14 eigenartige, unbekannte psychische Störungen

9 August, 2015
Es gibt bekanntere Störungen, wie das Stockholm- oder Diogenes-Syndrom, doch auch von anderen, weniger bekannten psychischen Krankheiten sind mehr Menschen betroffen, als wir denken.

Das menschliche Gehirn zählt immer noch zu den größten Rätseln, die existieren. Wahnvorstellungen, Dissotiation, außergewöhnliche Erfahrungen, Gehirnstörungen usw. sind sowohl beunruhigend als auch anziehend: Psychische Störungen faszinieren viele Wissenschaftler und helfen, das menschliche Gehirn als wunderbar, unendlich und erstaunlich zu betrachten.

Die meisten von uns kennen Krankheiten wie Schizophrenie oder Zwangsstörungen, doch es gibt eine lange Liste psychischer Störungen, die sehr eigenartig und relativ unbekannt sind. Anschließend sprechen wir über verschiedene mentale Probleme, die zwar nicht so geläufig sind, an denen jedoch mehr Personen leiden, als wir denken.

1. Capgras-Syndrom

Wer an diesem Syndrom leidet, ist davon überzeugt, dass eine nahestehende Person durch einen identisch aussehenden Doppelgänger ersetzt worden sei. Diese Wahnvorstellung tritt häufig bei Schizophrenie auf, kann jedoch auch bei Patienten, die an Demenz, Epilepsie oder einem Schädel-Hirn-Trauma leiden, vorkommen.

Capgras

2. Fregoli-Syndrom

Hier ist das Gegenteil der Fall: Die Betroffenen glauben, dass verschiedene Personen in Wirklichkeit nur eine sind und diese nur ihr Erscheinungsbild verändert oder sich verkleidet. 

Wie beim Capgras-Syndrom, kommt das Fregoli-Syndrom häufig bei Personen mit Schizophrenie vor. Es kann jedoch auch bei Patienten mit Demenz, Epilepsie oder einem Schädel-Hirn-Trauma auftreten.

Fregoli

3. Cotard-Syndrom

Die Betroffenen haben die Wahnvorstellung tot zu sein und nicht zu existieren. Bei diesem Krankheitsbild fühlen die Patienten, dass sie verwesen oder ihr Blut oder innere Organe verlieren. Dieses Syndrom tritt am häufigsten bei psychotischen Depressionen oder Schizophrenie auf.

Gehirn

4. Reduplikative Paramnesie

Die Betroffenen dieser Krankheit haben die wahnsinnige Vorstellung, dass ein Ort dupliziert wurde, das heißt dass simultan Kopien desselben Ortes bestehen. Der Patient kann sich beispielsweise einbilden, dass das Krankenhaus, in dem er sich befindet, dupliziert wurde und an einer anderen Stelle ist. Er fühlt, dass er in zwei parallelen Welten lebt.

5. Alien-Hand-Syndrom

Patienten, die an dieser Krankheit leiden, denken, dass ihre Hand nicht zu ihrem Körper gehört und ein eigenständiges Leben führt. Manchmal personifizieren sie die Hand und denken, dass diese von einem Geist besessen ist. Dieses Problem tritt meist bei Personen auf, die an einer Verletzung des Corpus Callosum (Gehirnbalken) leiden, der die beiden Gehirnhälften verbindet.

Eigenartige-Hand

6. Alice-im-Wunderland-Syndrom (Makropsie oder Mikropsie)

Bei diesem Krankheitsbild kommt es zu einer verzerrten Wahrnehmung der Umgebung, des Raumes und der Zeit. Am schlimmsten ist es, wenn das Körperbild verzerrt wahrgenommen wird, denn dabei sehen sich die Betroffenen in einer anderen Größe oder mit veränderten Körperteilen. Dies führt zu großer Angst und Alarmbereitschaft.

In den meisten Fällen tritt dieses Syndrom bei unterschiedlichen Grunderkrankungen wie Migräne, Gehirntumoren, Drogenkonsum, Infektionen etc. auf. Die beste Behandlung ist Ruhe und Entspannung.

Micropsia7. Jerusalem-Syndrom

Dieses Sydnrom ist von obsessiven Ideen, Wahnvorstellungen und anderen religiösen Erfahrungen gekennzeichnet. Diese werden durch den Besuch der Stadt Jerusalem ausgelöst.

Dieses Krankheitsbild limitiert sich nicht nur auf religiöse Erfahrungen, die Betroffen leiden vermutlich bereits vor ihrem Besuch der Stadt Jerusalem an einer mentalen Krankheit. Wahnvorstellungen treten mehrere Tage nach dem Verlassen dieses Gebietes auf.

8. Paris-Syndrom

Das Paris-Syndrom tritt bei Japanern nach dem Besuch der französischen Hauptstadt auf. Die Betroffenen leiden an einem Nervenzusammenbruch und emotionalen Angstzuständen sowie einer verfremdeten Wahrnehmung der Wirklichkeit (Desrealisation), Wahnvorstellungen, Halluzinationen usw.

