Koshas oder Hüllen des Seins: Bedeutung in Yoga und Philosophie

Die Koshas sind der Schlüssel zur Verbesserung des Bewusstseins für unsere innere Welt und zur Entwicklung einer Verbindung zwischen Geist, Körper und Seele. Hier erfährst du mehr darüber!
Koshas oder Hüllen des Seins: Bedeutung in Yoga und Philosophie

Letzte Aktualisierung: 13. August 2022

Nach den Lehren der östlichen spirituellen Tradition und insbesondere der Vedanta-Philosophie besteht der Mensch aus fünf Hüllen, den sogenannten Koshas. Je weiter wir in die einzelnen Schichten vordringen, desto subtiler werden sie. Sie beginnen auf der physischen Ebene (dem Körper) und reichen bis in den tiefsten Teil des Wesens.

Um das besser zu verstehen, können wir uns die fünf Koshas als Matrjoschkas vorstellen, russische Puppen, die immer kleinere Versionen von sich selbst enthalten und perfekt ineinander passen.

Im Gegensatz zu diesen sind die Koshas jedoch unteilbar und untrennbar. Tatsächlich sind sie so miteinander verwoben und durchlässig, dass das, was eine Ebene betrifft, Auswirkungen auf die anderen hat. Schauen wir uns im Einzelnen an, woraus sie bestehen und wie man an ihnen arbeiten kann.

Die 5 Koshas und ihre Bedeutung

Die Koshas wurden erstmals in einem alten Yogatext, der Taittiriya Upanishad, beschrieben. Dieser Text wurde vermutlich im 6. Jahrhundert v. Chr. verfasst und enthält Richtlinien für die spirituelle Befreiung.

Die Anhänger dieser östlichen Philosophie glauben, dass die Koshas der Schlüssel zur Verbesserung des Bewusstseins für die innere Welt und zur Entwicklung einer Verbindung zwischen Geist, Körper und Seele sind. Darüber hinaus argumentieren sie, dass die richtige Aufmerksamkeit für jede der Hüllen tiefere Bewusstseinszustände auf dem Weg zur Selbstverwirklichung erwecken kann. Wie können wir das erreichen? Schauen wir uns das einmal genauer an.

1. Annamaya kosha (physische Hülle)

Dies ist die äußerste Schicht und entspricht dem physischen Körper: Muskeln, Knochen, Haut, Organe und so weiter. Sie ist die dichteste der Koshas und diejenige, derer wir uns am meisten bewusst sind. Sie steht für all unsere physischen menschlichen Bedürfnisse, wie Essen und Trinken, um zu überleben.

Darüber hinaus umfasst sie alle Aspekte unseres physischen Körpers. Daher unterliegt sie den Naturgesetzen, einschließlich der Sterblichkeit. Diese Hülle wird durch Praktiken wie richtige Ernährung, körperliche Bewegung, ausreichende Ruhe und gute Gewohnheiten im Allgemeinen gepflegt.

Koshas - auf dem Boden sitzende Frau mit einer Tasse Tee in der Hand
Um das annamaya kosha zu nähren, ist es notwendig, gesunde Gewohnheiten wie gesunde Ernährung und körperliche Bewegung beizubehalten.

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2. Pranamaya kosha (Hülle der Lebensenergie)

Der so genannte Atemkörper ist die erste subtile Schicht und bezieht sich auf die Lebensenergie (Prana), die unsere biologischen Prozesse steuert und uns Energie gibt. Es ist das, was in der chinesischen Medizin als Chi bekannt ist und was die alten Ägypter Ka nannten.

Wenn diese Schicht nicht richtig genährt und ausgeglichen ist, kann sie uns nicht mit optimaler Energie versorgen. Deshalb ist es sinnvoll, Pranayama zu praktizieren, d.h. Atemübungen, die es uns ermöglichen, die Bewegung dieses Lebensflusses zu spüren.

Um die Gesundheit der Lebenskraft zu erhalten, ist es außerdem ratsam, viel frische Luft und Sonnenlicht zu bekommen. In den Yogatexten wird erklärt, dass die Sonne die Hauptquelle des Pranas ist.

3. Manomaya kosha (geistige Hülle)

Manomaya kosha ist der “Mentalkörper”, er umfasst also unsere Gedanken und Gefühle sowie unsere fünf Sinnesorgane. Das heißt, er ist dafür verantwortlich, Sinnesreize zu empfangen und innere und äußere Phänomene zu registrieren.

