Autoritärer Erziehungsstil: Merkmale und mögliche Auswirkungen auf Kinder

Ein sehr autoritärer Erziehungsstil kann bei Kindern dazu führen, dass sie Unsicherheiten entwickeln und Probleme bei der Emotionskontrolle haben. In diesem Artikel erfährst du mehr zu diesem interessanten Thema. Lies weiter!
Autoritärer Erziehungsstil: Merkmale und mögliche Auswirkungen auf Kinder

Letzte Aktualisierung: 21. November 2021

Die Familie ist der erste und wichtigste Einflussbereich für die Erziehung von Kindern. Vater und Mutter vermitteln Werte, Grundsätze, Traditionen, Richtlinien und Rollen in einem komplexen System, an dem Großeltern, Onkel, Tanten und viele andere beteiligt sind. Sowohl ein permissiver als auch ein autoritärer Erziehungsstil bringen jeweils gewisse Vor- und Nachteile mit sich, die es zu kennen gilt.

In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Merkmale des autoritären Erziehungsstils. Einige vorgefasste Meinungen lassen uns glauben, dass wir bei der Erziehung die Kontrolle haben sollten. Vielleicht ist es jedoch am wichtigsten zu wissen, wann wir uns emotional zurücknehmen und unseren Kindern erlauben sollten, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Autoritärer Erziehungsstil – was genau bedeutet das eigentlich?

Der Erziehungsstil beinhaltet bestimmte Einstellungen und Verhaltensweisen der Eltern, damit die Kinder bestimmte Verhaltensweisen entwickeln.

Ein autoritärer Erziehungsstil kann reziprok oder repressiv sein. Ersterer basiert auf der Festlegung einvernehmlicher Grenzen; letzterer kontrolliert durch Unterdrückung, Bestrafung und sogar Gewalt. Insgesamt handelt es sich um einen sehr rigiden und unidirektionalen Erziehungsstil. Es gibt Regeln oder Verfahren, die ohne Diskussion vorgegeben werden.

Dieser Erziehungsstil zeigt sich häufig in einer gereizten und strengen Haltung der Eltern. Außerdem äußert er sich in Menschen, die scheinbar immer die Kontrolle haben müssen. Bei diesem Erziehungsstil steht die Familie in ihrer Gesamtheit unter dem Druck einer latenten Unzufriedenheit.

Grundsätzlich ist ein autoritärer Erziehungsstil durch Folgendes gekennzeichnet:

  • Die Eltern stellen starre Verhaltensregeln auf.
  • Sie zeigen ihren Kindern gegenüber wenig oder gar keine Zuneigung.
  • Sie bieten keine Alternativen an oder nur solche, die sie bereits im Voraus gebilligt haben.
  • Diese Eltern bestrafen und tadeln zwanghaft abweichendes oder schlechtes Verhalten.
Autoritärer Erziehungsstil - Vater und Mutter deuten mit dem Finger auf ihr Kind
Ein autoritärer Erziehungsstil konzentriert sich oft darauf, was das Kind aus Sicht der Eltern falsch macht.

Was sind die Vor- und Nachteile eines derartigen Erziehungsstils?

In einer Gesellschaft, die auf Wettbewerb basiert und dazu neigt, Werte und Traditionen zu lockern, ist ein nicht-repressiver autoritärer Erziehungsstil eine mögliche Alternative.

Er bietet gewisse Vorteile, indem er den Kindern Beständigkeit und Gelassenheit im Umgang mit Unsicherheiten und Herausforderungen vermittelt.

Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus der geringen emotionalen Kapazität, die zu flachen, kalten und opportunistischen Beziehungen in einer Gesellschaft führt, die Persönlichkeiten und Rollen virtualisiert und sogar trivialisiert hat. So gesehen kann ein autoritärer Erziehungsstil in unserer schnelllebigen, unpersönlichen Gesellschaft gewisse positive Elemente beisteuern.

Viele der damit verbundenen Nachteile resultieren aus der mangelnden Kommunikation und dem fehlendem Ausdruck von Gefühlen. Außerdem führt ein extrem autoritärer Erziehungsstil zu Unsicherheiten und nimmt den Kindern die Chance, Eigeninitiative zu entwickeln. Daher fühlen sie sich oft durch die Möglichkeit, einen Fehler zu machen, unter Druck gesetzt.