Von 6 Millionen japanischen Touristen, die jedes Jahr Paris besuchen, sind davon nur 20 betroffen. Man vermutet, dass der Auslöser die Idealisierung, die Sprachbarriere, physische und mentale Erschöpfung sowie radikale kulturelle Unterschiede sind.

Paris

9. Dissoziative Fugue

Wer an diesem Krankheitsbild leidet, reist unerwartet an fremde Orte, ohne sich darüber bewusst zu sein und die Gründe dafür zu kennen. Meist sind diese Episoden die Folge von starken physischen und emotionalen Stressperioden, der Einnahme von psychotropischen Substanzen oder anderen Krankheiten.

10. Fremdsprachen-Akzent-Syndrom

Wer daran leidet, spricht seine eigene Muttersprache mit Akzent. Diese Krankheit ist sehr selten und tritt meist nach einem starken Schädel-Hirn-Trauma oder einer Verletzung des Sprachzentrums im Gehirn auf.

11. Stockholm-Syndrom

Dieses zeichnet sich durch die Sympathie und Treue der Geisel zum Geiselnehmer aus. Dieses Syndrom wurde nicht nur bei Geiselnahmen, sondern auch bei Opfern von Vergewaltigungen, Kindesmißbrauch, Gewalt in der Ehe etc. beobachtet.

Den Namen hat dieses Syndrom einem Bankraum in Stockholm (Schweden) zu verdanken, bei dem 1973 die Opfer ein positives emotionales Verhältnis zum Täter aufbauten, das sie sogar dazu bewegte, eine Aussage gegen den Täter zu verweigern.

Stockholm

12. Lima-Syndrom

Hier handelt es sich um genau das Gegenteil des Stockholm-Syndroms. Die Opfer sind den Tätern so sympathisch, dass sie sich ihren Wünschen und Bedürfnissen anpassen. Dies kann auf Schuldgefühle und die moralische Unschlüssigekeit der Täter zurückgeführt werden.

Der Name dieses Syndroms entstand bei einer Geiselnahme in der japanischen Botschaft in Lima (Peru). 14 Mitglieder des Movimiento Revolucionario Túpac Amaru (MRTA – Revolutionäre Bewegung von Túpac Amaru) nahmen 483 Geiseln, von denen viele mehrere Tage lang gefangen gehalten wurden. Zu den Geiseln zählten auch Politiker, Diplomaten und Militärmitglieder. Die Geiseln wurden jedoch freigelassen, da die Täter die Situation, die diese durchmachten, bedauerten.

13. Stendhal-Syndrom

Bei diesem Syndrom kommt es zu physischen und emotionalen Angstzuständen, Wahrnehmungsstörungen, dissoziativen Störungen, Konfusion oder sogar Halluzinationen bei der Betrachtung eines Kunstwerkes.

Dies kann vorkommen, wenn der Betroffene ein besonders schönes Kunstwerk betrachtet oder sich ganz besonders darauf konzentriert. Eine ähnliche Erfahrung kann beim Betrachten einer außergewöhnlich schönen Landschaft auftreten. Diese Erfahrungen sind normalerweise begrenzt, die Betroffenen benötigen keine Behandlung außer unterstützende Maßnahmen.

14. Diogenes-Syndrom (Verhüllungssyndrom)

Dieses Krankheitsbild wird durch extreme Nachlässigkeit, soziale Isolierung, Apathie sowie das Anhäufen von Müll gekennzeichnet. Es tritt insbesondere bei älteren Personen auf und wird mit progressiver Demenz in Zusammenhang gebracht. Den Namen hat diese Krankheit dem griechischen Philosoph Diogenes zu verdanken:

Diogenes von Sinope (412 oder 404 v. Chr.) war zynisch und minimalistisch, er wählte ein Leben in Armut. Seine Philosophie baute nämlich auf dem Glauben auf, dass der Sinn des Lebens darin besteht, in Tugend und im Einklang mit der Natur zu leben und gleichzeitig konventionelle Begehren (Reichtum, Macht, Gesundheit und Bekanntheit) abzulehnen.

Er soll in einem Fass auf den Straßen Athens gelebt haben. Diogenes war bekannt für seine Unverfrorenheit und Forschheit bei seinen Begegnungen mit Alexander dem Großen. Man erzählt, dass Alexander der Große zu ihm sagte: „Wünsche dir von mir, was du willst!“, worauf Diogenes antwortete: „Geh mir aus dem Weg, du verdeckst mir die Sonne“.

 

Die Liste eigenartiger psychischer Störungen könnte weiter fortgesetzt werden, wir haben hier nur einige erstaunliche Krankheitsbilder erwähnt. Wir hoffen, dass dieser Artikel interessant für dich war.

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