Von hier aus entwickeln wir automatische Reaktionen und Reflexe, die unser tägliches Handeln bestimmen. Als Sitz unserer Emotionen ist sie jedoch die instabilste Hülle von allen.

Aus diesem Grund und wegen ihrer Zwischenstellung können ihre Erregungen die ersten beiden Koshas stören. Sie kann sogar unsere Verbindung zu den beiden höheren Koshas blockieren.

Die Gesundheit der Manomaya kosha wird durch Meditation mit Mantras verbessert. So ist es möglich, diese Hülle zu beruhigen und auszubalancieren, um die Energie-“Knoten” zu lösen, die an komplexe und zwanghafte mentale Gedanken gebunden sind.

Da sich der Mentalkörper von den Sinneseindrücken, die wir ihm bieten, “ernährt”, ist es außerdem ideal, ihm ein harmonisches Umfeld, interessante berufliche Herausforderungen und unterhaltsame und mitfühlende Beziehungen zu bieten.

4. Vijnanamaya kosha (Hülle des Wissens oder Bewusstseins)

Noch subtiler ist die vijnanamaya kosha oder der “Unterscheidungskörper”. Er umfasst alle Funktionen des höheren Verstandes, wie Bewusstsein und Wille. Obwohl sie oft mit der dritten Hülle verwechselt wird, beziehen sie sich auf unterschiedliche Dinge.

Während sich die manomaya kosha auf grundlegendere geistige Prozesse (wie Wahrnehmungen und Emotionen) bezieht, bezieht sich die vierte Hülle auf höhere geistige Funktionen, wie z.B. Entscheidungsfindung, Unterscheidungsvermögen, Intellekt und Selbsterkenntnis.

Tatsächlich ist es das, was uns von anderen Lebewesen unterscheidet. Denn nur wir Menschen haben die Fähigkeit, unser Leben selbst zu lenken, frei von den Impulsen des Instinkts zu sein und moralische Entscheidungen zu treffen.

Um diese Hülle zu pflegen, werden ein yogischer Lebensstil, Kontemplation und Meditation empfohlen. Diese fördern ein klares Urteilsvermögen, eine bessere intuitive Wahrnehmung und größere Willenskraft.

5. Anandamaya kosha (Glückshülle)

Dies ist die innerste und subtilste Hülle, der “Glückseligkeitskörper”. Er ermöglicht es uns, uns mit der reinen Freude zu verbinden und kleine Einblicke in das Göttliche zu erhalten. Bei den meisten Menschen ist sie nicht entwickelt. Nur Heilige, Weise und wahre Mystiker/innen haben die innere Arbeit geleistet, die notwendig ist, um diese spirituelle Glückseligkeit zu einem echten Teil ihrer täglichen Erfahrung zu machen.

Die Glückseligkeit, aus der sie besteht, ist wie ein großes Licht, das sich ausdehnt, unveränderlich ist und materielles, rationales und intuitives Wissen transzendiert, um sich mit der transzendentalen Wahrheit zu verbinden, in der Zeit, Raum und Individualität nicht existieren.

Viele Menschen, die Nahtoderfahrungen gemacht haben, berichten, dass sie ein strahlendes weißes Licht wahrgenommen haben, das eine allumfassende Weisheit und bedingungslose Liebe ausstrahlt. Das ist die Erfahrung von anandamaya kosha.

Um unsere Glückshülle zu erwecken, können wir die folgenden Übungen durchführen:

  • Selbstloser Dienst. Dies öffnet unser Herz für unser angeborenes Einssein mit anderen Wesen.
  • Hingabe an das Göttliche. Dies öffnet unser Herz für die Vereinigung mit dem “allgegenwärtigen göttlichen Wesen”.
  • Tiefgreifende Meditation. Assoziiert mit der Verbindung zu unserem eigenen göttlichen Selbst.
Koshas - Mann bei der Meditation
Die Erfahrung von anandamaya kosha ermöglicht es uns, uns mit dem Göttlichen zu verbinden. Sie ist die am schwierigsten zu entwickelnde Ebene.

Arbeit an den 5 Koshas: Ein Weg, unser wahres Selbst zu erkennen

Nach der Vedanta-Philosophie können wir durch die Koshas unser wahres Wesen entdecken und uns wirklich mit der Welt verbinden. Wir müssen nur damit beginnen, uns ihrer bewusst zu werden und sie so zu pflegen, wie wir es sollten. Dafür sind Yoga und Meditation hervorragende Verbündete.

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