Kurvige Barbie soll Schönheitsideale neu definieren

· 8 März, 2016
Nach Jahrzehnten ist Schluss mit der spindeldürren Figur von Barbie, seit Neuestem zeigt sie sich mit Kurven. Die neuen Modelle zeigen sich sexy und weniger stilisiert, dafür aber realistischer.

Barbie, die wohl berühmteste, aber auch umstrittenste Puppe aller Zeiten, lässt schlussendlich ihre stereotypen Schönheitsideale hinter sich und ändert ihr Aussehen, um Mädchen eine realistischere Version des weiblichen Körpers zu geben.

Zum ersten Mal seit ihrer Entstehung im März 1959 hat die produzierende Firma Mattel ihre Kollektion mit drei neuen Modellen erweitert, die eine veränderte Anatomie und sieben verschiedene Hautfarben aufweisen.

Nach Jahrzehnten der Kritik und Kontroversen über perfekte Körpermaße, welche das Konzept der Schönheit über ein halbes Jahrhundert beeinflusst haben, hat Mattel auf den Unmut von Millionen Personen weltweit reagiert und präsentiert nun seine neuen Modelle „petite“, „tall“ und „curvy“, mit denen sich Barbie kleiner, größer und kurviger zeigt.

Von den neuen Modellen erregt die kurvige Version von Barbie die größte Aufmerksamkeit, mit breiteren Hüften und einer Figur, die mehr an der realen femininen Schönheit angelehnt ist.

Mattel begibt sich auf unbekanntes Terrain

Mehr als 50 Jahre ist Barbie ihrer spindeldürren Figur treu geblieben, welche von der Wirklichkeit eines weiblichen Körpers weit entfernt ist, aber trotzdem Mädchen dazu veranlasst hat, verzweifelt ein schlankeres und „perfekteres“ Aussehen anzustreben.

Seit den ersten Modellen gab es deswegen oft heftige Kritik und Empörung, weil Mädchen unrealistische Schönheitsideale aufgedrängt wurden. Barbie verkörperte stets mehr als nur eine einfache Puppe, sie galt als nachzuahmendes Vorbild.

Trotzdem ist Barbie eines der beliebtesten und meist verkauften Spielzeuge aller Zeiten, weltweite Absatzzahlen sprengten über Jahrzehnte hindurch alle Rekorde.

Barbie: Neue Modelle, neue Schönheitsideale

Doch in den letzten Jahren hat sich für Mattel alles geändert. Hat das Unternehmen jahrzehntelang die Verkäufe am Spielzeugmarkt angeführt, steckt es nun in einer Krise, die Jahr für Jahr Millionenverluste mit sich bringt.

2012 verzeichnete Mattel einen Verkaufsrückgang von 20% im Vergleich zu den Vorjahren. Das Unternehmen wollte mit Innovationen überzeugen und brachte Kollektionen mit neuen Berufen und interessanten Accessoires auf den Markt, konnte jedoch seine Führungsposition nicht wieder einnehmen. Im Gegenteil, 2014 und 2015 sanken die Verkaufszahlen aufs Neue.

Die Markteinführung von Puppen wie Elsa, ein Charakter des Animationsfilms Frozen, hat den Herstellern von Barbie bis zu 500 Millionen US-Dollar Verluste gebracht.

Auch wenn Elsa blond mit Körpermaßen ähnlich jener von Barbie ist, steht sie für Stärke, Mut und Freundschaft, was nicht nur bei Mädchen gut ankommt, sondern auch die Aufmerksamkeit der Eltern auf sich gezogen hat.

Aus diesem Grund hat es sich Evelyn Mazzocco, Vizepräsidentin und Geschäftsführerin der Marke seit 2014, zu ihrer Aufgabe gemacht, die Ursachen herauszufinden, warum viele Barbie plötzlich zu hassen scheinen und warum sie so viel an Zuspruch verloren hat.

Neue Barbie mit Kurven und blauen Strähnen

Nachdem ermittelt worden war, dass Eltern immer mehr nach inspirierenden Spielzeugen Ausschau halten, begann man mit dem Projekt Morgendämmerung (Project Dawn), mit welchem das Unternehmen die Schönheitsideale erweitern will, die Mädchen in den ersten Jahre entwickeln.

„Wir glauben, dass wir eine Verantwortung den Mädchen und Eltern gegenüber haben und dazu anregen sollen, das vorherrschende Schönheitsideal zu überdenken“, so Mazzocco.

Unter den Veränderungen befinden sich auch unterschiedliche Hauttöne und Haarstylings sowie die Fähigkeit, das Knie zu beugen, damit Barbie endlich auch die Möglichkeit hat, Schuhe ohne hohe Absätze zu tragen.

Nachdem die neuen Modelle offiziell über den Twitter-Account von Barbie vorgestellt wurden, haben sich zahlreiche Medien wie die renommierte Time auf ihren Titelblättern damit beschäftigt und sind zu dem Schluss gekommen, dass die neuen Barbies einen wichtigen Beitrag zur kommerziellen Präsentation des idealen weiblichen Körpers leisten.

Bei Mattel gibt es jedoch auch Befürchtungen, dass man Gefahr läuft, mit dieser Initiative zu scheitern, weil die neuen Modellen nach Körpermerkmalen benannt wurden und weil man nicht vorhersehen kann, wie die Reaktionen darauf sein werden.

Time-Magazin: Neue Barbie

Aus diesem Grund hat das Unternehmen einen speziellen Kundenservice eingerichtet, um auf die verschiedenen Bedürfnisse, Beschwerden und Reaktionen der Kunden, die das Projekt Morgendämmerung möglicherweise auslösen könnte, vorbereitet zu sein.

Die Puppen konnten im Vorverkauf auf shop.mattel.com bestellt werden und Kunden werden nun seit Februar entsprechend beliefert.

Die Auslieferung an Geschäfte in den Vereinigten Staaten erfolgt seit Anfang März, danach werden die neuen Barbies auch in anderen Ländern erhältlich sein.

Kann das neue Konzept erfolgreich sein? Zum jetzigen Zeitpunkt ist diese Frage nur sehr schwer zu beantworten. Möglicherweise ist Mattel in einigen Monaten in der Lage, die Auswirkungen auf den Markt und vor allem für die Gesellschaft zu erheben und der Öffentlichkeit zu präsentieren.