Diejenigen, die mit autoritären Eltern aufgewachsen sind, sind oft zurückhaltend, haben ein geringes Selbstwertgefühl und Schwierigkeiten, sich selbst Ziele zu setzen. Sie neigen dazu, Anordnungen und Befehlen von Autoritätspersonen widerspruchslos zu gehorchen und Folge zu leisten. Wenn sie keine Instruktionen erhalten, tendieren sie dazu, Fehler zu machen.

Im Allgemeinen gehorchen diese Menschen auf eine beinahe unterwürfige Art und haben häufig extreme Angst davor, Fehler zu begehen, beispielsweise bei Prüfungen. Letztendlich versuchen sowohl diese Eltern als auch ihre Kinder vielleicht nur die eigenen Versagensängste zu kompensieren und zu verbergen.

Das könnte dich ebenfalls interessieren: Stress und Angstzustände: 3 wichtige Unterschiede

Extrem autoritärer Erziehungsstil und die Folgen

Insgesamt betrachtet, gehorchen Kinder, die mit gegenseitiger und begründeter Autorität erzogen werden, auf verantwortungsbewusste Weise. Sie entwickeln Selbstbeherrschung und Disziplin. Autorität wird durch Vorbilder ausgeübt. Bei einem gesunden Maß an Autorität sind die Eltern tatsächlich ein positives Vorbild für ihre Kinder.

Gesunde Autorität beruht auf gegenseitigem Respekt. Die falsche Interpretation davon ist jedoch der Autoritarismus. Wenn Eltern ihre Autorität gut einsetzen, erweisen sie sich als stark, kompetent und vertrauenswürdig.

Wenn Eltern ihre Autorität jedoch schlecht einsetzen, üben sie lediglich ihre Macht über ihre Kinder aus. Das ist eine sehr ungesunde autoritäre Erziehungsmethode.

Die Aufgabe der Eltern besteht darin, eine gewisse Kontrolle auszuüben, um das einzigartige Potenzial ihrer Kinder zu ermöglichen und zu fördern – und nicht darin, sie zu beherrschen.

autoritärer Erziehungsstil - Vater spricht mit seinem Sohn
Wenn Eltern ihren Kindern ein Vorbild sind, entsteht zwischen ihnen eine andere und stärkere Form des Respekts.

Auch dieser Artikel wird dir bestimmt gefallen: Wie spreche ich mit Kindern im Teenageralter?

Wie du deinen Erziehungsstil verbessern kannst

Wir alle wollen, dass unsere Kinder lernen, Konflikte zu lösen und mit ihren Emotionen umzugehen und die Fähigkeit entwickeln, sich auf verschiedene Situationen einzustellen und sich anzupassen. Sowohl ein permissiver als auch ein autoritärer Erziehungsstil tragen jedoch auf unterschiedliche Weise dazu bei, Kinder zu fördern oder einzuschränken.

Der schädlichste Teil des autoritären Erziehungsstils ist die Bestrafung. Mit dieser Praxis versuchen die Eltern, das Verhalten ihrer Kinder zu korrigieren, ohne ihnen den Raum für einen Konsens zu bieten. Oft ist das Ergebnis eine Spirale aus Schweigen und Gewalt, die alles nur noch schlimmer macht. Außerdem kehrt dies alles bald wie ein Bumerang zurück.

Im Gegensatz dazu sind Kommunikation, Unterstützung und Zuneigung die Grundlage eines Erziehungsstils, der die Persönlichkeit und Integrität der Kinder respektiert. Letztlich besteht die Herausforderung für Eltern darin, ihren Kindern zu helfen, unabhängig zu werden. So können sie die Herausforderungen des Lebens selbst bewältigen.

Elternschaft ist eine Schule, und wir lernen aus Fehlern. Von einem geradlinigen autoritären Stil kann man zu einem Stil übergehen, der auf Verständnis, Dialog und Einvernehmen mit Bewusstsein und Reflexion beruht.

Wenn es klare Regeln gibt, an die sich alle halten, ist die Gefahr von ernsthaften Verstößen geringer. Wenn Verhaltensweisen und Einstellungen liebevoll beobachtet werden, können Kinder auf gesunde Weise lernen und wachsen.

Es könnte dich interessieren ...
Selbstfürsorge für Eltern: Zehn hilfreiche Tipps für Mütter und Väter
Besser Gesund Leben
Lies auch diesen Artikel bei Besser Gesund Leben
Selbstfürsorge für Eltern: Zehn hilfreiche Tipps für Mütter und Väter

Wenn du dir Zeit für dich nimmst, kannst du dich deinen Kindern intensiver und aufmerksamer widmen. Hier sind 10 Tipps zur Selbstfürsorge!