Haphephobie: Was ist das und wie lässt sie sich überwinden?

Für uns Menschen ist die Beziehung zu anderen Menschen lebenswichtig. Aber was passiert, wenn dieser Kontakt mit anderen eine intensive und irrationale Angst auslöst? In diesem Artikel erfährst du, was Haphephobie ist und wie sie sich behandeln lässt.
Haphephobie: Was ist das und wie lässt sie sich überwinden?

Letzte Aktualisierung: 17. Dezember 2021

Von anderen Menschen berührt zu werden, ist ein allgemeiner Teil der sozialen Interaktion. Dennoch fühlen wir uns alle etwas unwohl, wenn uns ein Fremder umarmt oder wenn andere in unseren persönlichen Raum eindringen. Im Allgemeinen gibt es einen angemessenen zwischenmenschlichen Abstand, der von der Art der Bindung abhängt, die wir zu anderen haben, und wenn Menschen diesen nicht respektieren, können wir uns überfordert fühlen. Aber bei der Haphephobie ist verhält sich dies etwas anders.

Für die Menschen, die darunter leiden, ist schon ein einfacher Händedruck oder der Kuss eines geliebten Menschen Auslöser für ein intensives Unbehagen.

Haphephobie ist eine irrationale und krankhafte Angst davor, andere zu berühren oder die Berührung andere zu erfahren. Die Angst, die durch Körperkontakt ausgelöst wird, ist so groß, dass sich Betroffene mitunter fast vollständig isolieren, um derartige Situationen zu vermeiden. Da der Mensch ein soziales Wesen ist, kann diese Phobie das tägliche Leben der Betroffenen ernsthaft beeinträchtigen.

Welche Symptome treten bei Haphephobie auf?

Haphephobie - ein Mann, der sich an die Brust fasst
Jeder kann unter Herzrasen (Tachykardie) leiden. Sie kann sowohl körperliche als auch psychische Ursachen haben.

Die Haphephobie fällt in die Kategorie der spezifischen Phobien, so dass ihre Symptome mit den übrigen Phobien übereinstimmen. Die wichtigsten davon sind die folgenden:

  • Intensive und unverhältnismäßige Angst davor, andere Menschen zu berühren oder von ihnen berührt zu werden.
  • Die gefürchtete Situation (in diesem Fall der Körperkontakt) löst eine starke Angstreaktion aus.
  • Obwohl sich die Person meist darüber bewusst ist, dass ihre Angst irrational ist, kann sie diese dennoch nicht kontrollieren.
  • Situationen, in denen es zu körperlichen Kontakten mit anderen kommt, werden um jeden Preis vermieden. Wenn dies nicht möglich ist, werden sie nur mit einem enormen Unbehagen ertragen.
  • Die Störung hält über einen längeren Zeitraum an und beeinträchtigt das tägliche Leben der Person (persönlich, sozial, beruflich…).
  • Bei dem Gedanken an körperlichen Kontakt mit anderen Menschen treten physiologische Symptome wie Herzrasen, Schwitzen, Erstickungsgefühle oder Muskelverspannungen auf. Zudem haben die Betroffenen häufig auch irrationale Gedanken und Überzeugungen über die Gefahr, die mit diesem Kontakt einhergehen könnte.

Ursachen und Ursprünge der Haphephobie

Die Ursache der Haphephobie ist noch nicht vollständig geklärt. Man vermutet, dass mehrere Faktoren beteiligt sind. Möglicherweise gibt es eine gewisse biologische Komponente, die mit den von unseren Vorfahren vererbten Ängsten zusammenhängt.

Spezifische Phobien werden in der Regel erworben, nachdem man entweder selbst traumatische Ereignisse erlebt oder miterlebt hat, wie andere Menschen die negativen Folgen des angstauslösenden Ereignisses erfahren haben.

