Erythrozytensedimentationsrate - Was ist das?

Die Erythrozytensedimentationsrate ist ein Labortest, den man anwendet, um eventuell vorhandene entzündliche und neoplastische Erkrankungen festzustellen. Wir sagen dir, wie sie durchgeführt und in welchen Fällen sie verordnet wird.
Erythrozytensedimentationsrate - Was ist das?

Letzte Aktualisierung: 14. März 2021

Klinische Labortests sind in der medizinischen Praxis von großer Bedeutung. Manchmal sind sie die einzige Möglichkeit, das Vorhandensein einer Krankheit festzustellen. Einer der am häufigsten durchgeführten Tests ist die Erythrozytensedimentationsrate.

Auch bekannt als Blutsenkungsgeschwindigkeit, BSG oder ESR, handelt es sich hier um einen Test, der misst, wie schnell sich rote Blutkörperchen auf dem Boden eines Reagenzglases absetzen. Eine höhere oder niedrigere Sedimentationsrate als üblich weist auf verschiedene Krankheiten hin.

Unter normalen Bedingungen haben Erythrozyten oder rote Blutkörperchen eine negative Ladung, die bewirkt, dass sie sich gegenseitig abstoßen, mit einer Sedimentationsrate von 10 Millimetern (mm) pro Stunde. Jedoch kann diese je nach Studienteilnehmer und dessen Lebensstil variieren.

Gründe, warum eine ESR durchgeführt werden sollte

Die Erythrozytensedimentationsrate ist ein Test, den ein Facharzt durchführt und der auf das Vorliegen von Krankheiten hinweisen kann. Er kann daher in folgenden Situationen nützlich sein:

  • Bei Fieber unbekannter Herkunft,
  • einigen Arten von Arthritis und
  • Symptomebdie die Muskeln betreffen.

Der Arzt muss jedoch die klinische Untersuchung des Patienten zusammen mit den Ergebnissen der Labortests analysieren, um eine genaue Diagnose stellen zu können. Andererseits kann die ESR als wichtiges diagnostisches Kriterium für das Erkennen zweier Krankheiten angewendet werden: Polymyalgia rheumatica und temporale Arteriitis, die beide sehr selten sind und bei Patienten über 50 Jahren auftreten.

Polymyalgia rheumatica ist eine entzündliche Erkrankung, die die am nächsten gelegene Muskulatur der Gliedmaßen und des Rumpfes betrifft, Schmerzen verursacht und die Bewegung einschränkt. Wohingegen die temporale Arteriitis Kopfschmerzen, verminderte Sehschärfe, Fieber, Kieferkrämpfe und Anämie verursacht.

Die ESR ist ein Test, den Ärzte bei Muskel- oder Knochenschmerzen anordnen können.

Erfahre mehr: Blutplasmatransfusion: Ablauf, Arten und Risiken

Wie sollte ich mich auf diesen Test vorbereiten?

Es handelt sich um einen recht einfachen und schnellen Test, sodass keine außergewöhnliche Vorbereitung erforderlich ist. Wenn nur eine Erythrozytensenkungsgeschwindigkeit durchgeführt wird, ist Nüchternheit keine Voraussetzung, wenn allerdings gleichzeitig andere Tests durchgeführt werden, müssen entsprechende Maßnahmen getroffen werden.

Um die Analyse durchzuführen, muss venöses Blut mit einer Spritze entnommen werden. Die Punktion wird im Arm vorgenommen. Dies kann dazu führen, dass du während des Tests leichte Schmerzen oder Unbehagen verspürst, das manchmal für den Rest des Tages anhält. Es hindert dich jedoch nicht daran, alltägliche Aktivitäten auszuführen.

Der Bluttest ist sehr einfach und wird in der Regel mit der Westergren-Methode durchgeführt, bei der man 2 ml Blut mit 0,5 ml Citrat in einem Reagenzglas vermischt und man den freien Abstand der roten Blutkörperchen misst. Nach einer Stunde berechnet man dann den Abstand in mm von der erythrozytenfreien Zone neu, um zu sehen, wie schnell die Erythrozyten abgesunken sind.

Bedeutung einer hohen Erythrozytensedimentationsrate

Wenn die Erythrozytensedimentationsrate über den Normalwerten liegt, ist es möglich, dass eine entzündliche Krankheit oder eine Neoplasie vorliegt. Studien zufolge steigt die Rate nach 24 Stunden an und kehrt dann in der Regel erst nach ihrer Auflösung zu normalen Werten zurück.

Diese Art der Krankheit erhöht die Konzentration verschiedener Proteine im Blutplasma. All diese Proteine, insbesondere Fibrinogen, beeinträchtigen die Oberflächenladung der roten Blutkörperchen, wodurch diese schneller absinken.

Verschiedene Situationen, die das Blutfibrinogen erhöhen, wie z. B. Schwangerschaft, Diabetes oder Niereninsuffizienz im Endstadium, sind jedoch in der Lage, die Erythrozytensedimentationsrate zu erhöhen. Wir können beispielsweise folgende Ursachen nennen:

  • Anämie
  • Makrozytose
  • Akute Blutung
  • Akuter Herzinfarkt
  • Lymphom
  • Metastasierendes Karzinom

Was bedeutet eine niedrige Erythrozytensedimentationsrate?

Meistens ist eine niedrige Erythrozytensedimentationsrate von geringer medizinischer Bedeutung. Bei gesunden Patienten kann sie bis zu 0 mm betragen, sodass sie für Fachärzte in der Regel keinen Anlass zur Sorge darstellt.

Eine niedrige Erythrozytensenkungsrate (zwischen 0 mm und 3 mm) ist jedoch mit einer Reihe von Gesundheitsproblemen verbunden:

  • Polyglobulie oder große Anzahl von roten Blutkörperchen
  • Verformungen der roten Blutkörperchen
  • Hyperviskositätssyndrome (HVS)
  • Rauchen
  • Herzinsuffizienz

Außerdem können Infektionskrankheiten, wie beispielsweise das Dengue-Fieber, einen leichten Abfall der Sedimentationsrate verursachen. Diese Tatsache wurde sogar in einer Studie nachgewiesen, in der die ESR von Patienten mit dieser Krankheit im Vergleich zu anderen mit akuten fiebrigen Syndromen sehr niedrig war.

Erythrozytensedimentationsrate
Wenn auch selten, kann das Dengue-Fieber, eine durch Mücken übertragene tropische Infektionskrankheit, eine niedrige ESR verursachen.

Ein einfacher, aber effizienter Test

Wie man sehen kann, ist die Erythrozytensedimentationsrate kein komplexer Test, aber er ist sehr nützlich, um das Vorhandensein entzündlicher Krankheiten festzustellen. Es kann dem Arzt somit helfen, eine genaue Diagnose zu stellen.

Was den Patienten betrifft, so braucht er keine besondere Vorbereitung, um sie durchzuführen. Außerdem wird er/sie nach dem Eingriff in der Lage sein, seinen/ihren täglichen Aktivitäten ohne jegliche Schwierigkeiten nachzugehen.

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