Übertriebene Erziehung: das macht Kinder unglücklich

· 24 Mai, 2016
Auch wenn viele Eltern denken, dass sie damit ihren Kindern Gutes tun, kann eine übertriebene Erziehung unsichere und sehr selbstkritische Kinder zur Folge haben.

Unter übertriebener Erziehung versteht man die übermäßige Fürsorge und Betreuung der Kinder. Für viele ist dies einfach eine weitere Bezeichnung oder eine Art zu kritisieren, wie sie ihre Kinder erziehen.

Warum sollte man nicht die ganze Aufmerksamkeit in die Fürsorge der Kleinsten stecken? Wo befinden sich die Grenzen? Alle Kinder benötigen die kontinuierliche Aufmerksamkeit der Eltern, deshalb ist es manchmal gar nicht einfach zu wissen, wo sich die Grenze des Gleichgewichts befindet.

Diese Grenze muss so gesetzt werden, dass Kinder Freiraum haben für ihr persönliches Wachstum, ohne dabei emotionale Blockaden zu erleiden.

Erziehung bedeutet nicht Kontrolle, denn es geht nicht darum, den Kindern den Atem zu nehmen oder ihnen die Flügel zu stutzen. Kinder müssen sich zu Erwachsenen entwickeln, die fähig sind, Entscheidungen zu treffen und ein verantwortungsvolles Leben zu führen.

Eine übertriebene Erziehung hat negative Folgen, denen man sich bewusst sein sollte.

Übertriebene Erziehung oder die Last der übermäßigen Beschützung

Bei dieser Art Erziehung kümmern sich die Eltern sehr intensiv um alle Aspekte des Lebens ihrer Kinder: Schule, Sport, Hobbys, Ernährung, Freundschaften…

Sie sind überall gegenwärtig und denken, so die besten Eltern der Welt sein zu können. Doch das emotionale und persönliche Gleichgewicht der Kinder spiegelt in diesem Fall meist nicht Glücklichkeit wider.

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Erziehung

Folgen einer übertriebenen Erziehung: Enttäuschung

Die Eltern haben ein Bild von einem perfekten Kind und schließen sich dabei selbst als unerlässliche Referenzfiguren ein.

Mit der Zeit werden sie sich jedoch bewusst, dass ihre Kinder nicht unbedingt diesem Ideal entsprechen, was zu Enttäuschungen führt.

  • Wenn das Kind die Enttäuschung in den Augen der Eltern sieht, fühlt es sich minderwertig und denkt, gescheitert zu sein.

Folgen einer übertriebenen Erziehung: Angst und Stress

  • Diese Erziehungsmethode geht meist Hand in Hand mit einer hyperaktiven Erziehung. Viele Eltern stecken ihre Kinder in verschiedenste Aktivitäten außerhalb der Schule, oft sind die Kinder selbst an diesen gar nicht interessiert.
  • Folgen davon können gestresste und ängstliche Kinder sein, wie dies auch bei vielen überbelasteten Erwachsenen der Fall ist.
  • Die meisten Eltern, die ihre Kinder übermäßig behüten und versorgen, akzeptieren keine Fehler. Alle Anstrengungen werden schließlich deshalb unternommen, um ein leistungsfähiges, fehlerloses Kind zu erziehen, das nicht zum Scheitern verurteilt ist. Das ist unmöglich.

Folgen einer übertriebenen Erziehung: Irrtum verboten

  • Jedes Kind sollte die Möglichkeit haben, sich zu irren, Fehler zu machen und anschließend daraus frei zu lernen.
  • Kinder unter übertriebener Fürsorge werden zu ihren eigenen Richtern. Die Anforderungen sind so hoch, dass sie das Gefühl haben, diesen niemals entsprechen zu können. Folgen davon sind Frustration und Selbstbeschuldigung. Eine der schlimmsten Auswirkungen kann die Selbstzerstörung sein.
Mutter

Erziehung mit einer gesunden Bindung fördert das Veranwortungsbewusstsein

Aus einer Studie der Universität Queen, Ontario (Kanada) geht hervor, dass eine der schlimmsten Folgen einer übertriebenen Erziehung ist, dass Kinder zwischen 7 und 12 Jahren kaum mehr wissen, was es bedeutet, im Freien zu spielen oder mit Freunden zusammen zu sein. Diese Kinder sind unglücklich. 

Kindererziehung bedeutet natürlich, die Kleinen zu schützen, doch bei dieser Fürsorge sollten überdies folgende Aspekte berücksichtigt werden:

Ich beschütze dich, damit du dich sicher fühlst, nicht angebunden

  • In einer gesunden Erziehung muss das Kind anerkannt werden, damit es ein gutes Bild von sich selbst entwickeln kann.
  • Ein Kind, das sich beschützt sowie von seinen Eltern akzeptiert fühlt, verfügt über ein besseres Selbstwertgefühl und Eigeninitiative, es hat keine Angst und kann verantwortungsbewusst reifen.

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Ich beschütze dich mit Ratschlägen, doch du musst selbst aus deinen Fehlern lernen

Kinder beschützen, damit sie nicht fallen, damit sie den richtigen Weg einschlagen, sollte zum Ziel haben, dass sie ihre eigene Meinung entwickeln und insbesondere ihre eigenen Fehler begehen können, um daraus zu lernen.

Kind

Ich beschütze dich, damit du weißt, dass ich immer bei dir bin, egal welchen Weg du wählst

Die Bindung zwischen Eltern und Kindern ist von größter Wichtigkeit, insbesondere in den ersten Lebensjahren des Kindes. Ab einem Alter von 7 – 8 Jahren ist jedoch ein wichtiger Entwicklungssprung zu beobachten.

  • In diesem Alter fordern Kinder Rechte und entwickeln einen Sinn für Gerechtigkeit sowie Moral. Es ist die Zeit vor der chaotischen Adoleszenz, in der Kinder beginnen müssen, selbst Entscheidungen zu treffen, die überraschen können.
  • Höre immer auf deine Kinder, beratschlage sie, zeige ihnen, dass Freiheit Verantwortung bedeutet, dass man Verpflichtungen erfüllen muss, um gewisse Rechte zu genießen.

Wichtig ist, Lernen durch Erfahrungen zu fördern. Eine übertriebene Erziehung bringt die Stimme der Kinder zum Schweigen und fordert unerreichbare Idealziele. Es lohnt sich, diese Tipps in der Erziehung zu beachten. 

  • Baldwin, B. T. (1924). Educational psychology. Psychological Bulletin. https://doi.org/10.1037/h0066306
  • Psychology, C. (2003). Educational and Child. Society. https://doi.org/10.1136/bmj.39512.529120.BE