So kann zum Beispiel sexueller Missbrauch in der Kindheit zu Haphephobie führen. Ebenso kann die Erfahrung, dass sich manche Menschen durch den Kontakt mit anderen mit einem Virus angesteckt haben, diese extreme Angst vor Berührungen durch andere auslösen.

Risikofaktoren

Nicht alle Menschen reagieren auf dieselben Ereignisse in gleicher Weise. Was für den einen Auslöser einer Haphephobie ist, hat für einen anderen Menschen möglicherweise keine oder keine großen Auswirkungen. Dennoch gibt es einige Faktoren, die das Risiko erhöhen, diese Störung zu entwickeln:

  • Eine familiäre Vorgeschichte mit Haphephobie oder anderen Angststörungen. Zum einen wegen der möglicherweise vererbten genetischen Komponente, aber auch, weil du damit aufgewachsen bist, dass Menschen, die dir nahe stehen, in solchen Situationen mit Angst reagieren.
  • Du hast ein gehemmtes Temperament und eine neurotische oder ängstliche Persönlichkeit.
  • Wenn du eine Frau bist, verdoppelt sich das Risiko, an einer derartigen Situationsphobie zu leiden.
  • Andere psychische Störungen wie Keimphobie, Angst vor Menschenmengen oder soziale Ängste.

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Wie stellen Fachleute die Diagnose?

Haphephobie - Patientin bei einem Psychologen
Für eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung ist eine psychologische Beratung unerlässlich.

Fachleute stützen die Diagnose der Haphephobie auf die Erfüllung der festgelegten Kriterien. Das heißt, ein Psychologe oder Psychiater muss die Symptome (Gedanken, Emotionen, Empfindungen und Verhaltensweisen) bewerten, die die Person angesichts sozialer Kontakte zeigt.

Ein klinisches Interview, Selbstaufzeichnungen oder die Anwendung einiger geeigneter Tests und Untersuchungen sind in diesem Schritt hilfreich. Diese Informationen helfen nicht nur dabei, die Haphephobie zu identifizieren, sondern auch, den am besten geeigneten individuellen Behandlungsplan aufzustellen.

Wie du sie überwinden kannst

Glücklicherweise sprechen spezifische Phobien sehr gut auf kognitiv-behaviorale Behandlungen an. Derartige Therapieansätze beruhen hauptsächlich auf drei Zielen:

  • Den Betroffenen Strategien an die Hand geben, mit denen sie ihr Angstniveau regulieren oder reduzieren können. Entspannungsmethoden und systematische Desensibilisierung sind die gängigsten Optionen.
  • Die irrationalen Gedanken, die der Angst zugrunde liegen, identifizieren und dem Patienten helfen, sie neu zu bewerten. Mit anderen Worten: Der Patient stellt ihren Wahrheitsgehalt in Frage und ersetzt sie durch andere, die funktionaler und realer sind.
  • Der Patient/die Patientin wird schrittweise den Situationen ausgesetzt, vor denen er/sie sich fürchtet. Experten haben festgestellt, dass die Betroffenen den Reiz schließlich als harmlos wahrnehmen und sich die damit verbundenen Ängste reduzieren.
  • Andere Alternativen wie die Achtsamkeits- oder Akzeptanz- und Commitment-Therapie zeigen ebenfalls gute Ergebnisse. Darüber hinaus ist es manchmal ratsam, die psychologische Intervention mit Medikamenten zu unterstützen.

Haphephobie beeinflusst das tägliche Leben

Manche Phobien stellen im Alltag kein großes Problem dar, da es einfach ist, die gefürchteten Reize zu vermeiden. Aber im Falle der Haphephobie kann die damit verbundene Angst vor Berührung das Leben auf persönlicher, sozialer, beruflicher und emotionaler Ebene einschränken und großes Unbehagen verursachen.

Aus diesem Grund und wegen der guten Ergebnisse, die mit einer Psychotherapie erzielt werden, empfehlen Fachleute dringend, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das ist zweifelsohne die beste Option, um Lebensqualität zu gewinnen.

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