.

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Nun dürften sich viel Mütter und Väter fragen, wie die Montessori-Pädagogik einem in den eigenen vier Wänden behilflich sein kann.

Letztendlich ist es ihre nächste Umgebung, aus der Kinder ihre wichtigsten erzieherischen Einflüsse beziehen.

Im Folgenden werden einige Ratschläge vorgestellt, die einem sehr dabei helfen können, mit Momenten von Wut und Ärger bei Kindern umzugehen.

Montessori

Die sozio-emotionale Erziehung

Maria Montessori hat nie auf direkte Weise von Erziehung sowie von emotionaler Intelligenz gesprochen. Für die gefeierte Pädagogin waren Emotion sowie Sozialisation untrennbar miteinander verbunden.

Wenn ein Kind einen Wutausbruch hat, dann fühlt es vor allen Dingen, dass seine Umwelt sich nicht an seine Erwartungen anpasst:

  • Es kann nicht haben, was es sich wünscht, und es fühlt sich angegriffen, verärgert mit jemandem oder etwas, und ist dann nicht imstande, eine Belohnung aufzuschieben… All dies wird in Tränen, Schreien sowie Fußtritten ausgelebt.
  • Die Emotionen blühen in diesem sozio-emotiven Kontext des Kindes auf, wenn es mit Erwachsenen interagiert oder mit anderen Kindern, und ein Aspekt sich nicht vom andern trennen lässt.
  • Trotz der vielen Kritik an der Methode von Montessori, nach der diese dem Kind nur scheinbar Freiheit sowie Unabhängigkeit einräumt, sollten man eines nicht vergessen. Der Erwachsene ist der Leiter, der Erwachsene fördert das Lernen, und vor allem ist der Erwachsene das Vorbild, dem es zu folgen und nachzueifern gilt.

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Zu berücksichtigende Aspekte bei der emotionalen Anleitung der Kinder

  • Das Verhalten oder die Rede des Kindes nicht abwerten oder mit andern vergleichen. Das erzeug nur noch mehr Wut.
  • Dafür sorgen, dass sich das Kind immer sicher fühlt. Sicher, um mit dir zu reden, sicher, um sich an die Entdeckung der Welt zu machen, mit andern Kinder zu sprechen, respektvoll zu spielen, zu vertrauen sowie kreativ zu sein.
  • Fehler des Kindes zulassen. Mit Rat zur Seite stehen, aber auch dabei helfen, dass das Kind seine Fehler selber korrigieren kann. Kinder müssen Dinge selber machen können, um sich selbständig sowie selbstsicher zu fühlen.
  • Bei Wutausbrüchen sowie Zorn gibt es immer etwas, was das Kind nicht weiß oder nicht auszudrücken versteht. Es gibt eine Tatsache in seiner Umgebung, die wir erkennen und dann verstehen müssen.

Dafür ist es als Eltern unerlässlich, sich ruhig und geduldig zu verhalten. Nie sollte man diese Ausdrücke von Nervosität oder Unruhe auf die leichte Schulter nehmen, insbesondere bei den Kleinen.

Man muss den Auslöser erkennen und Strategien anbieten.

Die Gefäße der Ruhe

In den letzten Jahren ist es Mode geworden, die so genannten Gefäße der Ruhe einzusetzen, um Stress und Unruhe bei Kindern entgegenzuwirken.

Es ist nun also wichtig, ihren Sinn und ihre Verwendung zu klären.

Montessori-Glas

  • Die Gefäße der Ruhe sind ein visueller Reiz, auf den sich das Kind während einiger Augenblicke konzentrieren kann. Dank der Bewegungen des Glitzers.
  • Sie müssen immer in Gegenwart eines Erwachsenen verwendet werden.
  • Man kann sie beispielsweise jeden Tag ans Bett der Kinder bringen. Während er oder sie es bewegt und ansieht, kann man fragen, wie der Tag war. Was ihnen sorgen macht, was für Ängste sie im Herzen tragen, was ihnen gefällt und was nicht…
  • Diese Fragen stellt man auf passende Weise, ohne zu bewerten. Ohne dass es in ein Verhör ausartet, sondern eher in ein Spiel einmündet. Das Kind kann sich dann emotional erleichtern kann.

Die Gefäße der Ruhe sind ein einfaches Mittel, das eine große Hilfe sein kann. Wenn du es selber zuhause ausprobieren willst, dann sieh dir doch den Artikel darüber an, wie man so ein leuchtendes Gefäß selbst herstellen kann.

  • Lillard, A. S. (2012). Preschool children’s development in classic Montessori, supplemented Montessori, and conventional programs. Journal of School Psychology. https://doi.org/10.1016/j.jsp.2012.01.001
  • Edwards, C. P. (2006). Montessori education and its scientific basis. Journal of Applied Developmental Psychology. https://doi.org/10.1016/j.appdev.2005.12.012