Wissenswertes über Fetischismus

22 Juli, 2020
Solange Fetischismus das Sexualleben des Individuums nicht bedingt und so abhängig macht, dass ohne das Objekt der Begierde keine sexuelle Beziehung mehr möglich ist, handelt es sich nicht um eine krankhafte sexuelle Störung. Moderne Sexualwissenschaftler sprechen von einer harmlosen Marotte, solange sich das Verhalten im Rahmen der Normalität abwickelt.

Unterwäsche, Schuhe, Haare, Füße, oder gar eine Kombination verschiedener Fetische… die sexuellen Vorlieben sind schier grenzenlos. Auch bestimmte Körperteile können die sexuelle Erregung stimulieren. Doch wie entsteht der Fetischismus und wo liegt die Grenze zwischen Normalität und Störung?

Wir gehen heute diesen Fragen nach. Lies weiter, wenn du mehr darüber erfahren willst.

Wissenswertes über Fetischismus

Fetischismus ist eine Paraphilie (Störung der Sexualpräferenz), die auf die intensive und wiederkehrende sexuelle Erregung durch ein lebloses Objekt (den Fetisch) beruht. Solange sich jedoch diese Vorliebe im Rahmen der Normalität bewegt, handelt es sich nicht um eine krankhafte Störung.

Wir sprechen im Allgemeinen von Hilfsmitteln oder einfach einer Marotte, mit der die sexuelle Erregung erreicht wird, um Befriedigung und Genuss zu erlangen. Sollte der Fetisch jedoch zur Notwendigkeit werden, um sexuelle Erregung zu erreichen, kann es sich um eine Störung handeln, die zum Problem werden kann, wenn ohne den Fetisch keine sexuelle Beziehung mehr möglich ist. 

Der Fetisch sollte die sexuelle Beziehung ergänzen, jedoch nicht Voraussetzung dafür sein.

Ursachen des Fetischismus

Ursachen des Fetischismus
Fetische können die normale sexuelle Praxis problemlos ergänzen, um die sexuelle Erregung zu stimulieren.
Im Laufe der Geschichte haben viele Theorien versucht, die Ursachen des Fetischismus zu definieren. Bis heute gibt es jedoch keine definitive Erklärung. Wir betrachten jedoch anschließend die Theorie der Konditionierung, die in diesem Zusammenhang hervorzuheben ist.

Entdecke auch diesen Beitrag: 2 Sexualprobleme von Männern und was du dagegen tun kannst

Fetischismus und die Theorie der Konditionierung

Diese Theorie scheint die Dynamik und die Ursachen des Fetischismus am besten zu erklären. Die Auslöser sind nach dieser Theorie in der Kindheit zu finden. Bestimmte Erfahrungen während der Kindheit sollen eine Assoziation zwischen sexuellem Verlangen und Erregung in Kombination mit einem bestimmten Gegenstand herstellen. Diese Assoziation äußert sich dann im Erwachsenenalter durch Fetischismus. 

Tatsächlich lernen wir in der Kindheit, Geschlechtsmerkmale zu erkennen. Aus diesem Grund könnte eine Konzeptualisierung eines Gegenstandes, der mit Sexualität assoziiert wird, die Ursache für den Fetischismus sein.

Andere wiederum gehen eher von einer Konditionierung während der Pubertät aus, die mit der Selbstbefriedigung beginnt.

Auch dieser Artikel könnte dich interessieren: Lügen in der Pubertät: wovor wir Angst haben

Wann ist Fetischismus eine krankhafte Störung?

Wann ist Fetischismus eine krankhafte Störung?
Wenn die sexuelle Erregung allein vom Fetisch abhängt, kann es sich um eine krankhafte Störung handeln.

Wie bereits erwähnt, erfüllen die meisten Menschen mit Fetischen nicht die Kriterien für eine sexuelle Störung. Tatsächlich müssen die folgenden Bedingungen gegeben sein, damit Fetischismus als ein Problem oder als eine Störung, die angemessene Aufmerksamkeit erfordert, betrachtet werden kann:

  • Die Fantasien oder Impulse führen dazu, dass die Person sich unwohl fühlt.
  • Es liegt eine funktionelle Beeinträchtigung der betroffenen Person vor.
  • Der Fetisch wird zwanghaft und obligatorisch.
  • Der Fetischismus hat einen sehr negativen Einfluss auf die Beziehungen der Person.
  • Er wird zu einem obsessiven Gedanken.

Von einer Störung spricht man, wenn diese Probleme mindestens sechs Monate lang andauern.

Welche Fetische kommen häufig zur Verwendung?

Wie bereits erwähnt, entsteht Fetischismus in der Regel durch eine klassische Konditionierung, bei der ein bestimmter Gegenstand zur sexuellen Erregung führt. Diese Fetische sind sehr vielfältig und bei jedem anders. Jedes Objekt kommt dafür infrage, doch manche Gegenstände sind besonders beliebt:

  • Podophilie (Füße)
  • Urolagnie (Urin)
  • Retifismus (Schuhe)
  • Otophilie (Ohren)
  • Misophilie (Unterwäsche)

Schlussfolgerung

erotische Beziehung
Fetische können das Paar sexuell stimulieren. Sollten jedoch Zweifel vorliegen, ist es immer besser, einen Experten zu konsultieren.

Wir haben gesehen, dass Fetischismus normal, aber auch krankhaft sein kann. Wenn zum Beispiel eine Person spezifische Unterwäsche reizvoll findet, ist das ganz normal. Eine Farbe oder bestimmte Ausfertigung kann einen visuellen Reiz darstellen, der die Liebeslust steigert. Es handelt sich in diesem Fall um einen Gegenstand, der das Liebesspiel ergänzt und interessanter macht.

Wenn der Fetisch allerdings zum Zwang wird und Grundvoraussetzung für eine sexuelle Beziehung ist, sprechen wir von einer krankhaften Störung, die zum Problem werden kann. In diesem Fall ist eine entsprechende Behandlung wichtig. 

Ein unschuldiger und harmloser Fetisch kann eine Beziehung noch reizvoller machen, wenn du jedoch beobachtest, dass der Fetisch zum Problem wird, ist professionelle Hilfe nötig.

  • José Antonio Mejía Coria, “Sexualidad, fetiche y objeto”, Revista electrónica de psicología Iztacala, 15 (1) 2012.
  • George R. Brown, “Trastorno de fetichismo”, Manual MSD, revisado en 2017. https://www.msdmanuals.com/es-es/professional/trastornos-psiqui%C3%A1tricos/sexualidad,-disforia-de-g%C3%A9nero-y-parafilias/trastorno-de-fetichismo
  • Freud, Sigmund, “Fetichismo”, International Journal of Pshycoanalysis, Vol. IX, 1928.